# taz.de -- Streit um Israel in der Linkspartei: Parteivorsitzende versuchen, ein Machtwort zu sprechen
> Der Konflikt in der Linken über Israel und Zionismus ist heftig. Jetzt
> melden sich die Parteivorsitzenden Schwerdtner und van Aken gemeinsam zu
> Wort.
(IMG) Bild: „Klare Grenze gegen die sektiererischen Kräfte“: Linken-Chef:innen Ines Schwerdtner und Jan van Aken
Im Antizionismus-Streit innerhalb der Linken versuchen die
Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken, ein Machtwort zu
sprechen. „Unsere gesamte Partei muss die Überzeugung einen, dass allen
Menschen in Palästina und Israel gleichermaßen ein Leben in Sicherheit und
politischer Selbstbestimmung zusteht“, schreiben die beiden in einer
gemeinsamen Erklärung. Sie zögen „eine klare Grenze gegen die
sektiererischen Kräfte, die politische Fragen ohne Rücksicht auf unseren
gemeinsamen Erfolg missbrauchen, um Machtgewinne zu erzielen“.
Damit zielen van Aken und Schwerdtner auf jene Teile der Partei ab, die
nach einem [1][Beschluss des niedersächsischen Landesparteitags] vom
vergangenen Sonntag die Linke in Niedersachsen als „ersten
antizionistischen Landesverband“ abfeiern. In dem Antrag, der ursprünglich
die Überschrift „Ablehnung des Zionismus“ trug, wird in seiner
beschlossenen Fassung [2][der „heute real existierende Zionismus“
abgelehnt.] Auf eineinhalb Seiten wird Israel gleich fünfmal des „Genozids“
in Palästina und zweimal der „Apartheid“ sowohl in den besetzten Gebieten
als auch innerhalb des israelischen Staates bezichtigt. Über den
Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 findet sich hingegen kein Wort.
Der israelfeindliche Beschluss war [3][inner- wie außerhalb der Partei auf
heftige Kritik] gestoßen. So erklärte der Präsident des Zentralrats der
Juden in Deutschland, Josef Schuster, die „demonstrative Ablehnung“ des
jüdischen Staates durch die Linke sei „ein Angriff auf das
Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes“. Aus Protest trat Brandenburgs
Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner aus der Linkspartei aus.
Als „problematisch“ und „falsch“ bezeichnete die Berliner
Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp den beschlossenen Antrag. So blende er
aus, dass der Begriff Zionismus für viele jüdische Menschen weltweit für
einen sicheren Ort und für Schutz stehe. „Das geht aus meiner Sicht gar
nicht“, kritisierte Eralp, die im Herbst Regierende Bürgermeisterin Berlins
werden will. „Für mich sind die Existenzberechtigung Israels und das
Selbstbestimmungsrecht jüdischer Menschen nicht verhandelbar“, sagte sie
dem Spiegel. Das gelte für sie ebenso für das Recht der
Palästinenser:innen auf Selbstbestimmung, einen eigenen Staat und ein
Leben in Frieden und Sicherheit, fügte Eralp hinzu.
## Keine falschen Kompromisse mehr
In die gleiche Richtung bemühen sich auch Schwerdtner und van Aken, eine
rote Linie zu markieren. „Eines ist klar: Die Parole ‚Nein zum Zionismus‘
wird von einigen als Chiffre für ein ‚Nein zum Existenzrecht Israels‘
benutzt, auch wenn viele Menschen Antizionismus vor allem als eine Kritik
an der heutigen Regierungspolitik verstehen“, schreiben sie. Deshalb habe
der ursprüngliche Antrag „auch klar außerhalb des Konsenses unserer Partei“
gestanden.
Der Versuch, den Antrag auf dem Verhandlungsweg durch eine differenziertere
Wortwahl zu entschärfen, müsse „im Nachhinein als gescheitert betrachtet
werden“. Der am Ende auf dem Landesparteitag verabschiedete Text habe „in
der Gesamtschau eine große Schlagseite“. Nach dieser Erfahrung wollen die
beiden Parteivorsitzenden nun einen „klaren Schluss“: „Mit Anträgen, die
die Grundfesten unserer Partei infrage stellen, kann es keine Kompromisse
geben“, schreiben sie. Das gelte für kommende Landesparteitage genauso wie
für Bundesparteitage.
Leitend müsse sein, dass Anträge sowohl das Selbstbestimmungsrecht von
Palästinenser:innen als auch von jüdischen Israelis anerkennen und
„die [4][Situation der Menschen] in ihrem Kampf für einen gerechten Frieden
unterstützen“. Debatten um Begriffe und Diffamierungen hingegen würden den
Menschen vor Ort nicht helfen, sondern im Gegenteil der
palästinasolidarischen Bewegung einen Bärendienst erweisen, „wenn sie für
innerparteiliche Machtkämpfe missbraucht werden“.
## Diffamierungen „aktiv entgegentreten“
Intellektuell könne sich gerne über die Bewertung der [5][verschiedenen
Facetten des Zionismus] gestritten werden, konstatieren Schwerdtner und van
Aken. Dabei dürfte jedoch nie vergessen werden, dass die zionistische
Bewegung „auch eine Reaktion auf den deutschen Antisemitismus und Pogrome
gegen Jüdinnen und Juden in Europa gewesen“ sei.
Der Zionismus sei „der zentrale Begründungszusammenhang für die
Staatsgründung Israels gewesen“. Heutzutage werde er allerdings auch „als
Vorwand für Siedlungspolitik der israelischen Regierung genutzt und damit
dieser Idee – eines Schutzraums – beraubt“, kritisieren die
Parteivorsitzenden die äußerst rechte Netanjahu-Regierung.
Sie würden es jedoch „nicht zulassen, wenn der Begriff ‚Zionist‘ als
Schimpfwort oder gar Feindmarkierung gegen Genossinnen und Genossen benutzt
wird“, so Schwerdtner und van Aken. Das gelte allerdings auch andersherum
genauso für den Begriff „Antisemit“. Alle Mandatsträger:innen sowie
alle Kreis- und Landesvorsitzende sollten einem Missbrauch der
Nahost-Debatte für Machtauseinandersetzungen und Diffamierungen „aktiv
entgegentreten“.
20 Mar 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Pascal Beucker
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