# taz.de -- Verlängerung der Grenzkontrollen: Rechter Stimmenfang auf Kosten aller
> Als Grenzkontrollen wieder eingeführt wurden war die Kritik groß. Doch
> Innenminister Dobrindt bleibt stur und setzt auf Gewöhnung. Das hat einen
> Grund.
(IMG) Bild: Ein Beamter der Bundespolizei steht am deutsch-polnischen Grenzübergang Stadtbrücke bei der Einreise nach Deutschland
Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Auch an die Polizeikontrollen an
den Landgrenzen zu den neun deutschen Nachbarstaaten, die Innenminister
Dobrindt um ein weiteres Mal bis März 2027 verlängern will. Der
[1][Massenansturm auf die spanische Exklave Ceuta] von Anfang August dient
ihm als Vorwand, um diese Maßnahme zu begründen.
Eingeführt wurden die Grenzkontrollen vor zwei Jahren von seiner
Amtsvorgängerin Nancy Faeser (SPD), [2][die damit dem dauernden Druck von
rechts nachgab]. Doch Dobrindt ließ die Kontrollen verschärfen, um sich als
„Deutschlands schwarzer Sheriff“ (Jens Spahn) zu profilieren und verfügte,
Schutzsuchende an den Grenzen zurückzuweisen. Dass er sich dabei [3][über
Recht und Gesetz hinwegsetzt], wie mehrere Gerichte festgestellt haben, ist
ihm egal: Es geht ihm allein um die Wirkung. Die Grenzkontrollen sind ein
Symbol für die angebliche „Migrationswende“, die sich die Merz-Regierung
auf die Fahnen geschrieben hat. Deswegen hält Dobrindt so stur an ihnen
fest.
Als die Grenzkontrollen eingeführt wurden, [4][war die Kritik groß]: Polen
und andere Nachbarstaaten waren verstimmt, und die Gewerkschaft der Polizei
bemängelte, [5][der Aufwand sei völlig unverhältnismäßig]. Doch inzwischen
hat sich die Empörung gelegt, die Kritik ist verstummt.
## Die Ausnahme ist zur Regel geworden
Eigentlich sollten Grenzkontrollen in der Europäischen Union eine Ausnahme
sein und nur in absoluten Notfällen gerechtfertigt. Doch mittlerweile haben
mehrere Länder im Schengenraum [6][vorübergehend wieder feste oder
stichprobenartige Binnengrenzkontrollen eingeführt]. Zwanzig Jahre, nachdem
das Schengener Abkommen in Kraft getreten ist, zerfällt Europa wieder in
lauter Kleinstaaten. Der Nationalismus ist überall auf dem Vormarsch. Das
schadet vielen Unternehmen und der Wirtschaft in Europa, aber diese
Einbußen nehmen Populisten wie Dobrindt billigend in Kauf.
Am stärksten trifft die schleichende Rücknahme der EU-Freizügigkeit alle
Menschen, die regelmäßig über die Grenze müssen: Bewohner grenznaher
Städte, Arbeitspendler, Geschäftsreisende, Touristen oder Studierende.
Besonders betroffen sind aber auch Menschen mit dunkler Hautfarbe oder
sichtbarem Migrationshintergrund, die von der Polizei besonders häufig
kontrolliert werden. Denn Grenzkontrollen sind [7][ein Einfallstor für
Racial Profiling], also polizeilichen Maßnahmen aufgrund von äußeren
Merkmalen.
Friedrich Merz wiegelte einmal ab, an den Grenzen würde die Polizei ohnehin
nur „komische Autos“ mit „irgendwelchen komischen Figuren drin“
herausfiltern, keine normalen Urlaubsrückkehrer. Auch so kann man Rassismus
bagatellisieren.
20 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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