# taz.de -- Beschneidung der Informationsfreiheit: Senat macht das Licht aus
> Der Berliner Senat will die Herausgabe von Informationen massiv
> einschränken. Eine Verbindung zur aktuellen Fördergeldaffäre liegt auf
> der Hand.
(IMG) Bild: Wer macht das Licht an?
Tausende Seiten an Vermerken, Protokollen und E-Mails zur
[1][CDU-Fördergeldaffäre wurden Mitte Januar durch das Portal „Frag den
Staat“ veröffentlicht]. Per Informationsfreiheitsgesetz wurden von den
Transparenzaktivist:innen pauschal alle Dokumente angefragt, die die
fragwürdige Förderung von Projekten gegen Antisemitismus betreffen. Eine
interessierte Öffentlichkeit kann seitdem nachvollziehen, wie
CDU-Abgeordnete massiv Einfluss nahmen und wie
Verwaltungsmitarbeiter:innen immer wieder auf Bedenken hinwiesen
und Widerstand gegen eine rechtlich überaus fragwürdige Finanzierung
leisteten.
Dass die Veröffentlichung bei Abgeordneten der CDU auf wenig Begeisterung
stieß, darf als ausgemacht gelten. Ein Zusammenhang mit einem neuen Vorstoß
des schwarz-roten Senats, gilt zumindest für [2][Frag den Staat, das am
Dienstag zuerst berichtete], als wahrscheinlich. Demnach soll das seit 1999
existierende Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv entkernt
werden.
So sollen in das Gesetz zehn Ausnahmevorschriften aufgenommen werden, mit
denen Behörden IFG-Anfragen ablehnen können, etwa bei Anfragen im
Zusammenhang mit IT, Telekommunikation und Energie, aber auch bei Verkehr,
Medien und Kultur. Ebenfalls sollen Informationen untersagt werden, wenn
sie in einem Gerichtsverfahren relevant werden könnten. Bereits am 26.
Februrar wurde das Gesetz in der ersten Lesung ins Abgeordnetenhaus
eingebracht.
Der Gesetzesvorschlag wird vom Senat mit dem Schutz kritischer
Infrastruktur und den jüngsten Anschlägen auf das Stromnetz erklärt. In der
Begründung heißt es: „Dieser Gefährdungssituation muss wirksam und
nachhaltig entgegengetreten werden. Unter anderem weitgehende
Transparenzpflichten stehen dazu in einem deutlichen Spannungsverhältnis.“
Das Portal Frag den Staat weist hingegen darauf hin, dass „die Angreifer
ihre Informationen über ihr Anschlagsziel – eine Kabelbrücke in
Berlin-Lichterfelde – nicht durch einen IFG-Antrag bekommen“ haben. Ebenso
wenig ist die Einschränkung der Informationsfreiheit in anderen Bereichen,
vor allem der Kultur zu erklären.
## Autoritäre Praktik
Die Kritik auf die Pläne ließ nicht lange auf sich warten und ist massiv.
Die Journalist:innen-Gewerkschaft dju warnt vor einem Systemwechsel.
Bislang gelte: „Informationen sind öffentlich, es sei denn, die Behörde
kann im konkreten Einzelfall nachweisen, dass eine Veröffentlichung etwa
die öffentliche Sicherheit gefährdet.“ Dieser Grundsatz solle nun „für
weite Bereiche der Verwaltung abgeschafft werden“. Amnesty International
schreibt: „Die Einschränkung des Zugangs zu Informationen kennen wir als
autoritäre Praktik. CDU und SPD sollten sie nicht in Berlin etablieren.“
Der Grünen-Innenpolitiker Vasili Franco sagte: „Darlegungspflichten für die
Exekutive sind unverzichtbar, um Misswirtschaft und Korruption
vorzubeugen.“ Ebenso schlägt er die Brücke zur aktuellen Affäre: „Die
Beschneidung von Transparenzpflichten ist die absolut falsche Antwort
angesichts des Fördermittelskandals der Berliner CDU.“
Dieser hat nach einem Bericht des Tagesspiegels auch den
Antikorruptionsbeauftragten der Kulturverwaltung beschäftigt. Laut seinem
9-seitigen Bericht aus dem Oktober, der derzeit noch per IFG-Abfrage
abrufbar wäre, stelle das Handeln der CDU-Abgeordneten und der
Kultur-Senator:innen ein „erhebliches Risiko für Korruption und
Misswirtschaft dar“. Angesichts des Entscheidungsdrucks auf die Verwaltung
kritisiert der Bericht: „Eine solche Vorgehensweise, die eindeutig dem
geltendem Zuwendungsrecht widerspricht, begünstigt zudem das Risiko, dass
Fördermittel für Projekte bewilligt werden, deren Ziele primär politischen
Interessen dienen.“
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Fragliche-Projekte-gegen-Antisemitismus/!6147763
(DIR) [2] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/03/berliner-cdu-will-auskunftsanspruche-einschranken/
## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
## TAGS
(DIR) Kritische Infrastruktur
(DIR) CDU-Fördergeldaffäre
(DIR) Lobbyismus
(DIR) Europäische Union
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