# taz.de -- Diskussion um Kandidaten der Linken: Linker Landesvorstand fordert Rückzug von Mullah-Anhänger
       
       > Ein Bürgermeisterkandidat der Linken in Osterholz hat eine inhaltliche
       > Nähe zum iranischen Regime. Die Landesführung der Partei geht nun auf
       > Distanz.
       
 (IMG) Bild: Al-Quds-Demo in Frankfurt: Yunus Cakar hielt auf einer solchen 2022 eine Rede und sprach von Israel als einem „Apartheidsregime“
       
       Im Fall des Bürgermeisterkandidaten Yunus Cakar von der Linken in
       Osterholz-Scharmbeck geht nun die Landesführung auf Distanz. [1][Die taz
       hatte über Cakars inhaltliche Nähe zum iranischen Regime berichtet.] Hilke
       Hochheiden und Thorben Peters, Vorsitzende der Linken in Niedersachsen,
       forderten den Kreisverband noch am Mittwochabend auf, die Vorwürfe
       umfassend aufzuklären und die Aufstellung Cakars als Bürgermeisterkandidat
       zurückzunehmen.
       
       Cakar hatte laut Recherchen der taz in den vergangenen Jahren unter anderem
       in Gedenken an den Kommandeur der islamischen Revolutionsgarden, Qasem
       Soleimani, demonstriert, hatte auf mehreren israelfeindlichen
       Al-Quds-Demonstrationen gesprochen und den Anführer der Huthi-Rebellen als
       „Beispiel“ genannt.
       
       Der 34-Jährige ist Vereinsvorsitzender des „Islamischen Zentrums
       Osterholz“, in dessen Räumen in den vergangenen Jahren regelmäßig
       Veranstaltungen mit Nähe zum iranischen Regime stattfanden, bei denen
       beispielsweise Bilder des Ajatollahs Chamenei gezeigt wurden.
       
       Cakar selbst wies den Vorwurf einer Nähe zum iranischen Regime gegenüber
       der taz zurück und erklärte: „Die einzige Nähe, die ich habe, ist zur
       Bundesrepublik Deutschland und meiner Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck.“ Er
       habe sich stets für Frieden im Nahen Osten und gegen eine deutsche
       Beteiligung an Kriegen eingesetzt.
       
       ## Landesvorstand sieht Widerspruch zu Grundwerten
       
       Die beiden Landesvorsitzenden der Linken erklärten nun: „Die Vorwürfe gegen
       Yunus Cakar wiegen schwer. Verharmlosung autoritärer Regime wie des
       iranischen Mullah-Regimes sowie von Akteuren wie der Huthi-Bewegung steht
       im klaren Widerspruch zu den Grundwerten unserer Partei.“ Es sei mit dem
       politischen Anspruch der Linken unvereinbar, „ein Regime zu verteidigen,
       das Opposition brutal unterdrückt, Frauen entrechtet und seine
       Bürger*innen ermordet.“ Die Linke stehe „klar und unmissverständlich
       gegen Antisemitismus in jeder Form“.
       
       Bezüglich der Rückzugsforderungen lagen der taz bis Redaktionsschluss vom
       Kreisverband und Yunus Cakar keine Antworten vor.
       
       Der Sprecher*innenrat des Kreisverbandes hatten Cakar in einer
       Stellungnahme von Mittwochnachmittag gegenüber der taz verteidigt und unter
       anderem erklärt, die Behauptung, im Islamischen Zentrum in
       Osterholz-Scharmbeck fänden regelmäßig Veranstaltungen mit einer
       inhaltlichen Nähe zum iranischen Regime statt, sei unzutreffend. Auch der
       Kreisverband Osterholz erklärte, die Linke stehe „gegen Antisemitismus,
       antimuslimischen Rassismus und jede Form von Unterdrückung“.
       
       Die Linken in Niedersachsen stehen politisch derzeit ohnehin unter Druck,
       seit auf dem Landesparteitag Mitte März ein Antrag gegen den „[2][real
       existierenden Zionismus]“ angenommen wurde und dem Landesverband daraufhin
       israelbezogener Antisemitismus vorgeworfen wurde.
       
       ## Anzeige wegen Volksverhetzung
       
       Im Falle von Yunus Cakar könnte es nun auch ein juristisches Nachspiel
       geben. Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft,
       erstattete am Donnerstagmorgen bei der Staatsanwaltschaft Berlin
       Strafanzeige gegen Cakar wegen Volksverhetzung.
       
       Dabei geht es um eine Aussage von Cakar im Zuge der Al-Quds-Demonstration
       im April 2024 in Frankfurt am Main. Laut Recherchen der taz hatte Cakar
       dort über den Lautsprecherwagen über den Gaza-Krieg gesagt: „Das ist der
       erste Genozid der Geschichte der Menschheit, der sich so klar abspielt.“
       Beck verdächtigt Cakar, damit die Schoah geleugnet oder verharmlost zu
       haben.
       
       Cakar hatte gegenüber der taz diesen Vorwurf zurückgewiesen und erklärte:
       „Der Holocaust ist das größte Verbrechen in der Geschichte Deutschlands.“
       Bei dem besagten Spruch von der Demo handele es sich „offenkundig um ein
       Zitat von Amnesty International 'Israel carrying out ‚live-streamed
       genocide’ in Gaza‘“.
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Niedersachsens-Linke-und-Antisemitismus/!6163599
 (DIR) [2] https://www.dielinke-nds.de/start/aktuell/detail/news/richtigstellung-zum-antrag-a01-auf-dem-landesparteitag-der-linken-niedersachsen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean-Philipp Baeck
       
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