# taz.de -- Blockade der Straße von Hormus: „Vollständig zum Erliegen gebracht“
       
       > Ein erstes Frachtschiff scheint aufgrund der US-Blockade seinen Kurs zu
       > ändern. Was bedeutet das für Iran? Und wie könnte das Regime nun
       > reagieren?
       
 (IMG) Bild: Blockieren die Durchfahrt von Handelsschiffen in der Straße vom Hormus: US-Marine im Einsatz im Rahmen der Operation Epic Fury
       
       Der Tanker „Rich Starry“, wohl Teil der iranischen Schattenflotte, ist wohl
       das erste Schiff, das im Rahmen der US-Blockade der Straße von Hormus
       seinen Kurs ändert. Am Dienstag war das Schiff laut Trackingdaten zunächst
       aus der Straße von Hormus in den Golf von Oman eingefahren. Dann änderte es
       seinen Kurs, drehte um. Laut [1][VesselFinder] und [2][MarineTraffic], die
       beide Echtzeitpositionen von Schiffen wiedergeben, befand sich der Tanker
       am frühen Mittwochmorgen wieder in der Straße von Hormus, südlich der
       iranischen Insel Larak.
       
       Admiral Brad Cooper, Kommandeur des zuständigen US-Kommandos im Nahen Osten
       (Centcom), erklärte, [3][die Blockade] der iranischen Häfen sei
       „vollständig umgesetzt worden“. In weniger als 36 Stunden hätten die
       US-Streitkräfte den „wirtschaftlichen Handel auf dem Seeweg in den und aus
       dem Iran vollständig zum Erliegen gebracht“. Die Blockadelinie verläuft
       Berichten zufolge zwischen Ras Al-Haddad an der omanischen Küste und Gwadar
       Bay in Pakistan, ganz nah an der Grenze zu Iran.
       
       Am Dienstag hatte es zunächst so ausgesehen, als würde die „Rich Starry“
       einfach aus der Straße von Hormus ausfahren können. Verschiedene Medien
       meldeten bereits einen möglichen Durchbruch der Blockade. Der Tanker fährt
       unter der Flagge von Malawai, ohne wohl tatsächlich dort registriert zu
       sein. Er ist im Besitz der Shanghai Xuanrun Shipping Company und derzeit
       mit etwa 250.000 Fässern Methanol beladen. Laut MarineTraffic hatte das
       Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten abgelegt, Ziel war China.
       Die „Rich Starry“ ist seit 2023 wegen des Transports iranischer Öl- und
       Chemieprodukte mit Sanktionen des US-Finanzministeriums belegt.
       
       Der Fall der „Rich Starry“ bestätigt wohl auch, [4][wie die US-Blockade
       funktioniert]: So werden nicht etwa iranische Häfen belagert. Stattdessen
       warten US-Kriegsschiffe im Golf von Oman auf die ein- und ausfahrenden
       Tanker. Darüber hinaus könnte nach Angaben des Institute for the Study of
       War das US-Militär betroffene Schiffe in internationalen Gewässern weltweit
       abfangen.
       
       ## Die Schattenflotte operiert im Schatten
       
       Eine Schwierigkeit dabei: falsche Datenangaben. Zuletzt hatten nach Angaben
       des Marineinformationsportals Lloyd’s List zwei Containerschiffe ihre
       Zielangabe bei der Einfahrt in die Straße von Hormus verändert: Statt dem
       iranischen Hafen Bandar Abbas tauchte dann „PG Ports“, also Häfen im
       Persischen Golf, als Angabe auf. Es ist heutzutage Standard, dass Schiffe
       mit einem sogenannten Automatischen Identifikationssystem (AIS)
       ausgestattet sind. Das zeigt unter anderem das Land der Registrierung an,
       aber auch den Zielhafen des Schiffs.
       
       Es ist quasi normal, dass die iranische Schattenflotte AIS-Daten
       manipuliert oder das System zeitweise abstellt. LLoyd’s List listet weitere
       Beispiele auf. So hatte ein weiterer US-sanktionierter Tanker die Straße
       von Hormus durchfahren – und zwar nach Beginn der US-Blockade. Die Elpis,
       die wohl unter falscher Flagge der Komoren fährt, gehört einer
       sanktionierten malaysischen Firma. Sie hatte vom iranischen Hafen von
       Buschehr abgelegt, aber wohl nicht angegeben, ob sie dort Fracht geladen
       hatte.
       
       Das Schiff wartet nun vor der Küste Irans, außerhalb der Straße von Hormus.
       Seine Reise durch den Golf von Oman hat es bisher nicht fortgesetzt. Ob die
       US-Marine das Schiff dort festgesetzt hat, ist bisher nicht klar. Analysten
       berichten: Die USA überwachen sämtliche Schiffsbewegungen in der Straße von
       Hormus, das erfolgt unter anderem mit Drohnen. Die AIS-Daten sind also wohl
       nicht entscheidend.
       
       ## Auswirkungen auf Irans Wirtschaft wohl massiv
       
       Die Blockade, wenn sie tatsächlich so durchgezogen wird, hätte deutliche
       Auswirkungen auf die iranische Wirtschaft. Iran hatte nach Angaben der
       Agentur Tasnim, die den Revolutionsgarden nahe steht, jüngst 1,5 Millionen
       Barrel Öl pro Tag exportiert, eine Steigerung von 50 Prozent.
       
       Nach Angaben der Foundation for Defense of Democracy (FDD) könnten Iran
       durch die Blockade monatliche Verluste in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar
       entstehen. Öl und Gas machten 80 Prozent der Exporteinnahmen der iranischen
       Regierung und fast 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, so FDD.
       
       Zudem hatte die Islamische Republik mit dem exportierten Öl mehr
       eingenommen also zuvor: Wegen der iranischen De-facto-Blockade der Straße
       von Hormus waren die Ölexporte aus den arabischen Golfstaaten deutlich
       eingebrochen. Iran konnte sein eigentlich sanktioniertes Öl damit näher am
       Marktpreis verkaufen. Dazu trägt auch ein sogenannter Sanctions Waiver der
       USA bei. Mitte März hatten die USA für einen Monat die Sanktionen auf
       iranisches Öl temporär aufgehoben. Zusätzlich zur US-Blockade wird dieser
       Waiver nun nicht verlängert.
       
       [5][Hinzu kamen die berichteten Zahlungen von Schiffen für die Straße von
       Hormus.] Iran hatte eine sogenannte Zollstelle errichtet. Schiffe, die aus
       dem Persischen Golf in den Golf von Oman ausfahren wollten, mussten sich
       bei den Revolutionsgarden melden, Details zu Herkunft und Ladung
       offenlegen. Iran ließ dann Schiffe, die mit genehmen Staaten verbunden
       sind, passieren – teils gegen Zahlung von Millionengebühren, wohl in
       Cryptowährung oder in chinesischen Yuan. Auch diese Einnahmequelle dürfte
       nun wieder versiegen.
       
       Iran braucht derweil dringend Geld: Dass die Währung auf 1,5 Millionen Rial
       pro US-Dollar fiel, trug zu [6][den brutal niedergeschlagenen Protesten im
       Januar 2026] bei. Hinzu kämen die Schäden im Rahmen des Kriegs: 270
       Milliarden US-Dollar habe Iran der Krieg laut dem Sender Iran International
       bisher gekostet. Um seine eigene Währung zu stabilisieren, braucht das
       iranische Regime ausländische Devisen, vor allem US-Dollar.
       
       Auch dagegen scheinen die USA weiter vorzugehen: Die USA haben Banken im
       Nahen Osten und Asien aufgefordert, Transaktionen in Verbindung mit Iran zu
       stoppen. [7][Das Medium Al-Monitor konnte nach eigenen Angaben einen Brief
       des US-Finanzministeriums dazu einsehen.] Demnach stünden Banken aus den
       Emiraten, Oman, Hongkong und China im Verdacht, iranische Gelder
       weiterzuleiten. Die USA zielen also nicht nur auf Irans Möglichkeit, Öl zu
       exportieren, sondern auch darauf, an die Gelder aus diesen Verkäufen zu
       kommen. Diese finanzielle Blockade könnte noch weiter reichende Folgen
       haben, als die physische Blockade der Straße von Hormus.
       
       ## Welche Möglichkeiten hat Iran nun?
       
       [8][Das Regime hatte bereits angedroht, die nächste Meerenge zu
       blockieren]. So kontrolliert die von der Islamischen Republik unterstützte
       Miliz Ansar Allah (oft „Huthis“ genannt) den Westen Jemens. Daran grenzt
       [9][die Meerenge Bab al-Mandab,] die den Zugang zum Roten Meer und dem
       Suezkanal aus dem Golf von Aden bildet. Ansar Allah hatte dort schon
       mehrfach – im Rahmen des Kriegs in Gaza nach dem Hamas-Angriff vom 7.
       Oktober 2023 – den Schiffsverkehr durch Beschuss bis fast zum Erliegen
       gebracht. Handelsschiffe nahmen dann, teils bis heute, den Umweg über das
       Kap der Guten Hoffnung, also um Afrika herum. Diese längere Route ist mit
       deutlich mehr Zeit und Kosten verbunden. Im Gegensatz zur Straße von Hormus
       gibt es aber immerhin eine Alternative.
       
       Teheran hatte außerdem gedroht, die Häfen der arabischen Golfstaaten
       anzugreifen. [10][Das hatte das Regime bereits vor der Waffenruhe getan]:
       So ist beispielsweise der Hafen von Fudschaira in den Vereinigten
       Arabischen Emiraten bis heute nur in Teilen operabel. Bislang beträgt die
       Abfangquote für iranische Raketen und Drohnen in den Golfstaaten nach
       Medienberichten über 90 Prozent.
       
       15 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.vesselfinder.com/de/vessels/details/9773301
 (DIR) [2] https://www.marinetraffic.com/en/ais/details/ships/shipid:3722428/mmsi:655150434/imo:9773301/vessel:RICH%20STARRY
 (DIR) [3] /Blockade-der-Strasse-von-Hormus/!6166472
 (DIR) [4] /Blockade-der-Strasse-von-Hormus/!6170184
 (DIR) [5] /Strasse-von-Hormus/!6169745
 (DIR) [6] /Massaker-in-Iran/!6152368
 (DIR) [7] https://x.com/ElizHagedorn/status/2044129043050578424?s=20
 (DIR) [8] /Strasse-von-Hormus/!6167117
 (DIR) [9] /Jemens-Huthis-und-der-Irankrieg/!6167295
 (DIR) [10] /Irankrieg/!6169811
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
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