# taz.de -- Datenschutz und Informationsfreiheit: Weniger Kontrolle, mehr Überwachung
> In ihrem Jahresbericht spart Berlins Datenschutzbeauftragte nicht mit
> Kritik. Die Koalition beschneide Auskunftsrechte, anstatt für Transparenz
> zu sorgen.
(IMG) Bild: Videoüberwachung am Prinzenbad in Kreuzberg
Berlins schwarz-roter Senat ist 2023 mit dem Anspruch angetreten, ein
Transparenzgesetz [1][mit „hohen Standards“ zu verabschieden]. Amtliche
Dokumente sollten im Regelfall automatisch veröffentlicht werden, um
demokratische Kontrolle zu erleichtern. Drei Jahre später, kurz vor Ende
der Wahlperiode, ist das Gegenteil passiert. Unter dem Vorwand einer
veränderten Sicherheitslage nach Anschlägen auf die Stromversorgung haben
CDU und SPD im März das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) [2][massiv
beschnitten].
Kein Wunder also, dass [3][Berlins Beauftragte für Datenschutz und
Informationsfreiheit, Meike Kamp,] unzufrieden ist mit der
Regierungskoalition. „Das ist keine gute Gesetzgebung“, kritisierte Kamp am
Dienstag bei der Vorstellung des [4][Jahresberichts] ihrer Behörde. „Man
ist weit über das Ziel hinausgeschossen“, sagte sie mit Blick auf die
jüngsten Verschärfungen.
Seitdem ist alles, was die Bereiche kritische Infrastruktur und zivile
Verteidigung betreffen könnte, pauschal vom Informationszugang
ausgeschlossen. Außerdem wurden neue, weitreichende Gründe für die
Ablehnung von IFG-Anfragen geschaffen. Fachleute warnen, dass etwa [5][die
CDU-Fördergeldaffäre] unter dem neuerdings geltenden Gesetz [6][nicht hätte
aufgedeckt werden können].
## Bundesweit Einschnitte geplant
Kamp zeigte sich entsprechend beunruhigt. „Der Staat und seine Behörden
sollten ein Interesse haben, dass ihr Handeln überprüft und nachvollzogen
werden kann“, stellte sie klar. Allerdings gebe es in ganz Deutschland
derzeit Bestrebungen zur Einschränkung der Informationsfreiheit. „Diese
Entwicklung bereitet mir große Sorgen“, sagte die Juristin.
Neben Berlin planen auch Schleswig-Holstein, Thüringen und
Mecklenburg-Vorpommern massive Einschnitte. Auf Bundesebene scheiterte die
CDU im vergangenen Jahr in den Koalitionsverhandlungen mit [7][dem
Vorhaben, das IFG schlichtweg abzuschaffen].
Der rabiate und eilige Kahlschlag beim Berliner IFG war am Dienstag nur
einer von mehreren Punkten auf Kamps Liste mit Kritik und
Verbesserungsvorschlägen. Sie bemängelte, dass sich die parlamentarische
Beteiligung ihrer Behörde insgesamt verschlechtert habe.
Das betreffe ganz aktuell den [8][Gesetzentwurf für ein Mietenkataster],
den CDU und SPD noch vor der Sommerpause durchs Parlament bringen wollen.
Das Vorhaben enthalte handwerkliche Fehler, kritisierte Kamp. Etwa sei
unklar, unter welchen Umständen und an welche Empfänger Daten aus dem
Kataster übermittelt werden dürfen. „Diese Fehler wären vermeidbar gewesen,
wenn man uns frühzeitig einbezogen hätte“, sagte die Juristin.
Auch schon bei den [9][umfassenden Reformen des Berliner Polizeigesetzes]
und des [10][Verfassungsschutzgesetzes] habe das Parlament Kamp zu spät
informiert und sie zunächst nicht zu Wort kommen lassen. „Ich bin anzuhören
vor dem Erlass von Gesetzen, Rechtsverordnungen und
Verwaltungsvorschriften“, stellte Kamp am Dienstag klar. „Das ist keine
Bringschuld, sondern meine Behörde ist mit ausreichend Zeit proaktiv
einzubinden.“
Auch inhaltlich erneuerte die Datenschutzbeauftragte ihre Kritik am neuen
Polizeigesetz, besonders mit Blick auf [11][die Videoüberwachung]: „Von
vielen Eingriffsbefugnissen sind auch unbeteiligte Personen erfasst.“ Ihr
Appell: „Nicht jede technisch mögliche Überwachung ist rechtsstaatlich
zulässig.“
Die Behörde von Berlins Datenschutzbeauftragter ist auch zuständig für die
Wirtschaft und bearbeitet Beschwerden von Bürger*innen. Im vergangenen Jahr
registrierte sie laut dem aktuellen Bericht rund 1.500 Vorfälle in
Unternehmen, bei denen personenbezogene Daten ohne Berechtigung offen
lagen.
Zudem zählte die Behörde rund 2.900 Beschwerden und 6.400
Beratungsanfragen. In 59 Fällen verhängte sie ein Bußgeld. Darunter waren
mehrere Polizist*innen, aber auch Beschäftigte im Gesundheitswesen, die
unbefugt Daten zu privaten Zwecken abgerufen hatten.
23 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/rbmskzl/politik/senat/richtlinien-der-politik/#7
(DIR) [2] /Schutz-kritischer-Infrastruktur/!6163097
(DIR) [3] /Datenschutz-und-Informationsfreiheit/!6161342
(DIR) [4] https://www.datenschutz-berlin.de/fileadmin/user_upload/pdf/jahresbericht/BlnBDI_Jahresbericht-2025.pdf
(DIR) [5] /CDU-Foerdergeldaffaere/!t6127447
(DIR) [6] /Beschneidung-der-Informationsfreiheit/!6159724
(DIR) [7] /Wenn-dieses-Gesetz-abgeschafft-wird-ist-mit-mehr-Korruption-zu-rechnen/!6074493
(DIR) [8] /Mietenkataster-in-Berlin/!6186564
(DIR) [9] /Reform-des-Berliner-Polizeigesetzes/!6096087
(DIR) [10] /Verfassungsschutz-in-Berlin/!6110325
(DIR) [11] /KI-Videoueberwachung-in-Berlin/!6160851
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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