# taz.de -- Reaktion des Westens auf Lage im Iran: Schweigen und Brüllen
> Das Teheraner Regime massakrierte Tausende Demonstrierende. Doch Europäer
> und Superlinke reagieren verhalten. Und Trump?
(IMG) Bild: Die „Eskalation in Nahost“ findet längst statt, Teheran, 8. Januar 2026
Die Hamas hat es geschafft, am 7. Oktober 2023 an einem einzigen Tag 1.200
Menschen in Israel zu massakrieren. Ihr Hauptsponsor, das Teheraner
Terrorregime, ging nun noch einen Schritt weiter: Es ließ im Januar binnen
weniger Tage Zehntausende Zivilisten abschlachten, schwer verletzen, in
Foltergefängnisse verschleppen. Es ist das Massaker an einer ganzen
Generation, die sich friedlich gegen die Wirtschaftsmisere und das
islamistische Staatssystem erhob.
Die wenigen Fotos und Videos, die trotz Internetsperre den Weg in die
Öffentlichkeit fanden, sind erschütternd. Kaum auszuhalten dokumentieren
sie einen auch für Iran bislang kaum vorstellbaren Exzess der Gewalt, der
in den Städten des Landes stattfand. Islamische Revolutionsgarde,
Basidsch-Miliz und Polizei wüteten (unterstützt von Söldnern aus Irak) mit
Schusswaffen und geplanter Systematik.
Irans greiser Islamistenführer Ali Chamenei und andere Spitzenkräfte des
Regimes wie der Oberste Richter Gholamhossein Mohseni-Esche’i brüsten sich
mit den Morden und sprechen von den getöteten Demonstrierenden als
„ausländische Agenten“. Und sie drohen weiter, um den vom Glauben
abgefallenen Teil der Bevölkerung einzuschüchtern.
US-Präsident Trump hatte den Protestierenden im Iran zunächst Hilfe
versprochen. Doch die kam nicht. Mittlerweile sind starke US-amerikanische
Militärverbände in der Region zusammengezogen. Wieder hat Trump Mullahs und
Garde gedroht. Es sieht so aus, als hätte Teheran endgültig überzogen. Ob
Trump wegen der vom Islamistenregime begangenen Verbrechen gegen die
Menschlichkeit reagiert oder ob er nur sein Gesicht wahren will – den
Menschen in Iran wird es egal sein.
## Laut gegen USA, leise bei Iran
Die Europäer prangern zu Recht die gefährliche Entwicklung unter Präsident
Trump in den USA an. ICE-Agenten erschossen in Minneapolis Alex Pretti. Und
ganz offenkundig log danach Trumps Heimatschutzministerin, um den
Tathergang zu vertuschen.
Doch diese, wie auch im Falle Grönlands, wichtige und lautstark geäußerte
Kritik an Trumps Regierung sollte nicht dazu missbraucht werden, über die
Massentötungen in Iran den Mantel des Schweigens zu breiten.
Die Vorgänge in Iran können nicht hingenommen werden. Das Ausmaß der
Verbrechen ist so gravierend, dass sie nach einer Reaktion verlangen, die
über bloße verbale Beteuerungen hinausreicht.
Einige warnen dennoch weiterhin vor einer „Eskalation in Nahost“. Sie
ignorieren hierbei geflissentlich, dass diese Eskalation längst
stattfindet. Sie richtet sich gegen sämtliche demokratischen Kräfte in der
Region. Sie geht von Islamisten und Diktaturstaaten aus, siehe die jüngsten
Massaker an der iranischen Bevölkerung.
## Schlaft gut im Hilton
Auch wenn die Europäer sich jetzt endlich zu weiteren Sanktionen und einer
Terrorlistung der Islamischen Revolutionsgarde durchringen konnten, reicht
das alles nicht. Längst überfällig ist es, [1][die Vermögen von Mullahs,
Revolutionsgarden] und ihrer Verbündeten, ihre im Ausland heimlich
deponierten Milliarden einzuziehen.
[2][Die <i>FAZ</i> berichtete unlängst], gestützt auf eine Recherche der
englischen Financial Times, wie Ali Aliakbar Ansari, regimenaher iranischer
Bankier, in EU und Deutschland Immobiliengeschäfte betreibt.
Sein Immobilienvermögen soll sich demnach in der EU auf 400 Millionen Euro
belaufen – dazu zählen das Hotel Hilton Frankfurt City Centre, das Hilton
Frankfurt Gravenbruch oder das Bero-Zentrum Oberhausen, ein
Einkaufszentrum, auf Mallorca das Steigenberger Golfhotel Camp de Mar sowie
das Schlosshotel im österreichischen Kitzbühel. In Großbritannien wurden
bereits Vermögenswerte von 150 Millionen Pfund eingefroren.
## Pali-Tücher statt Solidarität
So groß [3][die Solidarität mit Irans Linken] in den westdeutschen Szenen
bis zum Sturz des Schahs 1979 war, so ruhig ist es seit der Machtübernahme
der Islamisten 1979 geblieben. Ein Paradoxon. Anscheinend tun sich viele
Linke hierzulande schwer, sich mit Demokratiebewegungen zu solidarisieren.
Radikal zu sein, hieße heute aber, sich auch die Islamisten und ihre
weitverzweigten Geschäftsnetzwerke vorzuknöpfen.
So markieren Kufijas, arabische Beduinentücher, die sich derzeit viele
junge Menschen im Westen umhängen, keine coole oder romantische Idee. In
Bahram Moradis autobiografisch angehauchten Roman „Das Gewicht der anderen“
(Wallstein Verlag, 2025) tragen sie die Folterer im iranischen Gefängnis.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Islamische-Republik-in-der-Krise/!6144329
(DIR) [2] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/hilton-hotels-in-deutschland-der-besitzer-ist-ein-iranischer-pleitebanker-110825807.html
(DIR) [3] /Proteste-in-Iran-und-Reza-Pahlavi/!6142336
## AUTOREN
(DIR) Andreas Fanizadeh
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