# taz.de -- Deutsche Bahn in der Krise: Bund gibt kein Geld für die Schiene
> Trotz baureifer Projekte bremst der Bund den Aus- und Neubau aus und
> bricht damit ein Versprechen. Angeblich fehlt dafür das Geld.
(IMG) Bild: Wenn von der unzulänglichen Infrastruktur die Rede ist, gerät in der Regel die Bahn ins Visier der Kritiker
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) feiert sich gerne für seine
Bahn-Agenda. Der [1][Umbau des Bahnkonzerns] soll vorangebracht, die
Infrastruktur gemeinwohlorientiert erneuert werden. Der alte Bahnchef wurde
auf das Abstellgleis geschoben, mit Evelyn Palla eine durchsetzungsstarke
Managerin auf diesen Posten gehoben. Doch das Bild eines sanierungswilligen
Verkehrsministers bröckelt mittlerweile erheblich. „Schnieder ist völlig
unambitioniert“, bescheinigt ihm Dirk Flege, Chef des Branchenverbands
Allianz pro Schiene. Und mit dieser Einschätzung steht er nicht allein.
Das dürfte zum Beispiel auch die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla
denken, nachdem sie ein Schreiben von Staatssekretär Steffen Meyer aus dem
Bundesfinanzministerium zur Kenntnis nehmen musste. Dorthin hatte sie sich
gewandt, weil der Bund noch immer keine Mittel für die Elektrifizierung der
für die Region wichtigen Bahnstrecke Hof–Marktredwitz freigegeben hat.
Anscheinend hat das Verkehrsministerium (BMV) den schwarzen Peter dafür an
das Finanzressort geben wollen. „Dieser Hinweis des BMV ist insofern
irreführend, als von dort keine Freigabe von Mitteln beantragt wurde“,
schreibt Meyer der OB. Sie möge sich erneut an das BMV wenden. In der Regel
gebe sein Ministerium beantragte Mittel bei wichtigen Projekten frei.
Trotz Sondervermögen und Klimafonds fehlt für wichtige Ausbauprojekte das
Geld. Dabei heißt es im Koalitionsvertrag noch: „Elektrifizierung ist
Klimaschutz: Wir werden sie beschleunigen.“ Derzeit sind nur etwas mehr als
60 Prozent des Bahnnetzes mit Oberleitungen ausgestattet. Und der Blick in
die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zu bayerischen
Strecken zeigt wenig Engagement.
In den vergangenen Jahren wurde dort kein einziger Kilometer Schiene
elektrifiziert. Es gebe keine Prioritätenliste, teilte das BMV mit: „Die
Vorhaben werden im Rahmen der Verfügbarkeit von Haushaltsmitteln über die
verschiedenen Leistungsphasen hinweg sukzessive umgesetzt.“
Der grüne Bahnexperte Matthias Gastel verweist auf das 500 Milliarden Euro
schwere Sondervermögen für Investitionen: „Bei der Autobahn wurden extra
Milliarden bereitgestellt“, kritisiert der Bundestagsabgeordnete, „der
Schiene fehlt das Geld weiterhin.“ So hätten sowohl der Kanzler als auch
Schnieder versprochen, alle baureifen Projekte umzusetzen. Davon kann aber
keine Rede sein. Laut Gastel fehlt das Geld für fünf baureife Vorhaben,
unter anderem den seit Langem geplanten Ausbau der Wallauer Spange, die
Mitte-Deutschland-Verbindung von Weimar nach Gößnitz oder
Umweltschutzmaßnahmen am Knoten Mannheim.
## Plan für Infrastruktur erst 2027
Eigentlich wollte die Bundesregierung wesentliche Schwachpunkte bei den
Bahninvestitionen beseitigen. Ein sogenannter Infraplan ist angekündigt,
der die Entwicklung der Infrastruktur festlegt. Ausgehend vom Ziel eines
Deutschlandtakts soll damit der Ausbau des Schienennetzes geplant werden.
Dazu soll ein Infrastrukturfonds die Finanzierung der Vorhaben über mehrere
Jahre hinweg verbindlich sicherstellen. Bislang gibt es dafür nicht einmal
Eckpunkte. Erst 2027 soll der Infraplan kommen, ein Jahr später der Fonds.
In einem gut gemachten Infraplan sieht Flege die Voraussetzung für eine
bessere Bahn. „Das Potenzial des Schienenverkehrs für Bürger, Wirtschaft
und Klima ist gewaltig“, sagt er, „trotzdem hören wir immer wieder von der
Bundesregierung, dass das Geld für den Aus- und Neubau der Schiene nicht
ausreicht.“
Dabei käme damit endlich auch [2][mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit]
ins System. Flege verweist auf die Verkehrsstatistik. Danach hat der
Personenverkehr auf der Schiene seit 2005 um 42 Prozent zugenommen, während
der Autoverkehr weitgehend stabil blieb und der Luftverkehr sogar fast die
Hälfte seiner Verkehrsleistung einbüßte.
Wenn von der unzulänglichen Infrastruktur die Rede ist, gerät in der Regel
die Bahn ins Visier der Kritiker. Die Rolle des Bundes wird weniger
wahrgenommen. Dabei liegt es in der Hand des Eigentümers, den Erhalt und
Ausbau des Schienennetzes zu steuern. Deswegen soll eine Steuerungsgruppe
im BMV die Sanierungs- und Infrastrukturstrategie der Bahn kontrollieren.
Doch nicht nur der Bundesrechnungshof beklagt, dass der Bund diese
Kontrollaufgabe nicht ausreichend wahrnimmt. Und auch die Neubesetzung des
Aufsichtsrats mit ehemaligen Bahnvorständen deutet nicht auf einen
schärferen Kurs hin.
Von solcher Kritik will Schnieder nichts wissen. Erst kürzlich feierte er
Finanzierungvereinbarungen über 2,5 Milliarden Euro für Ausbauprojekte wie
dem Pfaffenbergtunnel in Baden-Württemberg oder Lärmschutzmaßnahmen am
Berliner Stadtrand. „Wir investieren weiter kräftig in die
[3][Modernisierung und den Ausbau der Schiene]“, so der Minister.
Angesichts dringend benötigter Großprojekte sind die nun vereinbarten
Vorhaben jedoch überschaubar.
6 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zugchaos-Wie-die-Deutsche-Bahn-winterfest-werden-kann/!6144986
(DIR) [2] /Deutsche-Bahn/!6110291
(DIR) [3] /Instandsetzung-der-Schiene/!6141350
## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
## TAGS
(DIR) Deutsche Bahn (DB)
(DIR) Bundesverkehrsministerium
(DIR) Schienenverkehr
(DIR) Klimaschutz
(DIR) Öffentlicher Raum
(DIR) Klimaschutzziele
(DIR) Pendler
(DIR) Schienenverkehr
(DIR) Patrick Schnieder
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) CO2-Zertifikatehandel: Brüssel legt die Axt am Klimaschutz an
Die EU diskutiert Pläne, ihr Emissionshandelssystem zum Klimaschutz weiter
zu untergraben. Die Preise zogen in den letzten Jahren stark an.
(DIR) EU-Bericht zum nachhaltigen Pendeln: Städte unternehmen zu wenig gegen Autos
Nachhaltiges Pendeln wird EU-weit gefördert. Der Europäische Rechnungshof
kritisiert, dass Kommunen nicht genug daraus machen.
(DIR) Schneesturm „Elli“: Wie die Deutsche Bahn winterfest werden kann
Heftige Schneefälle sorgten am Wochenende für Zugchaos, vor allem in
Norddeutschland. Probleme machten dabei nicht nur vereiste Gleise.
(DIR) Abberufung der DB-Cargo-Chefin: Es wird Zeit, dass sich der Verkehrsminister einschaltet
Cargo-Chefin Sigrid Nikutta hat nicht überzeugt, also muss sie vermutlich
gehen. Doch auch der Verkehrsminister Patrick Schnieder ist verantwortlich.