# taz.de -- Sicherheitsgipfel der Bahn: Bodycams, mehr Freiheiten und Schulungen fürs Personal
> Ein Aktionsplan von Bund, Bahn und Ländern soll Zugpersonal besser
> schützen. Im Januar starb ein Zugbegleiter an den Folgen eines Angriffs.
(IMG) Bild: Maurice Lucke ist Zugbegleiter der Deutschen Bahn. Für kritische Situationen trägt er eine Bodycam
Die [1][Deutsche Bahn] will allen Beschäftigten mit Kundenkontakt Bodycams
zur Verfügung stellen, sofern diese das wollen. Das hat Bahnchefin Evelyn
Palla am Freitag nach einem [2][Sicherheitsgipfel] des Unternehmens mit
Vertretern aus Bundes- und Landespolitik angekündigt. Damit reagiert das
Unternehmen auf den Angriff eines Fahrgastes ohne Ticket auf einen
Zugbegleiter, der später durch seine Verletzungen starb.
Eine Bodycam ist eine kleine Videokamera, die sich an der Kleidung von
Einsatzkräften wie etwa von der Polizei befestigen lässt. Die dient zur
Beweissicherung, aber auch zum Schutz der Tragenden vor Übergriffen.
Zugbegleiter sollen sie in Zukunft auch für eine Tonaufzeichnung nutzen
können, die bisher aus Datenschutzgründen verboten ist.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) will die Aufnahmen rechtlich
ermöglichen.
Bahnchefin Palla verurteilte den Angriff auf ihren Mitarbeiter nach dem
Gipfel erneut. „Das war ein schockierender Höhepunkt der Gewalt“, sagte
sie. Allein im vergangenen Jahr habe es über 3.000 Angriffe auf
Beschäftigte der Bahn gegeben. Mit einem Aktionsplan für mehr Sicherheit
auf der Schiene wollen die Beteiligten nun für mehr Schutz der
Beschäftigten, aber auch für mehr Sicherheit an den Bahnhöfen sorgen.
Neben dem Zugang zu Bodycams für das Zugpersonal sind weitere Schritte
geplant. Im Regionalverkehr soll zudem ab dem 1. März die verpflichtende
Ausweiskontrolle entfallen. Kontrolleure dürfen dann nach eigenem Ermessen
auf die Frage nach Ausweisen verzichten, wenn eine Situation dadurch
eskalieren könnte. „Prävention geht vor Reaktion“, stellte Palla klar.
## Zweier-Besetzung scheitert am Geld
Flächendeckende Zweierteams bei den Kontrollen wird es nicht geben. Diese
von Seiten der Gewerkschaften erhobene Forderung sei finanziell nicht
darstellbar, bedauerte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU).
Allerdings sollen die Einsätze der Zugbegleiter flexibler gehandhabt
werden, zum Beispiel durch Kontrollen schon auf den Bahnsteigen oder in
besonders stark frequentierten Zeiten. Dann sollen die Beschäftigten zu
zweit unterwegs sein.
Derzeit beschäftigt die Bahn rund 4.000 Servicekräfte, zu denen die
Kontrolleure gehören. Palla kündigte die Einstellung von 200 weiteren
Leuten an. Zum Aktionsplan gehört zudem, die Schutzausrüstungen zu
verbessern, den Beschäftigten mit einem Notfallknopf schnelle
Alarmmeldungen zu ermöglichen und in zusätzlichen Schulungen
Deeskalationstechniken zu vermitteln.
Weitere Schulungen werden gemeinsam mit der Bundespolizei durchgeführt. In
sogenannten Sicherheits-Werkstätten arbeitet das Zugpersonal mit den
erfahrenen Bundespolizisten typische Vorkommnisse aus der alltäglichen
Praxis auf. Auch Videoaufzeichnungen in Zügen und Bahnhöfen sollen
verstärkt für Sicherheit sorgen, indem sie zum Beispiel KI-gestützt
Gefahren frühzeitig erkennen.
## Debatte um Strafbarkeit von Fahren ohne Ticket
„Ich bin zuversichtlich, dass wir auf Grundlage des Aktionsplans schnell
Verbesserungen auf den Weg bringen können“, sagt Schnieder. Der Minister
räumt allerdings auch ein, dass die Prävention einen längeren Atem braucht,
zum Beispiel wenn es um zusätzliche finanzielle Mittel für einen besseren
Schutz der Beschäftigten geht.
Dem Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) geht der Aktionsplan noch nicht
weit genug. Der VDV fordert, das Fahren ohne Ticket als Straftatbestand zu
erhalten. Davon erhofft sich der Verband einen besseren Schutz der
Kontrolleure. Grüne, Linke und zahlreiche Organisationen fordern hingegen
immer wieder, dass das Fahren ohne Ticket von einem Straftatbestand in eine
Ordnungswidrigkeit umgewandelt wird. Damit soll vor allem verhindert
werden, dass arme Menschen dafür ins Gefängnis kommen, wenn sie Geldstrafen
nicht bezahlen konnten.
Zusätzliches Geld ist für die Länder ein wesentlicher Hebel für die
Sicherheit im Zug. Sie bestellen bei den Bahnen den Nahverkehr und müssen
ihn auch bezahlen. Dafür erhalten sie vom Bund Regionalisierungsmittel. Sie
könnten in den Ausschreibungen beispielsweise Doppelbesetzungen für alle
Züge verlangen. Aber das ist ihnen derzeit zu teuer.
## Ein gesellschaftliches Problem
Den Verkehrsverbünden machen ohnehin schon stark ansteigende Kosten für
Personal und Energie zu schaffen. Laut Bernreiter fehlen den Unternehmen
bis zum Ende des Jahrzehnts 40 Milliarden Euro an Regionalisierungsmitteln.
Die Beteiligten sehen in der [3][wachsenden Zahl der Übergriffe ein
gesellschaftliches Problem]. Neu ist das allerdings nicht. Seit einem
Jahrzehnt beklagen die Bahngewerkschaften immer mehr tätliche Angriffe
gegen die Beschäftigten – geschehen ist bisher kaum etwas.
13 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
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