# taz.de -- Tunesien: Antirassistischer Aktivismus unerwünscht
> Aktivistin Saadia Mosbah setzte sich gegen Rassismus und für Migranten
> aus Subsahara-Afrika ein. Nun wurde sie zu einer langen Haftstrafe
> verurteilt.
(IMG) Bild: Saadia Mosbah, muss im Gefängnis bleiben. Im Bild eine Solidaritätskundgebung in Tunis, 2025
Die Aktivistin Saadia Mosbah ist am Donnerstag von einem Gericht in Tunis
zu acht Jahren Gefängnis und umgerechnet 30.000 Euro Geldstrafe verurteilt
worden. Sie sitzt bereits seit fast zwei Jahren in Untersuchungshaft. Gegen
die Präsidentin der Menschenrechtsorganisation Mnemti hatte die
Staatsanwaltschaft jahrelang wegen Missbrauchs von Spendengeldern und deren
Empfang aus dem Ausland ermittelt.
Die 66-jährige dunkelhäutige Tunesierin ist eine der prominentesten Stimmen
gegen [1][Rassismus in Nordafrika]. Sie hatte ein 2018 vom Parlament
beschlossenes Antidiskriminierungsgesetz initiiert.
Mnemti hat sich den Kampf gegen Vorurteile gegen dunkelhäutige
Tunesier:innen die Fahnen geschrieben und leistete in den letzten
Jahren auch juristische und humanitäre Hilfe für Migrant:innen aus
Subsahara-Afrika.
Viele versuchen von der Küste nördlich [2][der tunesischen Hafenstadt Sfax
aus nach Europa zu kommen]. Die oftmals „Afrikaner“ genannten
Migrant:innen wurden allerdings aus Sfax vertrieben und [3][leben
seitdem zu Zehntausenden in selbstorganisierten Zeltstädten in
Olivenhainen]. Gleichzeitig wurde Tunesiern die Anstellung von
Migrant:innen und die Vermietung von Wohnungen an Menschen ohne
Aufenthaltsbewilligung verboten.
Hilfsorganisationen der Vereinten Nationen wurden dort die Arbeit
untersagt, tunesische Nichtregierungsorganisationen wie Mnemti sprangen
ein.
## Staatliche Medien übernehmen das Regierungsnarrativ
Neben Saadia Mosbah sitzen mehrere andere für die Rechte von Migranten
eintretende Aktivistinnen hinter Gittern.
Präsident Kais Said hatte die Migranten im Februar als Plan „dunkler
Mächte“ bezeichnet, die Demografie des Landes zu verändern. Und als Gefahr
für die arabische und muslimische Identität Tunesiens. Staatliche Medien
haben diese Narrative weitgehend übernommen, daher blieb die Empörung über
Urteile gegen Mosbah und andere Vertreterinnen der Zivilgesellschaft bisher
weitgehend aus.
Regierungskritiker sehen in dem Urteil hingegen einen weiteren Tiefschlag
gegen das, was Tunesien einst zum Vorzeigeland auf dem Kontinent und in der
arabischen Welt gemacht hatte: [4][Meinungsfreiheit und eine effektive
Zivilgesellschaft.]
## Proteste vor dem Gerichtsgebäude
Auch in dieser seit Langem unter Verfolgungsdruck stehenden tunesischen
Zivilgesellschaft ist man über das harsche Urteil am letzten Tag des
Ramadan verwundert.
Das Observatorium für Menschenrechte und die in Tunesien sehr aktive
Weltorganisation gegen Folter (OMCT) forderten eine sofortige Freilassung
der gesundheitlich angeschlagenen Aktivistin.
Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich am Donnerstag zahlreiche
Mitstreiterinnen eingefunden. Rondhane Ben Amor, die Präsidentin der
ebenfalls für Migrant:innen aktiven Nichtregierungsorganisation FTDES
nennt das Verfahren „eine Kriminalisierung der Zivilgesellschaft“.
Reaktionen von Diplomaten aus EU-Ländern – [5][die Tunesien zum Partner
gegen Migration über das Mittelmeer auserkoren haben] – blieben bisher aus.
20 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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