# taz.de -- Seenotrettung in Italien: Seeblockade gegen NGO-Schiffe
> Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni verschärft ihren Kampf gegen
> Migration mit hohen Bußgeldern. Damit macht sie wahr, was sie im
> Wahlkampf angekündigt hatte.
(IMG) Bild: Italien verschärft Migrationskurs: kollektive Zurückweisungen von Geflüchteten auf See
[1][Giorgia Melonis] alter Traum von der Seeblockade für NGO-Schiffe wird
wahr. Am Mittwoch verabschiedete Italiens Regierung einen Gesetzentwurf zu
Immigration und Asyl, der die Seenotrettung im Mittelmeer weiter erschweren
soll. Das neue Gesetz wird der Regierung ermöglichen, unter bestimmten
Bedingungen die Einfahrt von Rettungsschiffen in die italienischen
Hoheitsgewässer zu untersagen und damit wird den Geflüchteten an Bord die
Einreise in einen italienischen Hafen verwehrt.
Unter dem Dach der „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ sind in dem
Paragrafenwerk diverse Gründe aufgelistet, die den Aufnahmestopp
rechtfertigen sollen. Dort finden sich das „konkrete Risiko des Terrorismus
oder der Infiltration durch Terroristen“, aber auch „Gesundheitsnotstände
internationaler Tragweite“, sprich Pandemien. Ebenfalls aufgeführt sind
„internationale Ereignisse hoher Bedeutung, die nach außerordentlichen
Maßnahmen verlangen“. So könnten politische Gipfel oder auch Olympische
Spiele als Grund angeführt werden, Geflüchteten die Ankunft in Italien zu
verweigern.
Am wichtigsten dürfte jedoch der Punkt „außerordentlicher Migrationsdruck,
der die sichere Grenzverwaltung kompromittiert“, werden. Wann immer der
Zustrom von Migrant*innen sich verstärken sollte, könnte die Regierung
diesen Joker aus der Tasche ziehen und eine Seeblockade verfügen. Deren
Dauer soll zwar auf 30 Tage beschränkt sein, sie kann aber immer wieder bis
zu einer Gesamtdauer von sechs Monaten verlängert werden. Und nichts würde
die Regierung daran hindern, gleich darauf eine neue Seeblockade zu
verhängen.
Um deren Einhaltung zu gewährleisten, droht [2][die Regierung Meloni] bei
Zuwiderhandlung eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro an. Die Strafe würde
nicht nur die jeweilige Organisation treffen, sondern auch den Reeder des
Schiffs, wenn es nicht der NGO gehört. Und sollten die Seenotretter ein
zweites Mal gegen die Anweisungen des Innenministeriums in italienische
Gewässer einlaufen, droht nicht nur eine zweite Geldbuße, sondern auch
gleich die Beschlagnahmung und der Einzug des Schiffs durch den
italienischen Staat.
## Voller Erfolg für Meloni
Das Gesetz sei „ein weiteres eingehaltenes Versprechen“, rühmt sich jetzt
Ministerpräsidentin Meloni [3][in einem Post auf X]. In der Tat hatte sie
die Wahlen von 2022 nicht zuletzt mit der Ankündigung gewonnen, hart gegen
„illegale Einwanderung“ vorzugehen, und deshalb eine Seeblockade
angekündigt.
Stattdessen sollen, wenn es nach der Regierungschefin geht, die Schiffe in
Zukunft gleich Albanien anlaufen, wo Italien zwei Aufnahme- und
Abschiebelager errichtet hat. Diese Camps wurden schon im Jahr 2024 in
Betrieb genommen, stehen aber fast völlig leer, da italienische Gerichte
die Unterbringung von Geflüchteten in ihnen immer wieder für rechtswidrig
erklärt hatten. Zum Jahresende waren dort gerade einmal etwa 25 Personen
untergebracht, die allesamt schon eine Abschiebeverfügung erhalten hatten.
Das soll sich nun ändern, auch angesichts des am Dienstag durch das
Europäische Parlament verabschiedeten [4][EU-Asyl- und Migrations-Pakts.]
Dieser Pakt sieht nicht nur Drittstaatenlösungen für die Unterbringung von
Asylsuchenden durch EU-Länder auch in Nicht-EU-Staaten vor, sondern legt
auch eine Liste der angeblich sicheren Herkunftsstaaten fest, auf der sich
unter anderem Ägypten, Tunesien und Bangladesch befinden.
Zweifel an deren Sicherheit waren italienischen Gerichten immer wieder
Grund, Melonis „albanisches Modell“ zu torpedieren. Der EU-Pakt wird im
Juni 2026 in Kraft treten. Bis dahin will Melonis Rechtskoalition auch ihr
neues Antiimmigrationsgesetz im Parlament verabschieden.
12 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Meloni-als-starke-Frau-Europas/!6072518
(DIR) [2] /Justizumbau-in-Italien/!6144972
(DIR) [3] https://x.com/GiorgiaMeloni/status/2021716943133081894
(DIR) [4] /EU-Migrationspolitik/!6136344
## AUTOREN
(DIR) Michael Braun
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