# taz.de -- Migrationspolitik im EU-Parlament: Abstimmung mit rechter Mehrheit
> Im EU-Parlament ist die Brandmauer in der Migrationspolitik endgültig
> eingerissen. Die Konservativen stimmen mit den Rechten für
> Rückführungszentren.
(IMG) Bild: Vom Flughafen Stuttgart werden fünf ausreisepflichtige Personen nach Bulgarien abgeschoben, am 18. 8. 2025
Die AfD im Europaparlament spricht von einem „historischen Sieg“. Denn die
Konservativen um den CSU-Politiker Manfred Weber haben gemeinsame Sache mit
Rechten und Rechtsextremen gemacht und für eine weitere Verschärfung der
Asyl- und Migrationspolitik in Europa gestimmt. Damit wurde der viel
beschworene „Cordon sanitaire“ – also die Brandmauer gegen rechts – wohl
endgültig eingerissen.
Der Innenausschuss billigte mit den Stimmen der Rechten die sogenannten
[1][Rückführungszentren („Return Hubs“)], die in Drittstaaten außerhalb der
EU errichtet werden sollen. In diesen „Hubs“ sollen Asylbewerber, die keine
Aussicht auf Anerkennung haben, festgehalten werden, [2][bis sie
abgeschoben werden können]. Sie sind umstritten. Ein Modellprojekt, das
Italien in Albanien errichtet hat, beschäftigt sogar den Europäischen
Gerichtshof.
Bei der Abstimmung in Straßburg ging es formell nur um einen
Zwischenschritt zur Umsetzung des neuen Asyl- und Migrationspakts der EU.
Die finale Einigung steht noch aus. Dennoch kommt der Entscheidung eine
Signalwirkung zu. Sie stärkt die AfD und andere Rechte – und sie vertieft
die Risse im Bündnis zwischen Sozialdemokraten und Konservativen, das die
EU-Kommission in Brüssel trägt.
„Mit dieser Abstimmung ist klar: Es gibt jetzt eine rechte Mehrheit für
eine echte [3][Migrationswende in Europa]“, jubelte die AfD-Abgeordnete
Mary Khan. Die Brandmauer sei nun auch in der europäischen
Migrationspolitik gefallen. Sie sprach von einem Signal an die CDU, auch in
Baden-Württemberg: „Wahlversprechen lassen sich durch die Kooperation mit
der AfD einhalten.“
## Breiterer Kompromiss wäre möglich gewesen
Die konservative EVP, die von dem deutschen CSU-Politiker Weber geführt
wird, gab den Sozialdemokraten die Schuld. „Es fehlte an entscheidenden
Stellen der Willen einzelner Fraktionen, wirklich pragmatisch bei
Rückführungen voranzukommen“, sagte Lena Düpont, die innenpolitische
Sprecherin der EVP-Fraktion. Ein „breiterer Kompromiss“ wäre möglich
gewesen, betonte die CDU-Politikerin.
Allerdings hätten die Konservativen den Kompromiss nicht wirklich gesucht,
meint René Repasi, der Chef der deutschen Sozialdemokraten im EU-Parlament.
„Der EVP ist diese Abstimmung selbst peinlich, deshalb versucht sie, den
Schwarzen Peter an die Sozialdemokraten weiterzugeben.“ Die SPD halte an
der Brandmauer fest – allerdings sei diese mit den Konservativen kaum noch
zu retten.
Tatsächlich hat die EVP bei wichtigen und strittigen Fragen – neben
Migration auch beim „Green Deal“ und in der Außenpolitik – immer wieder mit
der AfD und französischen oder italienischen Rechtspopulisten gestimmt. Als
stärkste Fraktion im Europaparlament kann sie sich die Mehrheit aussuchen,
mal mit Sozialdemokraten und Liberalen, mal mit den Rechten und
Rechtsextremen.
## Dinner-Dates, um die informelle Koalition zu kitten
Diese Politik der wechselnden Mehrheiten war zu Beginn der Legislatur 2024
eigentlich ausgeschlossen worden. Die gemeinsame „Plattform“, auf die sich
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) stützt, wollte die
demokratische Mitte zusammenführen und die Rechten ausgrenzen. Weil dies
kaum noch funktioniert, greifen die Fraktionschefs nun zu unkonventionellen
Methoden.
EVP-Chef Weber und [4][seine Gegenspielerin Iratxe García] – die Spanierin
führt die sozialdemokratische S&D-Fraktion – treffen sich neuerdings zu
vertraulichen Abendessen, um einen Bruch der informellen Großen Koalition
zu verhindern. Das erste „Dinner-Date“ habe im Februar in einem Luxushotel
in Straßburg stattgefunden, berichtet das Portal „Politico“, weitere
Treffen seien geplant.
Der Erfolg hält sich offenbar in Grenzen. Im Streit um die „Return Hubs“
hat die radikale Rechte gewonnen. Die Mehrheit in der Mitte konnte sich
trotz des „Flirts“ zwischen Weber und García nicht zusammenraufen.
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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