# taz.de -- Islamische Republik Iran gegen USA: Warten auf den Krieg, warten auf den Umsturz
       
       > Nach der Explosion in Bandar Abbas am Samstag hoffen einige Iraner, dass
       > der Militärschlag gegen das Regime beginnt. Doch die Lage bleibt
       > uneindeutig.
       
 (IMG) Bild: Das Regime will Stärke nach innen zeigen. Propagandaplakate in Teheran am 31. Januar
       
       Der vergangene Monat war für viele Iranerinnen und Iraner geprägt von Wut
       und Protest, vom Vergießen ihres Blutes und vor allem vom Warten. Warten
       auf den Sturz der Islamischen Republik, warten auf eine ausländische
       Militärintervention. Viele in der iranischen Gesellschaft setzen enorme
       Hoffnungen in die Versprechen des US-Präsidenten Donald Trump. Hunderte
       private Nachrichten habe ich in den jüngsten Wochen aus Iran erhalten. Sie
       fragen: „Wann wird Trump angreifen?“
       
       Vielleicht ging es an diesem Samstagmittag los. [1][Der US-Flugzeugträger
       USS Abraham Lincoln hatte in der Vorwoche mit einigen Zerstörern die
       Einsatzgewässer von Centcom erreicht] – dem auch für Iran zuständigen
       Regionalkommando der US-Streitkräfte. Dann die Schlagzeile: „Explosion in
       Bandar Abbas.“
       
       Kurz nach der Explosion kamen die unbestätigten Berichte: Admiral Alireza
       Tangsiri, Kommandeur der Marine der Revolutionsgarden, sei das Ziel eines
       Präzisionsschlags in Bandar Abbas gewesen. Andere nannten Admiral Shahram
       Irani, Kommandeur der regulären iranischen Marine, als beabsichtigtes Ziel.
       Bislang wurde nur einer dieser Vorfälle offiziell bestätigt. Ein von einem
       lokalen Reporter veröffentlichtes Video zeigte jedoch, dass einer der
       Verletzten die Uniform der iranischen Strafverfolgungsbehörden trug. Er
       könnte ein Leibwächter der eigentlichen Zielperson gewesen sein.
       
       Die iranischen Behörden – die seit Langem daran gewöhnt sind, Zahlen und
       Namen zu verschleiern und zu manipulieren – folgten dem gewohnten Drehbuch:
       Man bestritt umgehend jegliche Sicherheitsbedrohung und führte den Vorfall
       auf ein Gasleck zurück. Sie bestätigten lediglich einen Todesfall und
       vierzehn Verletzte.
       
       Nach der Nachricht von der Explosion in Bandar Abbas kursierten schnell
       Berichte über weitere Explosionen in Täbrisz, in Robat Karim-Parand – einer
       Stadt am Rande von Teheran – und in Qom, einem der religiösen Zentren für
       schiitische Geistliche. Videos, die sie angeblich zeigten, gingen in den
       sozialen Netzwerken viral. Keine dieser Explosionen wurde allerdings
       bislang von offiziellen Stellen bestätigt.
       
       ## Was die Menschen in Iran über einen Angriff denken
       
       Nach den Berichten über die Explosionen stieg [2][bei manchen in der
       iranischen Gesellschaft die Hoffnung auf einen Militärschlag gegen die
       Islamische Republik]. Durch die bitteren Erfahrungen im Zuge mehrerer
       Protestwellen sind viele zu einer düsteren Erkenntnis gelangt: Die
       menschlichen Kosten eines Militärschlags gegen das Regime wären
       wahrscheinlich geringer als [3][die Zahl der Todesopfer bei weiteren
       friedlichen Protesten.]
       
       Ich habe zahlreiche Nachrichten von Bürgerinnen und Bürgern aus
       verschiedenen Städten und Regionen in Iran dazu erhalten. Einer von ihnen
       schreibt über einen Messengerdienst: Wenn der Krieg beginne, wolle er in
       Teheran bleiben. „Entweder werde ich getötet, oder wir gewinnen. Aber wenn
       ich sterbe, sei unsere Stimme. Sag allen, dass wir die Freiheit geliebt
       haben.“
       
       In Iran herrscht heute eine Art kollektive Betäubung, das Ergebnis der
       blutigen Niederschlagung der Proteste. Immer öfter funktioniert das
       Internet wieder, immer mehr erschütternde Bilder und Videos landen in den
       sozialen Netzwerken: [4][Familien, die die Leichen ihrer Kinder nach Hause
       bringen, damit die Behörden sie nicht stehlen können.] Menschen, die die
       blutüberströmten Leichen ihrer Angehörigen umklammern. Menschen, die brutal
       geschlagen oder durch scharfe Munition getötet werden.
       
       Manche schreiben mir, dass sie nur noch zwei Optionen sehen: ein Ende des
       Regimes oder das Ende des eigenen Lebens.
       
       ## Ein aus der Haft Entlassener erzählt
       
       Unter den vielen Nachrichten sind auch die von einem jungen Studenten aus
       Teheran. Er soll hier Saeed heißen, zu seinem Schutz. Er war bereits
       während der Proteste im Jahr 2019 und erneut während der [5][„Frau, Leben,
       Freiheit“-Proteste 2022] verhaftet worden. Auch dieses Mal stürmten
       Sicherheitskräfte der Islamischen Republik seine Wohnung. Saeed saß dann im
       Evin-Gefängnis, sieben Tage lang.
       
       Er schickt verschlüsselte Fotos, die massive Verletzungen an seinem unteren
       Rücken, seiner Wirbelsäule, seinen Oberschenkeln, Händen und Armen zeigen.
       Die Haut zerrissen, das Fleisch sichtbar – nicht genäht, nicht medizinisch
       versorgt. Es sind Anzeichen einer Wundinfektion zu erkennen. Außerdem
       Spuren von Elektroschockern und Schlagstöcken.
       
       Er sagt: „Von dem Moment an, als sie kamen, war ihre Absicht Gewalt. Vor
       den Augen meiner Mutter setzten sie wiederholt einen Elektroschocker gegen
       mich ein, obwohl ich mich nicht wehrte.“ Saeed betont, dass ihr Vorgehen
       diesmal anders war als zuvor: „Sie hatten keine Hemmungen, uns Gefangene
       sogar tot zu prügeln.“
       
       ## Trump spielt mit den Nerven der Menschen
       
       Berichte wie der von Saeed sind keine Ausnahme. Sie stehen für [6][einen
       weiteren Dammbruch] im Übergang von Unterdrückung zu Verbrechen. Wenn
       Foltern und Töten zur Routine werden, ist das Wort „Krise“ nicht mehr
       angemessen.
       
       Die Aufmerksamkeit ist jetzt auf Trump gerichtet: Jede Äußerung, die er zu
       Iran tätigt, spielt mit den Nerven Unzähliger in Iran. Manche reagieren mit
       Galgenhumor: Sie erstellen Memes, machen Witze und äußern sich mit
       Sarkasmus über das unberechenbare Verhalten des US-Präsidenten. Doch am
       Ende wollen sie nur eins: den Sturz der Islamischen Republik. Auch um den
       Preis des Krieges.
       
       Die Autorin war 2024 Stipendiatin des [7][Auszeit-Programms Rest and
       Resilience], das die [8][taz Panter Stiftung] jährlich ausrichtet.
       
       1 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mahtab Qolizadeh
       
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