# taz.de -- NGO-Gipfel in Brüssel: Von der Leyen ghostet Zivilgesellschaft
       
       > Auf dem EU-Gipfel zum Green Deal werden viele Anliegen von NGOs nicht
       > gehört. Das kritisieren 270 Organisationen bei einem Treffen.
       
 (IMG) Bild: NGOs fühlen sich ignoriert: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen
       
       Für Industrievertreter hat die EU ein offenes Ohr, [1][für die
       Zivilgesellschaft nicht]: Das beklagen mehr als 270
       Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Gewerkschaften und Verbände aus ganz
       Europa. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe sich kurz vor
       dem kommenden EU-Gipfel geweigert, NGO-Vertreter zu empfangen, kritisiert
       Kim Claes von der Umweltorganisation „Friends of the Earth“.
       
       Bei dem Gipfeltreffen, das am Donnerstag in Brüssel beginnt, geht es erneut
       um [2][die Wettbewerbsfähigkeit und den europäischen „Green Deal“ zum
       Umwelt- und Klimaschutz]. Von der Leyen, Kanzler Friedrich Merz und andere
       Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich vor einem Monat im
       belgischen Antwerpen zu einem Industriegipfel getroffen, um Wünsche und
       Forderungen der Unternehmen aufzugreifen.
       
       Die Anliegen der Bürger und ihrer Verbände würden von der EU-Spitze jedoch
       nicht berücksichtigt, kritisieren die NGOs. „Von der Leyen ist keine
       Königin in einem weit entfernten Schloss; sie ist die Präsidentin der
       Europäischen Kommission und muss daher auf die Sorgen der Menschen hören,
       anstatt sich hinter den verschlossenen Türen von Industriegipfeln zu
       verschanzen“, fordert Claes.
       
       Warum die NGOs keinen Termin bekamen, konnte die EU-Kommission nicht
       erklären. „Ich kenne nicht den genauen Grund“, sagte von der Leyens
       Sprecherin am Mittwoch in Brüssel. Die deutsche CDU-Politikerin engagiere
       sich jedoch für die Zivilgesellschaft, betonte sie. Allerdings finden sich
       die Forderungen der Verbände und Gewerkschaften bisher nicht im
       Arbeitsprogramm der EU-Behörde wieder. Auch beim Gipfeltreffen am
       Donnerstag spielen sie keine Rolle.
       
       ## Viele Forderungen liegen seit Monaten auf dem Tisch
       
       Dabei liegen die Forderungen seit einem Monat auf dem Tisch: Als Antwort
       auf den Industriegipfel in Antwerpen haben die „Friends of the Earth“ und
       andere NGOs ein eigenes Manifest vorgelegt, das mittlerweile mehr als 320
       Organisationen unterzeichnet haben – darunter die Deutsche Umwelthilfe, der
       Deutsche Naturschutzring, Attac Deutschland, Greenpeace und Transparency
       International.
       
       Darin warnen sie vor der Deregulierung vieler Umwelt- und Klimagesetze, die
       die EU-Kommission im Namen des Bürokratieabbaus und der
       Wettbewerbsfähigkeit angestoßen hat. Es dürfe „keinen Blankoscheck für
       schmutzige Industrien“ geben, heißt es in der Erklärung. Vielmehr müsse
       sich Brüssel mehr um wirksame Regeln zum Schutz der Bürger kümmern, etwa
       vor den sogenannten Ewigkeits-Chemikalien PFAS.
       
       Die Verbände fordern, die europäische Demokratie zu „revitalisieren“.
       Während die Industrie zunehmend Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nimmt,
       [3][wie eine kürzlich veröffentlichte Lobby-Studie zeigt], habe die
       Zivilgesellschaft kaum noch Zugang. Dies sei eine Gefahr für die Demokratie
       und untergrabe das Vertrauen in die EU und ihre Gesetze.
       
       17 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Abschwaechung-der-EU-Waldschutzverordnung/!6135656
 (DIR) [2] /CO2-Zertifikatehandel/!6151699
 (DIR) [3] /Lobby-Studie-EU-Kommission-sichert-Subventionen-fuer-Umweltverschmutzer/!6158198
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Green Deal
 (DIR) NGOs
 (DIR) EU-Gipfel
 (DIR) Zivilgesellschaft
 (DIR) Lobbyismus
 (DIR) Die Linke
 (DIR) Europaparlament
 (DIR) Industriepolitik
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Neue Weltordnung: Die Linke muss jetzt um die Zukunft der EU kämpfen
       
       Es braucht eine sozial gerechte und klimaneutrale Kreislaufwirtschaft. Eine
       Schrumpfung der europäischen Volkswirtschaft wird dabei nicht ausbleiben.
       
 (DIR) Brandmauer im Europaparlament: Recht extremes Bündnis
       
       Die konservative EVP hat im Europapalament mit rechtsextremen Parteien an
       Gesetzesvorlagen gearbeitet. Fraktionschef Weber will nichts gewusst haben.
       
 (DIR) Stärkung der europäischen Industrie: „Europe First“ aber manchmal doch nur Second
       
       Die EU-Kommission will, dass die europäische Industrie bei öffentlichen
       Aufträgen bevorzugt wird. Aber nur, wenn es nicht zu teuer ist.