# taz.de -- Trassenpreise: Weniger Maut für Züge, gleiches Geld für den Staat
       
       > Zugunternehmen kämpfen mit immer weiter steigenden Preisen für die
       > Nutzung der Schienen. Ein neues Gutachten zeigt, wie sich das ändern
       > könnte.
       
 (IMG) Bild: Güterzüge auf dem Rangierbahnhof in Hagen
       
       Wenn Zugbetreiber weniger Geld dafür zahlen, dass ihre Bahnen das deutsche
       Gleisnetz benutzen, kommt weniger Geld für den Bundeshaushalt zusammen?
       Klingt erst mal logisch – stimmt so aber nicht, zeigt eine neue Studie. Das
       Schweizer [1][Beratungsunternehmen Infras] hat im Auftrag des
       Güterbahnen-Verbands untersucht, welche Folgen eine Umstellung des
       sogenannten Vollkostensystems, das in Deutschland gilt, auf das
       Grenzkostensystem hätte, den europäischen Standard. Das Ergebnis: Im
       Bundeshaushalt würden keine Löcher entstehen – vorausgesetzt, der Bund
       würde drei seiner bestehenden Finanzierungsströme für den Schienenverkehr
       bündeln.
       
       Die Trassenpreise, eine Art Schienenmaut, zahlen alle
       Bahnverkehrsunternehmen für die Nutzung von Schienen an die jeweiligen
       Betreiber der Schieneninfrastruktur – meist die DB Infrago,
       Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn.
       
       Das europäische Recht schreibt vor, dass die Trassenpreise mindestens die
       Kosten abdecken, die unmittelbar für einen jeden Kilometer Zugfahrt
       entstehen – diese Kosten werden Grenzkosten genannt. In Deutschland gehen
       die Trassenpreise darüber hinaus, die Infrastrukturbetreiber holen die
       gesamten Kosten für den Betrieb der Infrastruktur – die Vollkosten – bei
       den Verkehrsunternehmen ein. Das Bundesverkehrsministerium hat in der
       Vergangenheit stets gewarnt, dass dem Bund durch eine Umstellung auf das
       Grenzkostenprinzip mehrere Milliarden Euro entgehen würden.
       
       „Die angebliche Finanzierungslücke ist ein politisches Schreckgespenst –
       sonst nichts“, sagt Peter Westenberger, Geschäftsführer der Güterbahnen, am
       Montag bei der Vorstellung der Infras-Studie.
       
       ## Grüne sehen Umstellung positiv
       
       Das Beratungsunternehmen hat für seine Untersuchung die Entwicklung der
       Trassenpreise für die Jahre 2027 bis 2031 modelliert. Demnach sind für
       Betrieb und Instandhaltung des Schienennetzes aktuell rund 8 Milliarden
       Euro nötig – und die fließen schon jetzt zu großen Teilen aus den Taschen
       des Bundes, aber auf Umwegen: zum einen [2][über eine nachträgliche
       Trassenpreisförderung], zum anderen über die Regionalisierungsmittel für
       die Bundesländer und den dortigen Nahverkehr. Zusammen mit den Summen, die
       der Bund ohnehin in die Instandhaltung der Schiene stecken will, „können
       auch grenzkostenbasierte Trassenpreise das nötige Finanzvolumen vollständig
       sichern“, lautet das Fazit von Infras und Güterbahnen.
       
       Eine Umstellung in Richtung Grenzkostenprinzip sei vor allem im
       Schienengüterverkehr „positiv“, schätzt Matthias Gastel, bahnpolitischer
       Sprecher der Grünen im Bundestag. Sie könne dazu beitragen, „mehr Verkehr
       auf die Schiene zu verlagern und die Wettbewerbsfähigkeit der Güterbahnen
       gegenüber der Straße zu verbessern“.
       
       Die stark gestiegenen Trassenpreise der letzten Jahre haben die Verlagerung
       des Güterverkehrs auf die klimafreundlichere Schiene ins Stocken gebracht –
       ein Thema, das angesichts [3][deutlich teurerer Kraftstoffe] und
       [4][gerissener Klimaziele im Straßenverkehr] erst recht politische Brisanz
       hat. Das Verkehrsministerium unter Patrick Schnieder (CDU) arbeitet derzeit
       an einer neuen Regelung für die Trassenpreise, Details sind noch nicht
       bekannt.
       
       17 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.infras.ch/de/
 (DIR) [2] /Trassenpreise-steigen/!6041433
 (DIR) [3] /Ressourcenkonflikte-im-Irankrieg/!6162771
 (DIR) [4] /Deutsche-Klimabilanz/!6162459
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
       
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