# taz.de -- Brandmauer im Europaparlament: Recht extremes Bündnis
       
       > Die konservative EVP hat im Europapalament mit rechtsextremen Parteien an
       > Gesetzesvorlagen gearbeitet. Fraktionschef Weber will nichts gewusst
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Mit Rechtsextremen im Parlament gemeinsame Sache gemacht? Manfred Weber (CSU), Fraktionsvorsitzender der EVP im Europaparlament
       
       Bisher war es nur ein Verdacht, nun gibt es handfeste Beweise: Die
       Abgeordneten von CDU/CSU im Europaparlament kooperieren viel enger mit der
       AfD und anderen rechten und rechtsextremen Parteien als bisher bekannt.
       Dies haben Recherchen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und [1][Nachfragen
       der taz] ergeben.
       
       Demnach haben CDU/CSU und AfD zumindest in einem Fall ein EU-Gesetz bis ins
       Detail abgesprochen und dabei auch Wünsche der Bundesregierung
       berücksichtigt. Konkret geht es um die geplante Rückführungsverordnung. Sie
       soll die Abschiebung von Asylsuchenden in sogenannte [2][„Return Hubs“ in
       Staaten außerhalb der EU ermöglichen].
       
       Für diese „Rückführungszentren“ hatte sich auch Bundesinnenminister
       Alexander Dobrindt (CSU) stark gemacht. Nach Angaben von dpa wurden Details
       der umstrittenen EU-Verordnung von CDU/CSU und AfD in einer Chatgruppe auf
       Whatsapp sowie bei einem persönlichen Treffen von mehreren
       Europaabgeordneten abgesprochen.
       
       Die Sozialdemokraten, mit denen die Konservativen normalerweise
       zusammenarbeiten, wurden dabei übergangen. „Mit dieser Abstimmung ist klar:
       Es gibt jetzt eine rechte Mehrheit für eine echte Migrationswende in
       Europa“, jubelte die AfD-Abgeordnete Mary Khan, die offenbar an den
       Absprachen mit CDU/CSU beteiligt war.
       
       ## Die SPD ist alarmiert
       
       Die SPD schlug sofort Alarm. Die Konservativen hätten den Kompromiss nicht
       wirklich gesucht, sagte René Repasi, Chef der deutschen Sozialdemokraten im
       EU-Parlament, der taz nach der Abstimmung. Vielmehr rüttelten sie an der
       Brandmauer, mit der die demokratischen Parteien der Mitte die EU vor den
       Rechtsextremen schützen wollen.
       
       Wie eng die Zusammenarbeit ist, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht
       bekannt. Der Chef der Konservativen, der CSU-Politiker Manfred Weber, hat
       mehrfach erklärt, es gebe keine Absprachen. Noch Ende des vergangenen
       Jahres sagte Weber, dass er „keine strukturierte Zusammenarbeit mit
       rechtsradikalen Parteien“ wolle. Er fügte hinzu: „Die Brandmauer steht. Wir
       wissen, wer unsere Feinde sind.“ Die AfD sei eine antieuropäische Partei.
       
       Die Aussagen mehrerer Abgeordneter sprechen eine andere Sprache. Sie deuten
       auf einen bewussten Bruch der Brandmauer hin – mit dem Ziel, auch von der
       Bundesregierung gewünschte Verschärfungen durchzusetzen.
       
       Nachdem die Sozialdemokraten dem Konzept der „Return Hubs“ in der
       vorliegenden Form nicht zustimmen wollten, wurde dpa-Recherchen zufolge
       eine Whatsapp-Gruppe gegründet, in der die von Weber geführte Europäische
       Volkspartei EVP ihren Vorschlag den rechten Fraktionen unterbreitete.
       
       ## „Vielen Dank für die hervorragende Zusammenarbeit“
       
       Die EVP berücksichtigte dabei auch Vorschläge der AfD. „Wir können das
       unterstützen“, habe es zu einem Vorschlag geheißen. Die Abgeordneten hätten
       schließlich bei einem Treffen einen gemeinsamen Vorschlag erarbeitet.
       „Vielen Dank für diese hervorragende Zusammenarbeit“, hieß es danach in der
       Whatsapp-Gruppe: Mitarbeiter der EVP hätten mit dem Emoji für Klatschen
       reagiert, berichtet dpa.
       
       Die beteiligten Politiker wollten sich zu dem bisher einmaligen Vorgang
       nicht äußern. Allerdings hatte die AfD-Politikerin Kahn gleich nach der
       Abstimmung im Innenausschuss des Europaparlaments von einem „historischen
       Sieg“ gesprochen und die Absprachen mit der EVP gelobt. „Wahlversprechen
       lassen sich durch die Kooperation mit der AfD einhalten“, schrieb sie.
       
       Der CSU-Politiker Weber, der von den Sozialdemokraten und Liberalen für die
       Rechtswende im EU-Parlament verantwortlich gemacht wird, lehnte jeden
       Kommentar in der Sache ab. Er habe mit der Chatgruppe nichts zu tun,
       erklärte der EVP-Chef. „Ich gebe als Fraktionsvorsitzender die Strategie
       vor. Ich kontrolliere aber nicht die Chatgruppen von Mitarbeitern“, sagte
       er der Bild-Zeitung.
       
       Scharfe Kritik kommt von den Grünen. „Dass CDU/CSU im Europaparlament
       Mehrheiten mit der AfD und anderen Rechtsextremen organisiert, ist keine
       Überraschung mehr“, sagte der Chef der deutschen Grünen-Gruppe im
       Europaparlament, Erik Marquardt, der taz. Das nun bekannt gewordene Ausmaß
       der Zusammenarbeit sei aber trotzdem ein „Schock“.
       
       „Es bedeutet nämlich, dass Rechtsextreme Gesetze mitgestalten, die dann
       auch in Deutschland unmittelbar gelten“, so Marquardt. „Anders gesagt: Die
       AfD gestaltet jetzt die Regeln für Deutschland, weil die Christdemokraten
       das unterstützen.“ Dies müsse Konsequenzen haben, forderte der grüne
       Migrationspolitiker.
       
       Nun sei Bundeskanzler Friedrich Merz gefordert, so Marquardt: „Wenn Merz
       sagt, mit der AfD wird es unter ihm keine Zusammenarbeit geben, dann muss
       er auch dazu stehen und Konsequenzen ziehen.“ Zudem müsse das mit den
       rechten Stimmen verabschiedete EU-Gesetz, die sogenannte
       Rückführungsverordnung, völlig neu aufgerollt werden.
       
       Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner schrieb auf Facebook mit Blick
       auf die Absprachen mit der AfD: „Wenn das stimmt, ist das ein schlimmer
       Tabubruch und der Rücktritt des Vorsitzenden Manfred Weber von der CSU
       zwingend.“
       
       Heidi Reichinnek, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, sagte: „Wer sich
       mit Nazis gemein macht, der weiß genau, worauf er sich da einlässt, der
       weiß, wohin das führt.“
       
       15 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
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