# taz.de -- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Knapp daneben ist auch vorbei
       
       > Die Linkspartei verpasst erneut den Einzug in den rheinland-pfälzischen
       > Landtag. Parteichef Jan van Aken sieht sie trotzdem „auf einem guten
       > Weg“.
       
 (IMG) Bild: Die Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert ist enttäuscht, aber die Hoffnung bleibt
       
       Jan van Aken versuchte das Beste aus der abermaligen Schlappe zu machen. Es
       sei zwar „sehr schade“, dass es nicht gereicht habe. Aber: „In
       Rheinland-Pfalz haben wir uns fast verdoppelt gegenüber der letzten
       Landtagswahl“, kommentierte er am Sonntagabend in der Berliner
       Parteizentrale den Wahlausgang. Das sei „doch eine gute Nachricht“. Die
       Linke sei „auf einem guten Weg“, so van Aken. Das kann man so sehen, muss
       man aber nicht.
       
       Wie schon in Baden-Württemberg hat die Linkspartei auch in Rheinland-Pfalz
       den erstmaligen Einzug in den Landtag knapp verpasst. Mit mehr als vier
       Prozent schaffte sie zwar ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in dem
       Bundesland. Aber das reichte nicht. Offenkundig konnte die Partei nur in
       einem kleinen Maße von den dramatischen Verlusten der SPD profitieren.
       
       Die Linke hatte sich mehr erhofft. Schließlich kann sie sich auch in
       Rheinland-Pfalz über einen deutlichen Zuwachs an Mitgliedern freuen. In der
       vergangenen Woche knackte sie die 4.000er-Marke, Ende 2023 waren es nur
       knapp über 1.300 gewesen. Wie schon bei der Bundestagswahl setzte die
       Partei auch in Rheinland-Pfalz vor allem auf viel Haustürwahlkampf und das
       Thema Miete. So forderte sie, die Sozialbauquote auf 40 Prozent zu erhöhen,
       Wohngemeinnützigkeit auszubauen und große Immobilienkonzerne zu enteignen.
       Gereicht hat das ebenso wenig wie die gemeinsamen Wahlkampfauftritte der
       Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert mit der Bundestagsfraktionsvorsitzenden
       Heidi Reichinnek oder Parteichef Jan van Aken.
       
       Mit wenigen größeren Städten und viel ländlichem Raum ist Rheinland-Pfalz
       für die Linke traditionell ein schwieriges Pflaster. Hinzukam in der
       Vergangenheit auch noch eine notorische innere Zerstrittenheit. Eine der
       Folgen: Anders als [1][im benachbarten Hessen] hat sie eine kontinuierliche
       kommunalpolitische Verankerung eigentlich nur in der Landeshauptstadt
       Mainz. Bei Bundestagswahlen schaffte die Linke zwar in Rheinland-Pfalz seit
       2005 in der Regel – mit einer Ausnahme 2021 – die Fünf-Prozent-Hürde. Bei
       Landtagswahlen bekam sie jedoch nie einen Stich. Vor fünf Jahren kam die
       Partei gerade mal auf 2,5 Prozent.
       
       ## Erfolgreich bei den jungen Wähler:innen
       
       Mit einer jungen Liste – unter den ersten 10 Plätzen befanden sich nur zwei
       knapp über Vierzigjährige – sollte es diesmal anders werden. Angeführt
       wurde sie von der 36-jährigen IT-Beraterin Ruppert, seit 2020 Mitglied und
       seit 2024 Landesvorsitzende. „Die Hoffnung organisieren“, lautete das
       Wahlkampfmotto.
       
       Optimistisch stimmten die Linke die Umfragen, in denen sie in den
       vergangenen Monaten durchgängig bei 5 Prozent oder darüber gehandelt wurde.
       Die CDU warnte sogar bereits vor einer rot-rot-grünen Koalition. Doch wie
       schon in Baden-Württemberg vor zwei Wochen kam die Partei erneut bei der
       Wahlkampfzuspitzung auf ein Duell um den Ministerpräsidentenposten unter
       die Räder. Wurde sie im Nachbarbundesland ein Opfer des Grünen Cem Özdemir,
       verhagelte ihr nun in Rheinland-Pfalz SPD-Frontmann Alexander Schweitzer
       den erstmaligen Parlamentseinzug.
       
       Wenig hilfreich dürfte für die rheinland-pfälzischen Genoss:innen
       allerdings auch [2][der Antizionismus-Streit] gewesen sein, der seit einem
       umstrittenen [3][Beschluss der Linken in Niedersachsen] heftig in der
       Partei tobt. „Beschlüsse wie die in Niedersachsen halte ich persönlich für
       unglücklich, da sie die Situation nicht verändern, von den realen
       Alltagsproblemen der Menschen in unserem Bundesland ablenken und jetzt alle
       wieder nur über Ausdrücke diskutieren“, sagte Ruppert dazu [4][in der
       vergangenen Woche der Zeit]. Auch am Wahlabend konstatierte sie: „Hilfreich
       war das sicher nicht.“
       
       Ein Hoffnungsschimmer: Immerhin bei den 18- bis 24-Jährigen konnte die
       Linke reüssieren. In dieser Altersgruppe kam sie laut der Forschungsgruppe
       Wahlen auf stolze 18 Prozent. Aber nach den Pleiten in Baden-Württemberg
       und Rheinland-Pfalz scheint der Höhenflug für die Linke trotzdem erst
       einmal wieder vorbei zu sein. Jetzt kann sich die Partei wieder auf das
       konzentrieren, was sie schon in der Vergangenheit am besten konnte: sich
       streiten. Im Juni findet der nächste [5][Bundesparteitag in Potsdam] statt.
       
       22 Mar 2026
       
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