# taz.de -- Die Linke in Rheinland-Pfalz: Haustürgespräche alleine reichen nicht
       
       > Bei jungen Wähler:innen war die Linke im Südwesten erfolgreich. Doch
       > es fehlt ihr an Ressourcen, klaren Schwerpunkten und an erfahrenem
       > Personal.
       
 (IMG) Bild: Verhaltener Applaus: Auf der Wahlparty der Linken nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse
       
       Eigentlich standen die Chancen für die Linke in Rheinland-Pfalz gar nicht
       schlecht. In Umfragen lag sie zeitweise bei rund 6 Prozent. Erstmals schien
       ein Einzug in den Landtag in Mainz möglich. Doch diese historische
       Gelegenheit wurde verpasst: Am Ende [1][kam die Partei nur auf 4,4
       Prozent]. Noch am Wahlabend wurde Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert
       gefragt, ob die [2][Antisemitismusdebatte der Partei] auf den letzten
       Metern geschadet habe. „Also hilfreich war’s sicher nicht“, antwortete sie.
       
       Das [3][Scheitern der Linken in Rheinland-Pfalz] lässt sich jedoch weniger
       mit der Debatte über einen Antizionismusbeschluss des niedersächsischen
       Landesverbands erklären als vielmehr mit dem Wahlkampf selbst. Ein eigener
       inhaltlicher Akzent war kaum erkennbar. Dabei hätte es in Rheinland-Pfalz
       zahlreiche Themen gegeben, die die Linke hätte besetzen können: soziale
       Ungleichheit, Armut oder rechtsextreme Strukturen im ländlichen Raum. Oder
       die Debatte über den Nato-Stützpunkt in [4][Ramstein, von wo aus die USA
       ihren Krieg gegen Iran führen sollen]. Ruppert forderte zwar noch am
       Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“ den Abzug aller US-Truppen aus dem
       Bundesland, auch Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte das zuvor im
       Bundestag verlangt – aber die Forderung verpuffte weitgehend ungehört.
       
       Statt klare Schwerpunkte zu setzen, wirkte der Wahlkampf wie aus anderen
       Bundesländern übernommen – in der Hoffnung, dass dieser Ansatz auch in
       Rheinland-Pfalz funktioniert. Am Ende setzte man stark auf das Thema Miete
       und einen bundesweiten Trend: Haustürgespräche. Ziel war es, bis zum Ende
       des Wahlkampfs an 40.000 Türen zu klingeln. Laut eigenen Angaben wurden
       jedoch nur etwa 20.000 Gespräche bis Ende Februar erreicht – deutlich zu
       wenig. Zum Vergleich: Die SPD klopfte in Rheinland-Pfalz nach eigenen
       Angaben an 160.000 Haustüren, auch SPD-Spitzenkandidat [5][Alexander
       Schweitzer übte sich im Klinkenputzen]. Genützt hat es allerdings auch ihm
       nicht viel.
       
       Bei der Linkspartei kam dazu, dass unklar blieb, was die Partei abseits der
       Haustürgespräche konkret unternahm. Zwar gab es einzelne Veranstaltungen,
       etwa mit Parteichef Jan van Aken oder Mietenexpertin Caren Lay, oder etwa
       Redebeiträge auf Demonstrationen. Doch während andere Kandidaten täglich
       mehrere Termine hatten, blieb für Außenstehende schwer nachvollziehbar, wie
       aktiv die Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert tatsächlich war. Erschwerend
       kam hinzu, dass die Partei durch die Gründung des Bündnisses Sahra
       Wagenknecht (BSW) in Rheinland-Pfalz teilweise erfahrene Kräfte verloren
       hatte und sich organisatorisch neu aufstellen musste. Dies zeigte sich auch
       in der Pressearbeit: Selbst auf Anfrage konnte die Pressestelle ab Ende
       Februar kaum noch Termine mit Ruppert anbieten. Anfang März hieß es, sie
       konzentriere sich auf größere Pressetermine, Interviews und
       Veranstaltungen. Nur: Welche das konkret waren, blieb unklar.
       
       ## Ohne Rückenwind
       
       Bei der Landtagswahl im März 2026 in Baden-Württemberg hatte die Linke mehr
       Ressourcen in den Wahlkampf gesteckt und ihre 5.000 Neumitglieder stärker
       mobilisiert. [6][Trotzdem verpasste die Linke erneut den Einzug] in das
       Stuttgarter Parlament, und damit fehlte auch der Rückenwind für die Wahl in
       Rheinland-Pfalz.
       
       Dabei trat man im Ländle gleich mit einem Spitzentrio an, bestehend aus Kim
       Sophie Bohnen, Amelie Vollmer und Mersedeh Ghazaei, alle drei unter 30
       Jahre alt. Die älteren und erfahreneren Linke-Politiker aus
       Baden-Württemberg – der Stuttgarter Architekt Luigi Pantisano und
       Landeschefin Sahra Mirow – sitzen seit Februar 2025 im Bundestag,
       Ex-Parteichef Bernd Riexinger leitet nun die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Damit
       fehlten der Linken das Personal, um in Baden-Württemberg einen
       Mehrgenerationenwahlkampf zu führen wie jenen, mit dem sie bei der
       Bundestagswahl so erfolgreich war.
       
       Rebecca Ruppert ist 36 und führt den Landesverband alleine, seit ihr
       Co-Chef Dave Koch aus Kaiserslautern im Mai 2025 aus persönlichen Gründen
       zurücktrat. Trotz der Niederlage bewertet sie den Wahlkampf insgesamt
       positiv. Sie zeigt sich zwar enttäuscht, den Einzug in den Landtag verpasst
       zu haben, betont jedoch zugleich die Fortschritte der Partei: Man habe das
       beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erzielt und könne
       darauf stolz sein. Zudem sei die Zahl der Mitglieder stark gewachsen.
       Entscheidend sei nun, eine starke außerparlamentarische Opposition
       aufzubauen und sich gegen geplante Kürzungen, insbesondere zulasten ärmerer
       Bevölkerungsgruppen, zu stellen – „ob mit Demos oder anderen Aktionen“.
       
       ## Erfolg bei den Jungen
       
       Erfolgreich war die Linke im Südwesten vor allem bei Jung- und
       Erstwähler:innen und da hauptsächlich bei jungen Frauen. In
       Baden-Württemberg kam sie in dieser Altersgruppe auf 14 Prozent, in
       Rheinland-Pfalz auf 16 Prozent – bei ‌der Bundestagswahl 2025 waren es im
       Schnitt sogar 25 ‌Prozent gewesen. Insbesondere in Universitätsstädten wie
       Freiburg und Heidelberg, Trier und Mainz kam sie deshalb insgesamt auf
       zweistellige Ergebnisse.
       
       Probleme hat die Linke dagegen, ältere Wählerinnen und Wähler ab 45
       anzusprechen. Im Südwesten stimmten nur 2 Prozent (Rheinland-Pfalz) bis
       maximal 3 Prozent (Baden-Württemberg) für die Partei, und gerade ältere
       Männer fremdeln mit der Partei. Für diese Altersgruppe fehlt es aber auch
       an Identifikationsfiguren: ein schwäbelnder Jan van Aken, ein rheinischer
       Gregor Gysi oder ein Bodo Ramelow aus der Pfalz, das wär’s. Denn eine
       lokale Verankerung muss man schon haben, um in diesen Regionen zu punkten.
       
       23 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Yağmur Ekim Çay
 (DIR) Daniel Bax
       
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