# taz.de -- EU-Bericht zum nachhaltigen Pendeln: Städte unternehmen zu wenig gegen Autos
       
       > Nachhaltiges Pendeln wird EU-weit gefördert. Der Europäische Rechnungshof
       > kritisiert, dass Kommunen nicht genug daraus machen.
       
 (IMG) Bild: Leipziger Straße in Berlin: Auch wenn PendlerInnen oft im Stau stehen, fahren sie lieber mit dem Auto als mit Bus oder Bahn
       
       Europäische Städte haben für PendlerInnen Bahn und Radwege ausgebaut,
       zögern aber, Autos zurückzudrängen. Das ist das Ergebnis eines Berichts des
       [1][Europäischen Rechnungshofs], der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der
       Rechnungshof hat überprüft, wie attraktiv der Umstieg vom Auto auf
       alternative Verkehrsmittel für PendlerInnen in europäischen Ballungsräumen
       ist. Die Bilanz: Besonders auf lokaler Ebene tun Städte nicht genug, damit
       PendlerInnen vom Auto aufs Rad, in die Regional- oder Straßenbahn
       umsteigen.
       
       Der Rechnungshof hat Pläne für nachhaltige Mobilität der EU-Kommission mit
       Stichproben in den sechs Ballungsräumen Budapest, Katowice, Lissabon, Prag,
       Sevilla und Lille überprüft. Das Ergebnis fällt gemischt aus. Einerseits
       sei [2][der Umstieg zwischen Rad, Bahn, Leihauto einfacher geworden], die
       CO2-Emissionen hätten sich reduziert. Die AutorInnen kritisieren aber die
       lokalen Behörden. Sie müssten ambitionierter den Autoverkehr in den Städten
       stärker eindämmen und Informationen zu Alternativen zugänglicher
       bereitstellen.
       
       Die Europäische Union fördert von 2014 bis 2027 den Umstieg von Autos auf
       alternative Verkehrsmittel im Pendlerverkehr. Das Geld fließt in bessere
       Regionalzüge, den Ausbau des Straßenbahnnetzes, den Bau von Radwegen
       zwischen Umland und Zentrum und in die Installation von
       Verkehrknotenpunkten, an denen PendlerInnen nahtlos von einem
       Verkehrsmittel ins andere wechseln können. 2024 hat die EU-Kommission 431
       Städten Pläne für eine nachhaltige Mobilität vorgeschrieben.
       [3][„Sustainable urban mobility planning and monitoring“] nennt sie das.
       
       „Viele EU-Bürger nutzen im städtischen Raum täglich das Auto, häufig weil
       es keine attraktiven Alternativen gibt“, sagt Carlo Alberto Manfredi
       Selvaggi, zuständig für die Prüfung beim Europäischen Rechnungshof. „Nur
       dann können wir auf weniger Staus, eine bessere Luftqualität und eine
       insgesamt bessere Lebensqualität hoffen.“
       
       ## Auto schnellstes Verkehrsmittel
       
       In Vororten mit einer Dreiviertelstunde Fahrtzeit mit dem Auto zum Zentrum
       seien PendlerInnen selbst zu Stoßzeiten [4][immer noch schneller am Ziel
       als mit den Alternativen], heißt es im Bericht des Rechnungshofs. Die
       AutorInnen monieren, dass Zuständigkeiten oft an kommunalen Grenzen enden
       oder Behörden nicht genug tun, um Autos unattraktiver zu machen, indem sie
       etwa autofreie Zonen schaffen oder Parken verteuern.
       
       Auch hierzulande hat das Auto noch immer einen großen Anteil am
       Pendelverkehr. „In Deutschland fahren sechs von zehn Personen mit dem Auto
       zur Arbeit“, sagt Philipp Kosok vom Think Tank [5][Agora Verkehrswende.]
       Das Thema Pendeln fände inzwischen mehr Beachtung. „Eine konsequente
       Politik zugunsten von Alternativen zum Auto fehlt jedoch in den meisten
       Regionen.“
       
       Wie der Rechnungshof fordert Ann-Kathrin Schneider, Geschäftsführerin des
       [6][Vereins Deutsche Plattform für Mobilitätsmanagement] (Depomm), einen
       ganzheitlichen Ansatz. Es brauche sowohl die Förderung eines nachhaltigen
       öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wie auch die strengere
       Reglementierung von Autos in Ballungszentren, etwa durch höhere,
       sozialverträgliche Parkgebühren. „Wir kritisieren an der Verkehrspolitik,
       dass sie in einzelnen Verkehrsmitteln, Fahrzeugen und Maßnahmen gedacht
       wird. Dabei sollten wir Mobilität vom Menschen aus denken.“ Eine Frage sei
       zum Beispiel: Welche Verkehrsmittel, Tarifsysteme und Apps brauchen die
       Menschen, sodass sie die Alternativen zum Auto nutzen?
       
       Anders als der Bericht sieht Schneider das Problem eher an anderer Stelle
       als den Behörden: „Wir erleben, dass in den Verwaltungen deutscher Städte
       die Bereitschaft für alternative Mobilität hoch ist. Doch leider erleben
       wir gerade politisch Gegenwind, indem Finanzierungen teilweise wieder
       gestrichen werden.“
       
       4 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.eca.europa.eu/de
 (DIR) [2] /Oeffentlicher-Nahverkehr/!6131675
 (DIR) [3] https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/urban-transport/sustainable-urban-mobility-planning-and-monitoring_en?prefLang=de
 (DIR) [4] /Verbaende-fordern-Tempolimits-Weniger-Unfaelle-und-mehr-Klimaschutz/!6150512
 (DIR) [5] https://www.agora-verkehrswende.de/
 (DIR) [6] https://depomm.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
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