# taz.de -- Solidaritätsveranstaltung mit Iran: Zombies an der Macht
> Am Schauspiel Köln wurde diskutiert, wie EU und Bundesrepublik nach dem
> Massaker in Iran handeln müssen. Kann die Opposition im Exil
> zusammenfinden?
(IMG) Bild: Isabel Schayani, Shabnam Fahimi-Weber, Serap Güler, Ali Fathollah-Nejad und Parastou Forouhar suchten in Köln nach Lösungen
Wie auch immer sich die Todeszahlen noch entwickeln werden: Historisch
vergleichbar sei das Januar-Massaker im Iran – bei dem rund 33.000 Menschen
in nur wenigen Tagen getötet worden sein sollen – jetzt schon nur mit dem
der Nazis in Babyn Jar, in den Wäldern vor Kyjiw, das im September 1941
Maßstäbe des Grauens setzte.
So schrieb es das [1][Time Magazin] jüngst in einem viel beachteten
Artikel, so wiederholt es [2][der Politikwissenschaftler Ali
Fathollah-Nejad] auf dem Podium des Schauspiels Köln: „Wir müssen über
unsere Schutzverantwortung sprechen.“ Doch was das konkret bedeuten soll:
ein von der UN beglaubigter Militärschlag? Ein von den USA gesteuerter
Regime-Change? Dazu legte er sich nicht fest. Und sprach von der
„langfristigen Revolution“, in der sich die iranische Gesellschaft seit
Jahren befinde. Mit jeder Protestwelle verringere sich die Basis des
Regimes, liege der Zombie weiter im Sterben.
Und ist eben doch ein Untoter: Ganz offensichtlich ist ihm mit
Straßenprotesten nicht beizukommen. Auch Bundeskanzler Merz habe sich
geirrt, als er öffentlich dem Regime nur noch „Tage oder Wochen“ gab, gibt
Serap Güler zu, CDU-Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Dennoch betreibe
die aktuelle Bundesrepublik eine klügere Iran-Politik als ihre Vorgänger,
betonten der Filmregisseur Ali Samadi Ahadi und die Künstlerin Parastou
Forouhar, deren Eltern 1998 vom iranischen Geheimdienst in ihrem Haus in
Teheran ermordet wurden: Die verfehlte Appeasement-Politik gegenüber dem
Iran sei nun aufgegeben worden. Dass die Revolutionsgarden endlich auf der
Terrorliste gelandet seien, sei ein Meilenstein. Und reiche doch nicht aus
– auch die Wadephul-Verurteilung des Massakers sei viel zu spät erfolgt.
## Ausverkaufte Veranstaltung
„Nach dem Massaker im Iran – wie muss die Welt handeln“? war der Titel der
ausverkauften Solidaritätsveranstaltung im Schauspiel Köln, um explizit
nach Lösungsansätzen zu fragen, klug und klar moderiert von
WDR-Journalistin Isabel Schayani. Und konnte doch die krasse Dimension der
Gewalt nicht einfach weglassen. Und so begann der Abend mit Tränen, einer
Schweigeminute und Filmzeugnissen.
Lange hallten die Schreie des verzweifelten Vaters nach, der zwischen
Leichensäcken nach seiner Tochter suchte. Lange die Worte von Forouhar, die
berichtete, wie ein Basar in Brand gesetzt und die daraus Flüchtenden
erschossen wurden: „Dieses Massaker folgte einem lange vorher geplanten
Protokoll.“ Viel zu wenig beachtet neben den Todeszahlen seien die
Verstümmelungen und Schrotschüsse aus nächster Nähe auf Gesichter, die
Aktivisten fortan lebenslang markierten, so die Ärztin Shabnam
Fahimi-Weber, die aus Essen Tag und Nacht Fernbehandlungen durchführt –
denn die Protestierenden trauten sich nicht mehr in Kliniken. Ihrer
[3][Organisation PersiMed] war der Spendenerlös des Abends gewidmet.
## Die Opposition an einen Tisch bringen
Aber wie kann der iranischen Bevölkerung denn aus Europa und Deutschland
nun konkret geholfen werden, in ihrem verzweifelten Freiheitskampf? Einig
war man sich auf dem Panel bei unmittelbaren Maßnahmen: Es brauche
unabhängiges Internet, ein Starlink-System für den Iran. Sanktionen müssten
endlich wirksamer höchste Stellen betreffen – und [4][jüngst bekannt
gewordene Immobiliendeals etwa des Chamenei-Sohns] unmöglich machen.
Auch die Infiltration von Wissenschaft und Thinktank-Szene durch den
iranischen Geheimdienst sei noch lange nicht wirksam bekämpft. Es müsse
Schutzkorridore und humanitäre Visa für die Ausfuhr von Verletzten geben,
forderte Fahimi-Weber – während Serap Güler zugab, dass dies zurzeit vor
allem vom Bundesinnenministerium verhindert werde. Und es bräuchte endlich
einen wirksamen Schutz von permanent bedrohten politischen iranischen
Aktivisten und Journalisten im deutschen Exil.
Das Wichtigste aber, was Deutschland tun könne, so Ahadi, sei, die
fragmentierte demokratische Opposition des Iran an einen Tisch zu bringen,
Gesprächsräume und Foren zu schaffen, in dem sich die zerstrittene Diaspora
annähern könne. Eine Art „Schule der Demokratie“ könne das sein, in der
nicht nur der Sohn des Schahs wie eine Alternative erscheine. Und warf am
Ende so den weitsichtigsten Blick auf den emotionalen Abend: je konkreter
eine Vision für die Zeit danach, desto aussichtsreicher der Zusammenbruch
des Regimes.
9 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://time.com/7357635/more-than-30000-killed-in-iran-say-senior-officials/
(DIR) [2] /Politologe-ueber-Druck-auf-den-Iran/!6062399
(DIR) [3] https://parsimed.org/
(DIR) [4] https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/irans-ajatollah-khamenei-die-spur-des-geldes-reicht-bis-nach-frankfurt-accg-110828917.html
## AUTOREN
(DIR) Dorothea Marcus
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