# taz.de -- Proteste in Iran und Reza Pahlavi: Im Auftrag Seiner Majestät
       
       > Der frühere Kronprinz ist nicht 007. Könnte er mithelfen, das mörderische
       > Klerikalregime in Iran zu stürzen? Internationale Hilfe wäre gefragt.
       
 (IMG) Bild: Der 16-jährige Kronprinz Reza Pahlavi bei der Pilotenausbildung 1976 in Niawaran, Iran
       
       Sollte man sich nun tatsächlich Bombenschläge der USA zur Bestrafung des
       verbrecherischen Regimes in Iran wünschen? Seit Islamische Revolutionsgarde
       (IRGC, Pasdaran), paramilitärische Einheiten (Basidsch) und Ajatollahs in
       Iran ein völlig enthemmtes Gemetzel begehen, steht genau diese Frage im
       Raum.
       
       Verbrechen gegen die Menschlichkeit sollte Einhalt gebieten, wer dazu in
       der Lage ist. Und anders als der sympathische Demokrat Obama, der Diktator
       Assad in Syrien folgenlos drohte, scheint der unberechenbare Republikaner
       Trump zu einem solchen Handeln bereit zu sein. Durch die jüngsten Massaker
       an Zivilisten haben die Machthaber in Teheran laut Trump seine „rote Linie“
       überschritten.
       
       Die bürgerkriegserprobten iranischen Kommandanten, aus Syrien vertrieben,
       haben zum Jahresanfang tatsächlich schwerste Menschenrechtsverbrechen an
       der eigenen Bevölkerung begangen.
       
       Mit Abschaltung des Internets in Iran am 8. Januar gingen Polizei, Garde
       und paramilitärische Kräfte dazu über, unbewaffnete Demonstrierende
       niederzuschießen. Irans Staatspräsident Massud Peseschkian hatte kurz zuvor
       noch Verständnis für die Unzufriedenheit aufgrund der schlechten
       wirtschaftlichen Lage angetäuscht. [1][Es war eine Lüge.] 
       
       ## Horrende Opferzahlen
       
       Die in Oslo ansässige NGO Iran Human Rights identifizierte [2][bislang
       3.428 Todesopfer], man rechnet allerdings mit weitaus höheren Opferzahlen.
       Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, eine frühere Richterin, befürchtet
       12.000 zivile Todesopfer. Tausende wurden zudem schwer verletzt, verloren
       ihr Augenlicht.
       
       Über zehntausend Menschen sollen in Kerker verschleppt sein. Sie werden
       gefoltert und vom Regime Ajatollah Ali Chameneis mit der Todesstrafe
       bedroht. Die erste Hinrichtung eines Demonstranten, des 26-jährigen Erfan
       Soltani, sollte bereits am Mittwoch (14. 1.) stattfinden und wurde nochmals
       verschoben.
       
       US-Präsident Trump hat Massaker und Hinrichtungen als „rote Linie“
       bezeichnet. Überschreite das Regime sie, zöge dies ein Eingreifen der
       US-Streitkräfte nach sich. Das US-Militär in der Region ist aktiviert.
       Menschenrechtlerinnen wie Shirin Ebadi fordern gezielte Militärschläge
       gegen das iranische Regime bereits seit Tagen. „Konkrete Schritte, um das
       Töten von Zivilisten zu stoppen“, seien auch völkerrechtlich legitim. Es
       wären weniger Menschen getötet worden, hätte man von außen interveniert, so
       die Friedensnobelpreisträgerin.
       
       Die jüngste Gewalt in Iran hat ein Ausmaß, wie man sie seit der
       Revolutionszeit von 1979 nicht mehr kannte.
       
       ## Völker- versus Menschenrecht?
       
       Die dauernde Repression stumpft ab. Doch dieses Mal scheint in Iran vieles
       anders. Nach den militärischen Niederlagen (und der seiner Verbündeten in
       Gaza/Hamas, Libanon/Hisbollah, Syrien/Assad, und im Zwölf-Tage-Krieg gegen
       Israel) ist das Teheraner Regime stark geschwächt. In der Bevölkerung ist
       es spätestens seit der Niederschlagung der Reformbewegung von 2009 breit
       delegitimiert. Hinzu kommt die desaströse wirtschaftliche Lage.
       
       „Die Islamische Republik Iran ist ein faschistisches, mörderisches und
       brutales Regime“, schreiben die für ihren beharrlichen Sanftmut bekannten
       iranischen Regisseure Mohammad Rasoulof [3][und Jafar Panahi.] Sie hatten
       jahrzehntelang Schikanen, Strafen und Berufsverboten getrotzt und
       beharrlich am Weg eines gewaltfreien Widerstands festgehalten. Nun
       schreiben sie: „Diese Gewalt bedroht die ganze Welt. Mit diesem Regime kann
       man nicht verhandeln. Diese Gewalt muss ein Ende haben.“
       
       Wer Tausende Zivilisten abschlachtet, befindet sich bereits im Krieg, sagt
       Nobelpreisträgerin Ebadi. In einem gegen die eigene Bevölkerung. Wer die
       Menschenrechte systematisch missachtet, schlussfolgert sie, kann sich zum
       eigenen Schutze dann auch nicht aufs Völkerrecht berufen.
       
       Seit 2009 und den Protestwellen von 2022 ist ein bemerkenswerter Wandel in
       den Positionen der iranischen Opposition erkennbar. Der Betrug in einem
       ohnehin stark eingeschränkten System führte bei den
       Präsidentschafts-„Wahlen“ von 2009 drastisch vor Augen, dass es keinerlei
       Bereitschaft zu Reformen beim Establishment der Islamischen Republik gibt.
       
       ## Neue und alte Opposition
       
       Auch die gewaltsame Niederschlagung der bürgerrechtlich orientierten
       „Frau-Leben-Freiheit“-Bewegung 2022 verdeutlichte dies. Der Tod Jina Mahsa
       Aminis 2022 – verhaftet und geschlagen von der Sittenpolizei, weil sie
       keinen Hidschab trug – hatte neben der patriarchalen zudem eine weitere
       Komponente: Sie war iranische Kurdin. Im Vielvölkerstaat Iran gärt es
       besonders auch in den Provinzen.
       
       Die Kräfte der Opposition mischen sich offenbar neu. Schon nach den
       „Frau-Leben-Freiheit“-Protesten zeigte ein Bild Friedensnobelpreisträgerin
       Shirin Ebadi zusammen mit der Menschenrechtsaktivistin Masih Alinejad und
       dem im US-amerikanischen Exil lebenden früheren iranischen Kronprinzen Reza
       Pahlavi.
       
       Ein Bild, das wohl den Wunsch ausdrücken sollte, Links-rechts-Spaltungen in
       der laizistisch und demokratisch gesinnten Opposition zu überwinden. Diese
       resultierten zumeist noch aus den Auseinandersetzungen vor 1979, also vor
       dem Sturz des Schahs, als sich neben den Islamisten auch die Anhänger von
       Monarchie und Linken unversöhnlich gegenüberstanden.
       
       Reza Pahlavi, der älteste Sohn des 1980 gestorbenen letzten Schahs von
       Persien, gibt sich betont demütig und einigend. Der im US-amerikanischen
       Exil lebende inzwischen 65-jährige Reza Pahlavi will so zu einer wichtigen
       Person des Übergangs in Iran werden. Allein schon in Ermangelung anderer
       vereinender oppositioneller Anführer könnte ihm dies gelingen. Im Inland
       kann sich unter der totalitären Herrschaft keine größere Kraft
       herausbilden, die Auslandsopposition ist ansonsten schwach und uneinig.
       
       ## Der „kleine Schah“
       
       Reza Pahlavi hat in der Vergangenheit immer wieder gesagt, dass er sich für
       eine säkulare, an rechtsstaatlichen Grundsätzen orientierte
       Gesellschaftsordnung in Iran einsetzen werde. Er respektiere, dass die in
       Iran lebende Bevölkerung über die Zukunft zu bestimmen habe.
       
       Bei den jetzigen Protesten versuchte Reza Pahlavi symbolisch und prominent
       die Leerstelle eines Sprechers der demokratischen Opposition zu füllen. Per
       Onlinediensten rief er aus dem Ausland die Demonstrierenden zum Durchhalten
       und zu weiteren Protesten auf.
       
       Er wandte sich auch an die Bediensteten der Islamischen Republik am Sonntag
       (11. 1.) mit den Worten: „Angestellte staatlicher Institutionen sowie
       Angehörige der Streit- und Sicherheitskräfte haben die Wahl: sich auf die
       Seite des Volkes zu stellen und Verbündete der Nation zu werden oder sich
       für die Komplizenschaft mit den Mördern des Volkes zu entscheiden.“
       
       ## Welche Bündnisse?
       
       Dass es auch im Exil Stimmen gibt, die ein Bündnis der Laizisten mit den
       früheren Monarchisten in Frage stellen, ist wenig verwunderlich. Seltsam
       ist es allerdings, Reza Pahlavi in alter antiisraelischer Diktion
       anzugehen. Tatsächlich wäre Israel wahrscheinlich ein wichtiger Verbündeter
       eines wenn einmal freien Irans. Daraus machen weder Reza Pahlavi noch
       demokratische Linke ein Hehl.
       
       Wer sollte etwas dagegen haben? Die Islamisten natürlich. Und einige
       arabische Nachbarstaaten vielleicht, die das Ende der Mullah-Diktatur als
       Chance wie als Risiko für sich sehen. Ideologische Vorurteile sind zäh und
       mitunter hartnäckig. Und lassen sich nicht James-Bond-mäßig verscheuchen.
       
       Man denke etwa auch an die Aktivisten der orthodox-kommunistischen
       Tudeh-Partei Irans. Tudeh blieb über 1979 hinweg im Pakt mit dem
       Israel-Hasser und Islamistenführer Chomeini. Selbst als dieser neben
       Monarchisten schon reihenweise Linke und Demokraten ermorden ließ. 1982/83
       beseitigte er dann Tudeh selbst.
       
       Aber wer sagt, dass man daraus nicht lernen kann und heute klüger sein
       darf?
       
       17 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Aufstand-in-Iran/!6144897
 (DIR) [2] https://iranhr.net/en/articles/8529/
 (DIR) [3] /Jafar-Panahi-ueber-seinen-neuen-Film/!6137293
       
       ## AUTOREN
       
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