# taz.de -- Gesetzentwurf zum Existenzrecht Israels: Geschichtsverzerrender Gesetzentwurf
> Aufrufe zur Beseitigung Israels und Zweifel am Existenzrecht könnten in
> der Zukunft strafbar sein. Von israelischen Intellektuellen kommt Kritik.
(IMG) Bild: Radikale Siedler werfen Steine auf palästinensische DorfbewohnerInnen im Westjordanland
Dem Bundesrat liegt aktuell ein [1][Gesetzentwurf] vor, der die Leugnung
des Existenzrechts Israels sowie Aufrufe zur Beseitigung des Staates unter
Strafe stellen soll. Gemeinsam mit mehr als 100 renommierten
Wissenschaftler:innen aus der Nahost-, Holocaust- und
Antisemitismusforschung kritisieren wir in einer [2][gemeinsamen
Stellungnahme] die historische Begründung des Antrags als historisch
verkürzt.
Im Gesetzentwurf wird die Staatsgründung Israels weitgehend als Folge des
Holocaust dargestellt. Tatsächlich reichen die historischen Voraussetzungen
deutlich weiter zurück: Bereits 1897 formulierte der erste zionistische
Kongress in Basel das Ziel einer jüdischen Heimstätte in Palästina, das
1917 durch die britische Balfour-Deklaration unterstützt wurde. Der Entwurf
blendet zudem die palästinensische Erfahrung vollständig aus, insbesondere
die [3][Nakba] – die Vertreibung, Enteignung und Flucht von über 700.000
Palästinenser während der Staatsgründung Israels 1948.
Zudem bleibt unklar, [4][welcher Staat Israel] im Entwurf gemeint ist.
Bezieht er sich auf Israel innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1949,
der sogenannten Grünen Linie, die von den Vereinten Nationen als
maßgebliche Referenzlinie zwischen Israel und den seit 1967 besetzten
Gebieten behandelt wird. Die israelische Regierung selbst hat ihre
Staatsgrenzen nie festgelegt und eine Teilung entlang der Grünen Linie
durch gezielten Siedlungsbau unmöglich gemacht.
Zudem haben Vorstellungen eines „Großisrael“ innerhalb Israels an Einfluss
gewonnen. Soll auch die Leugnung eines „Großisrael“ strafbar sein?
Angesichts der zunehmenden [5][Siedlergewalt im Westjordanland] und der
fortschreitenden Besatzung im Südlibanon kann der Gesetzentwurf als
politische Rückendeckung für das völkerrechtswidrige Vorgehen der
israelischen Regierung verstanden werden. Er könnte weitere Annexionen
legitimieren und den Eindruck verstärken, dass Völkerrecht und
UN-Resolutionen nicht länger Grundlage deutscher Politik sind.
3 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/brd/2026/0227-26.pdf
(DIR) [2] https://krisol-wissenschaft.org/wp-content/uploads/2026/05/Stellungnahme-zum-Entwurf-eines-Gesetzes-zur-Strafbewehrung-der-Leugnung-des-Existenzrechts-des-Staates-Israel.pdf
(DIR) [3] /Nationalsozialismus-und-Kolonialitaet/!5853666
(DIR) [4] /Israel-Debatte-in-Deutschland-Wie-ueber-Zionismus-sprechen/!6180169
(DIR) [5] /Siedlergewalt-im-Westjordanland/!6178558
## AUTOREN
(DIR) Dörthe Engelcke
(DIR) Elad Lapidot
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