# taz.de -- Schneesturm „Elli“: Wie die Deutsche Bahn winterfest werden kann
> Heftige Schneefälle sorgten am Wochenende für Zugchaos, vor allem in
> Norddeutschland. Probleme machten dabei nicht nur vereiste Gleise.
(IMG) Bild: Im Winter sind vereiste Schienen nicht das einzigste Problem der Bahn
Wenn Schnee und Eis die Bahn lahmlegen, wird gerne eine alte Werbekampagne
der damaligen Deutschen Bundesbahn herausgekramt. „Alle reden vom Wetter.
Wir nicht.“ So selbstbewusst warb die Bahn 1966 für ihre Wetterfestigkeit.
Nach diesem Wochenende, an dem Sturmtief „Elli“ vor allem über
Norddeutschland wütete, redet die Deutsche Bahn nun sehr wohl vom Wetter.
„Schneeverwehungen und vereiste Weichen haben uns immer wieder vor neue
Herausforderungen gestellt“, gesteht DB-Chefin Evelyn Palla.
Am Sonntag lief ein Drittel des Zugverkehrs in Norddeutschland noch immer
nicht rund. Am Freitag konnten dort gar keine Fernzüge fahren. In anderen
Regionen Deutschlands hakte es ebenfalls: Im Nordschwarzwald mussten die
Bahnen wegen starken Windes ihre Geschwindigkeit drosseln, in
Ostdeutschland kam es zu Ausfällen und Verspätungen.
„Den Fernverkehr ganz einzustellen ist erbärmlich“, sagt Markus Hecht,
Eisenbahningenieur und ehemaliger Leiter des Fachgebiets Schienenfahrzeuge
an der TU Berlin, der taz. Am Sonntag seien viele Regionalbahnen schon
längst wieder auf der Schiene gewesen, als die DB ihre Fernzüge noch
stillhielt. Ein Grund, laut Hecht: Wenn ein voller Zug im Schneechaos
liegen bleibt, sei das für die Bahn schlimmer als einer, der gar nicht erst
losfährt. Wenn hingegen eine Regionalbahn ausfällt, werde Strafe fällig.
„Die Deutsche Bahn ist schlecht gerüstet“, sagt Hecht. Früher fuhren Züge
mit schwerer Lok, robuster als die [1][modernen Triebzüge mit sensibler
Technik]. Viele deutsche Triebzüge seien so konzipiert, dass sich eine
Eisschicht am Fahrzeug bildet. Herabfallende Eisbrocken können dann Gleise
oder Weichen stören. Österreich mache das besser, sagt Hecht. Dort würden
die Triebwagen viel weniger vereisen.
## Zu wenige Reserveloks und Reservefahrer:innen
Außerdem könnten sich dort viele Züge gleich selbst die Schienen freiräumen
während des regulären Bahnbetriebs. Hierzulande müssen extra Räumfahrzeuge
eingesetzt werden. Die Deutsche Bahn winterfest zu machen, das koste
natürlich Geld, sagt Hecht. Und in Deutschland [2][fehle der Wille, es
auszugeben].
Gleichzeitig hätten viele Länder an der Bestellung von Reserveloks und
Reservelokführer:innen gespart, sagt Christian Böttger,
Bahnprofessor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die
Personalstruktur der DB sei generell ganz anders als vor einigen
Jahrzehnten. „Es gibt in den Bahnhöfen nicht mehr die Mitarbeiter, die ein
paar Weichen umlegen, Fahrkarten verkaufen und eben auch mal Schnee
schippen können“, sagt er.
Trotzdem beschwichtigt Böttger. „Es ist natürlich nicht so, dass früher
alles besser war.“ Die Deutsche Bahn habe schon immer „erhebliche
Zusammenbrüche“ bei extremem Wetter erlitten. Auch die Niederlande hätten
den Zugbetrieb am Wochenende zwei Tage lang eingestellt.
Der Verband der Güterbahnen [3][ist weniger gnädig]. „Zu viele Menschen
sind gar nicht mehr überrascht, wenn der Betrieb der Eisenbahn großflächig
eingestellt wird“, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) müsse das Schienennetz der
DB auf seine Krisenfestigkeit überprüfen.
## Klimakrise macht Kälte seltener
Dass die Bahn schon mal besser mit schwierigen Wetterlagen klarkam, sieht
auch Matthias Gastel so, bahnpolitischer Sprecher der Grünen. „Ein Grund
ist, dass solche winterlichen Situationen inzwischen immer seltener
auftreten“, sagte er. Die DB könne nicht mehr so schnell mit eingespielten
Abläufen reagieren.
Tatsächlich sorgt die [4][Klimakrise für höhere Durchschnittstemperaturen],
extreme Kälte wird seltener. Niederschlagsmengen nehmen tendenziell zu –
aber ob das auch für heftige Schneefälle gilt, ist umstritten.
Derweil machten Schnee und Eis am Wochenende auch Autofahrer:innen zu
schaffen. In Baden-Württemberg etwa überschlug sich ein Räumfahrzeug, nahe
Dresden krachten drei Lkw und zwei Pkw zusammen, in Niedersachen zählte die
Polizei allein in der Nacht von Freitag auf Samstag 21 witterungsbedingte
Unfälle, in Nordhessen starb ein Fahrer, der auf die Gegenfahrbahn geraten
war.
12 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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