# taz.de -- Propaganda im Iran-Krieg: Kampf ums Narrativ
       
       > Gut-gegen-Böse-Erzählungen funktionieren in Kriegen besonders gut. Davon
       > profitiert das iranische Regime – während die iranische Bevölkerung
       > leidet.
       
 (IMG) Bild: Regierungsunterstützer:innen am 8. April in Teheran
       
       Verfolgt man die Berichterstattung nach Beginn der brüchigen Feuerpause
       zwischen den USA und dem Iran, kann man denken, das größte Opfer des Kriegs
       sei der Ölpreis. Zumindest beherrschte er am ersten Tag des
       Waffenstillstands die Schlagzeilen – ganz im Sinne des Regimes in Teheran.
       Denn dessen Einfluss auf die Weltwirtschaft, die Preise von Öl, Benzin und
       Gas, ist seine stärkste Waffe. Die Botschaft an die Welt: [1][Wer uns
       angreift, muss zahlen.] Wortwörtlich.
       
       Diese Macht werden die Vertreter der Islamischen Republik so schnell nicht
       aus der Hand geben. Sie kündigten an, auf unbestimmte Zeit eine Art Maut
       für die Passage durch die wichtige Straße von Hormus zu erheben, was ihnen
       viel Geld einbringen wird.
       
       Und sie haben damit ein Druckmittel gegen Israel: Nach Verkündung der
       Feuerpause erklärte das Regime, man werde den maritimen Durchgang nicht
       öffnen, solange die israelische Regierung Ziele im Libanon angreifen lässt.
       Für das iranische Regime könnte es besser nicht laufen. Es präsentiert sich
       als Retter der Entrechteten, als Bollwerk gegen die Imperialisten, gar als
       Verteidiger der islamischen Welt.
       
       Diese Propaganda ist nicht neu, durch den Krieg aber wohl erfolgreicher
       denn je. Auch, weil Gut-gegen-Böse-Erzählungen in Kriegen besonders gut
       funktionieren. Die USA und Israel sind böse, also muss das iranische Regime
       gut sein. Dabei scheren sich die iranischen Machthaber nicht um das Wohl
       der Menschen im Libanon, in Gaza oder in Iran. Menschen sind entbehrliche
       Figuren in einem Spiel der Autoritären um Macht, Geld und Einfluss.
       
       ## Die iranische Bevölkerung findet kaum Gehör
       
       Zusätzlich spielt dem Regime in die Hände, dass die iranische Bevölkerung
       in vielen westlichen Staaten politisch und medial kaum Beachtung findet.
       Dabei waren es schon immer die Menschen in Iran, die die Propaganda der
       Islamischen Republik als Lügen entlarvten. Doch während die Cyberexperten
       des Regimes im aktuellen Krieg hochwertige KI-Filmchen produzieren, in
       denen sie als cooler David gegen den imperialistischen Goliath kämpft,
       werden im Land weiterhin Menschen hingerichtet.
       
       Allein seit Beginn des Kriegs wurden 14 politische Gefangene erhängt. Unter
       ihnen Saleh Mohammadi, Saeed Davoudi und Mehdi Ghasemi. Die drei jungen
       Menschen im Alter zwischen 19 und 21 Jahren wurden während der Proteste im
       Januar dieses Jahres festgenommen. Die einzige Gefahr, die sie für das
       Regime darstellten, war ihr Wunsch nach Freiheit.
       
       Besonders viele Menschen tötet das Regime, wenn es unter Druck gerät.
       [2][Laut Vereinten Nationen] wurden im Jahr 2025 mindestens 1.639 Menschen
       hingerichtet. 2024 waren es „nur“ 975. Der Krieg zwischen Israel und Iran
       im Juni 2025 wurde zum Exekutionstreiber.
       
       Wahrheiten wie diese stehen der Heldengeschichte der Islamischen Republik
       entgegen. Und so blockieren die Machthaber seit Anfang Januar, als im Land
       Massenproteste ausbrachen, nahezu durchgehend das Internet. Die Menschen im
       Land sollen weder miteinander noch mit der Welt kommunizieren, nicht von
       der täglichen Gewalt berichten: Massenüberwachung, willkürliche Festnahmen,
       Regime-SMS voller Drohungen, wirtschaftliche Not.
       
       Sie könnten auch von den Bombardierungen berichten, den Zerstörungen, die
       die USA und Israel verursacht haben, den getöteten Menschen und davon, wie
       der Krieg die wirtschaftliche Krise verschärft. Doch das iranische Regime
       will das Narrativ vollständig kontrollieren.
       
       ## Zwischen Hoffnung und Verzweiflung
       
       In seine Erzählung passt auch nicht, dass die Bevölkerung seit Beginn der
       [3][Waffenruhe] zwar erleichtert über das Ende der täglichen
       Bombardierungen ist, insbesondere an stark betroffenen Orten wie Teheran.
       Doch der Großteil der Menschen wünscht sich weiter ein Ende der Islamischen
       Republik, kann und will keine Unterdrückung, Gewalt und Armut mehr
       ertragen.
       
       Der Krieg brach aus, [4][als die Bevölkerung noch unter Schock stand],
       nachdem das Regime Anfang Januar Zehntausende Menschen bei Protesten
       ermordet hatte und als die wirtschaftliche Existenzangst der Menschen mit
       der hohen Inflation und der fallenden Währung immer weiter wuchs. Ein
       mögliches Ende des Kriegs bringt zumindest ein wenig Hoffnung auf Ruhe und
       leichte wirtschaftliche Erholung.
       
       Doch sieht die Bevölkerung sich dabei einer Führung gegenüber, die nun auch
       noch von sich behauptet, gegen die größte militärische Macht der Welt
       gewonnen zu haben. Das Regime ist hoch korrupt und wird die Menschen
       wirtschaftlich weiter ausbluten lassen. Damit stirbt für viele die letzte
       Hoffnung, dass Hilfe von außen sie unterstützen könnte.
       
       Zumal das iranische Regime, eines der brutalsten der Welt, seine
       außenpolitische Legitimität durch den Krieg bisher sogar noch steigern
       konnte – gerade in progressiven politischen Lagern. So begrüßte der
       spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez [5][in einem Post auf X] den
       Waffenstillstand. Was man jetzt brauche, so schrieb der Sozialist, sei
       „Diplomatie, internationales Recht und FRIEDEN“.
       
       Kein Wort darüber, dass es für die Menschen in Iran niemals Frieden geben
       kann, solange die eigene Führung die Bevölkerung unterdrückt, tötet,
       foltert, überwacht, hinrichtet. Ihre Stimmen werden, wieder einmal,
       ignoriert.
       
       10 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kosten-des-Kriegs-mit-Iran/!6162906
 (DIR) [2] https://www.ohchr.org/sites/default/files/documents/hrbodies/hrcouncil/sessions-regular/session61/advance-version/a-hrc-61-59-auv.pdf
 (DIR) [3] /Waffenstillstand-im-Irankrieg/!6169198
 (DIR) [4] /Stimmen-aus-dem-Iran/!6160158
 (DIR) [5] https://x.com/sanchezcastejon/status/2041782467946840255
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gilda Sahebi
       
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