# taz.de -- Blockiertes Seenotrettungsschiff: Notstand vor Siziliens Küste
> Italien erlaubt der „Sea-Watch 5“ nicht, mit 57 Geretteten in Trapani
> anzulegen. Laut NGO sei der gesundheitliche Zustand der Menschen an Bord
> schlecht.
(IMG) Bild: Dürfen nicht an Land gehen: Passagiere auf dem Deck des Rettungsschiffs „Sea-Watch 5“ am 16. März 2026
Das Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 5“ treibt mit derzeit 57 Geretteten an
Bord vor der sizilianischen Küste. Italiens Behörden verwehren der
deutschen NGO die Einfahrt in den Hafen der Kleinstadt Trapani. Die
Seenotretter hatten sich geweigert, das 1.100 Kilometer vom Ort ihrer
letzten Rettung entfernte Carrara anzufahren. „Wir wehren uns gegen dieses
politische Schachspiel. Unsere 'Sea-Watch 5ʻ-Crew folgt Seerecht und keiner
politischen Willkür“, erklärt Giulia Messmer, Pressesprecherin von
Sea-Watch, gegenüber der taz.
Am 15. März hatte Sea-Watch eigenen Angaben zufolge 93 Menschen in
internationalen Gewässern nahe der Küste Libyens aus Seenot gerettet. Sie
wurden aus zwei Booten geborgen. Unter ihnen habe sich auch ein
zweijähriges Mädchen in lebensgefährlichem Gesundheitszustand befunden. 9
Menschen inklusive des Kindes seien noch in der Nacht aus medizinischen
Gründen durch die italienische Küstenwache evakuiert worden. Weitere 27
Menschen, Minderjährige und deren Familienmitglieder, durften auf Anweisung
eines italienischen Jugendgerichts später ebenfalls von Bord gehen.
Italien hatte der NGO einen Hafen in Carrara im Nordwesten der Toskana
zugewiesen. Die Crew weigerte sich. Aufgrund der schlechten
Wetterverhältnisse mit zwei bis drei Meter hohen Wellen und des
gesundheitlichen Zustands der Geretteten sei die viertägige Fahrt nicht
zumutbar. Die Menschen litten an „Seekrankheit, Erschöpfung und
Treibstoffverbrennungen“ und müssten „sofort an Land gebracht werden“, so
Messmer von Sea-Watch. Also fuhr man das nahe sizilianische Trapani an.
„Die italienischen Behörden behindern unsere Rettung gezielt. Sie sind sich
des medizinischen Zustands der Menschen an Bord und der Wetterbedingungen
vollkommen bewusst und zwingen uns dennoch, auf See zu bleiben. Giorgia
Melonis Regierung gefährdet aktiv das Leben aller geretteten Menschen auf
unserem Schiff“, erklärt darüber hinaus Einsatzleiterin Chiara Milanese in
einer Stellungnahme.
## Zuweisung eines entfernten Hafens als Schikane
Die Zuweisung weit entfernter Häfen ist gängige Praxis unter der rechten
Regierung von Giorgia Meloni. Kritiker:innen werfen Italien vor, damit
die Arbeit von Seenotrettungsorganisationen absichtlich zu behindern und
Kosten sowie Zeitaufwand in die Höhe zu treiben. Seenotrettungsschiffe, die
entgegen den Anweisungen andere Häfen anfahren, werden infolgedessen häufig
für einige Wochen bis zu mehreren Monaten dort festgesetzt. Zuletzt waren
derlei Festsetzungen vermehrt nachträglich von italienischen Gerichten als
rechtswidrig erklärt worden. Italiens Küstenwache und das Nationale
Koordinationszentrum für Seenotrettung in Rom (MRCC) haben Anfragen der taz
zum Thema bislang unbeantwortet gelassen.
Inzwischen hat die „Sea-Watch 5“ wegen der desolaten Lage an Bord den
Notstand ausgerufen. Schon jetzt erinnert der Fall an die Irrfahrt von
[1][Kapitänin Carola Rackete] aus dem Jahr 2019, der damals zwei Wochen
lang mit 53 Geflüchtete verwehrt wurde, in Lampedusa anzulegen.
Die generelle Lage auf dem Mittelmeer bleibt dramatisch. 2026 starben nach
Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr
als 680 Menschen bei dem Versuch, übers Mittelmeer nach Europa zu gelangen.
Damit ist es das tödlichste seit mehr als zehn Jahren.
18 Mar 2026
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(DIR) Fabian Schroer
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