# taz.de -- Meinungsfreiheit in Deutschland: Ein gefährlicher Gesetzentwurf
> Hessen will es strafbar machen, das Existenzrecht Israels zu leugnen.
> Dabei ist schon die Behauptung, Staaten hätten ein Existenzrecht, sehr
> fragwürdig.
(IMG) Bild: Wer das Existenzrecht Israels leugnet, dem soll laut einem hessischen Gesetzentwurf künftig eine Gefängnisstrafe drohen können
Die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson zu erklären, wie es Angela
Merkel als Bundeskanzlerin getan hat, ist das eine: Das ist ein politisches
Postulat, das man auf unterschiedliche Weise auslegen kann. Es ist etwas
völlig anderes, Israels „Existenzrecht“ außerhalb jeder Debatte stellen und
jeden bestrafen zu wollen, der dazu eine andere Meinung hat. Genau das aber
[1][will die hessische Landesregierung mit einem Gesetzentwurf], für den
sie im Bundesrat jetzt eine Mehrheit sucht.
Hatte die Sowjetunion ein Existenzrecht? Oder die DDR? Nein, denn im
Völkerrecht gibt es kein „Existenzrecht“, das Staaten eine Bestandsgarantie
einräumt. Grenzen können sich ändern, Staaten verschwinden.
Aber: Existierende Staaten haben laut Völkerrecht ein Recht auf Sicherheit
und die Achtung ihrer territorialen Integrität, und Völker ein Recht auf
nationale Selbstbestimmung. Das gilt auch für Israel, das ein weltweit
anerkannter Staat ist – allerdings nur in den Grenzen von 1949. Alle
anderen Gebiete, insbesondere die Westbank und der Gazastreifen, gelten
nach internationalem Recht als von Israel völkerrechtswidrig besetzt. Das
Beharren auf einem exklusiven Existenzrecht Israels, das angeblich
gefährdet sei, ist ein Ablenkungsmanöver: Es lenkt davon ab, dass Israel
seit Jahrzehnten die Existenz eines palästinensischen Staats verhindert.
## Unliebsame Meinungen werden kriminalisiert
Ein Verbot, wie es Hessen jetzt fordert, würde sich nicht nur gegen
Menschen richten, die den Staat Israel aus antisemitischen Motiven
ablehnen. Es könnte auch gegen alle gewendet werden, die seine Staatsform
als exklusiv jüdischen Staat kritisieren, weil damit eine
Religionsgemeinschaft bevorzugt und eine Hierarchie zementiert wird. Ein
Verbot würde sich auch gegen all jene richten, [2][die für einen
binationalen Staat] und eine Einstaaten-Lösung eintreten, in der jeder
Bürger vom Jordan bis zum Mittelmeer gleiche Rechte hätte: eine legitime
Utopie.
Diese Debatte um eine tragfähige Zukunft für alle Menschen im Nahen Osten
wird längst geführt. Der hessische Vorstoß aber fügt sich in einen
beunruhigenden Trend, solche Debatten zu unterbinden, Tabus zu errichten
und unliebsame Meinungen zu kriminalisieren.
10 May 2026
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(DIR) Daniel Bax
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