# taz.de -- EU-Außenminister treffen sich: Deutschland bremst
> Die EU verhängt Sanktionen gegen israelische Siedler, doch weiter will
> sie nicht gehen: das Assoziierungsabkommen mit Israel bleibt – dank
> Berlin.
(IMG) Bild: Wadephuls Stellvertreter: Gunther Krichbaum, Staatsminister im Auswärtigen Amt, hielt in Brüssel für seinen Chef die Stellung
Es war das erste Treffen der EU-Außenminister nach dem [1][Machtwechsel in
Ungarn]. Ohne den ewigen Neinsager Viktor Orban und seinen Moskau-treuen
Außenminister Péter Szijjártó werde ein neuer Wind in der europäischen
Außenpolitik wehen, hatten viele Diplomaten in Brüssel gehofft. Doch die
Fortschritte hielten sich in Grenzen – in der Nahost-Politik steht
Deutschland auf der Bremse.
Bewegung gab es zunächst nur in einer Frage: Bei Sanktionen gegen
[2][gewalttätige israelische Siedler im Westjordanland]. Ungarn hatte die
seit langem geplanten Strafmaßnahmen der EU immer wieder mit seinem Veto
verhindert. Das ist nun vorbei: „Ich erwarte eine politische Einigung auf
die Sanktionen gegen gewalttätige Siedler“, sagte die EU-Außenbeauftragte
Kaja Kallas am Montag in Brüssel.
Sieben Siedler und ihre Organisationen sollen abgestraft werden. Ihnen
drohen Vermögenssperren und Reiseverbote. Die EU reagiert damit auf die
zunehmenden Übergriffe auf palästinensisches Land und Eigentum; einige
EU-Diplomaten sprechen sogar von einer [3][schleichenden Annexion des
Westjordanlands durch Israel]. Die israelischen Siedlungen und Außenposten
sind nach internationalem Recht illegal.
## Bei Gaza verpufft der Elan
Doch schon beim Reizthema Gaza verpuffte der Elan. Spanien, Irland und
mehrere andere EU-Länder fordern seit Monaten, das Assoziierungsabkommen
mit Israel wegen der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in Gaza
auszusetzen. Zuletzt hatte die israelische Marine auch wieder eine
propalästinensische Hilfsflotte südlich von Kreta gestoppt, Aktivisten aus
mehreren EU-Ländern verhaftet und zwei von ihnen nach Israel verschleppt.
Erst [4][Montag wurden sie freigelassen].
Doch nun, nach dem Ende der ungarischen Blockade, stemmt sich vor allem
Deutschland gegen Sanktionen. Die Bundesregierung setze weiterhin darauf,
„im direkten Dialog mit Israel zu bleiben“, sagte der Staatsminister für
Europa im Auswärtigen Amt, Gunther Krichbaum (CDU). Deutschland blockiert
auch, zusammen mit einigen wenigen anderen EU-Ländern, die Aussetzung des
Handels mit Israel.
Das ist zwar nicht neu; diese Blockade besteht schon seit Jahren. Doch
bisher konnten sich Kanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann
Wadephul (beide CDU) immer recht bequem hinter Ungarn und Orbán verstecken.
Das geht nun nicht mehr. Die starre deutsche Haltung fällt umso mehr auf,
als sich Wadephul neuerdings lautstark für ein Ende des Vetorechts in der
EU-Außenpolitik einsetzt.
## „Sturmfest“ nur bei der Ukraine
Mit seinen Vorschlägen zur EU-Reform wolle er versuchen, Europa „sturmfest“
zu machen, hatte Wadephul in einer [5][Grundsatzrede in der letzten Woche
in Berlin] gesagt. „Bei der Frage der Sicherheit kann uns das
Einstimmigkeitsprinzip in eine existenzielle Gefahr bringen. Denn es geht
um Leben und Tod“, so der Minister. Gemeint war allerdings vor allem die
Ukraine – für Israel gilt dies offenbar nicht.
Merz und Wadephul stellen sich immer wieder schützend vor Premier Benjamin
Netanjahu und seine rechtsextreme Regierung. Dies stößt nicht nur bei
vielen EU-Außenministern, sondern auch in der Zivilgesellschaft auf
Unverständnis. So sprachen sich Amnesty International, Human Rights Watch
und Oxfam Deutschland am Montag erneut für die Aussetzung des
Israel-Abkommens aus – vergeblich.
Weniger strittig ist die deutsche Haltung zur Ukraine. Hier zeichnet sich
durch den Machtwechsel in Ungarn sogar mehr Bewegung ab. So sprachen die
Außenminister über mögliche Verhandlungen mit Russland. Der frühere Kanzler
[6][Gerhard Schröder komme als Vermittler allerdings nicht infrage],
erklärte Kallas. Schröder sei ein russischer „Lobbyist“ und könne nicht für
die EU sprechen.
## Sanktionen wegen Deportation ukrainischer Kinder
Es sei grundsätzlich „nicht sehr weise“, Russland die Ernennung eines
Vermittlers „in unserem Namen“ zu überlassen, so Kallas. Einen anderen
Namen nannte sie jedoch auch nicht. Die 27 EU-Staaten konnten sich bisher
nicht auf einen Vermittler oder ein Verhandlungsteam einigen. Frankreich
hat bereits einen Emissär nach Moskau geschickt – doch auch hier zieht
Deutschland nicht mit.
Dafür haben die Außenminister der EU-Staaten weitere Sanktionen gegen
Verantwortliche für Russlands Programm zur Deportation und Zwangsadoption
ukrainischer Kinder beschlossen. Betroffen sind 16 Personen und 7
Einrichtungen und Organisationen, wie die Vertretung der Mitgliedstaaten
mitteilte. Sanktioniert wurden unter anderem die Leiterin eines Lagers, in
dem ukrainische Minderjährige untergebracht sind und Einrichtungen, die für
die ideologische Indoktrination, „Russifizierung“ und militarisierte
Erziehung von Kindern zuständig sind.
Die Sanktionsbeschlüsse haben unter anderem zur Folge, dass in der EU
Vermögenswerte eingefroren werden müssen. Für Personen gilt zusätzlich ein
EU-Einreiseverbot und Durchreiseverbot.
11 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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