# taz.de -- Generalsanierung Hamburg-Berlin: „Uns ärgert die Kommunikation der Bahn“
> Ludwigslust ist mit der Generalsanierung vom Bahnverkehr abgeschnitten.
> Bürgermeister Stefan Pinnow hätte gern früher von der Verzögerung
> erfahren.
(IMG) Bild: Gesperrte Bahngleise im Februar in Ludwigslust
taz: Herr Pinnow, Ihre Stadt ist jetzt seit sieben Monaten vom Zugverkehr
abgeschnitten. Gehen Sie sich in Ludwigslust alle schon auf die Nerven,
weil Sie nur noch aufeinanderhocken und nicht rauskommen?
Stefan Pinnow: Nein, wir gehen uns deshalb nicht auf die Nerven. Und uns
ist ja auch bewusst, dass [1][die Sanierung notwendig und sinnvoll ist.]
Aber für unsere Pendler sind die Bauarbeiten natürlich eine große
Belastung, denn nicht nur der Fernverkehr ist gesperrt, sondern auch der
Nahverkehr etwa nach Schwerin oder Parchim, wohin viele zur Arbeit müssen.
taz: Klappt denn der eingerichtete Schienenersatzverkehr?
Pinnow: In den ersten Wochen musste sich das einpendeln, aber seither gibt
es nicht mehr allzu viele Klagen von Fahrgästen. Was wir allerdings als
andauernde spürbare Belastung wahrnehmen: Die lila Busse des Ersatzverkehrs
fahren jetzt schon seit sieben Monaten teilweise kolonnenartig durch
unseren innerstädtischen Bereich.
taz: Ludwigslust lebt auch vom Tourismus. Wie hat sich das ausgewirkt?
Pinnow: Das ist schwierig zu sagen: Unser großes Highlight ist ja das
Schloss mit seinem Park. Nur wird gerade das Schloss saniert und der Park
ist noch teilweise gesperrt. Wir haben da also ohnehin einen Rückgang zu
verzeichnen und wissen auch, dass viele Gäste mit Auto oder Fahrrad
anreisen. Bislang schrillen bei uns wegen der Generalsanierung also noch
nicht die Alarmglocken.
taz: Das dürfte sich doch aber ein Stück weit geändert haben, [2][als die
Bahn eine unbestimmte Verzögerung der Sperrung angekündigt hat, oder?]
Pinnow: Was uns ärgert – da kann ich auch für die Bürgermeister entlang der
Strecke in Hagenow, Boizenburg und Wittenberge sprechen –, ist die
Kommunikation der Bahn. Wir haben ja alle Verständnis dafür, dass man bei
dieser Witterung keinen Spaten in die Erde bekommt. Aber wenige Tage vor
der Verkündigung der Verspätung wurden uns nur vage Probleme suggeriert.
Und plötzlich erfahren wir zeitgleich mit der Presse von der Verzögerung.
Da erwarten wir einfach eine bessere und ehrliche Kommunikation, von der
wir auch schon vorher nicht überzeugt waren. Da schon konnte der Eindruck
entstehen: Wir in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind wohl nicht
ganz so wichtig.
taz: Wie lang die Verzögerung wird, will die Bahn bislang nicht
prognostizieren.
Pinnow: Wir haben in Ludwigslust in diesem Jahr Stadtjubiläum und feiern
Ende Mai die Wiedereröffnung des Schlosses. Es wäre wirklich schade, wenn
bis dahin [3][die Bahnanbindung nicht wieder hergestellt wird.]
1 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) André Zuschlag
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