# taz.de -- Nach Verhandlungen im Iran-Krieg: Was wir jetzt wissen
> Am Wochenende verhandelten die USA und Iran über ein Ende der
> Kampfhandlungen – ohne Ergebnis. Eine FAQ.
(IMG) Bild: Wusste er da schon, dass er noch am selben Tag wieder abreisen würde? US-Vizepräsident J. D. Vance am Samstag zu Beginn der Verhandlungen zum Iran-Krieg
Wie liefen die Verhandlungen in Pakistan?
Am Samstag hatten sich in Pakistan Delegationen der Islamischen Republik
Iran und der USA zu Gesprächen über ein Ende des Kriegs eingefunden. Diese
gingen aber ohne einen Deal zu Ende, erklärte US-Vizepräsident J. D. Vance
am frühen Sonntagmorgen. Das sei „für den Iran eine weitaus schlechtere
Nachricht als für die Vereinigten Staaten von Amerika“, erklärte er.
Dass die Verhandlungen keine schnellen Erfolge erzielen würden, war
erwartbar. Vor deren Beginn hatten die USA einen 15 Punkte umfassenden,
Iran einen 10 Punkte umfassenden Vorschlag eingebracht. Die Differenzen
zwischen den Forderungen und Vorstellungen beider Staaten waren gravierend
– ob bezüglich der Anreicherung von Uran oder [1][der von Iran blockierten
Straße von Hormus.]
Die US-Delegation ist nun erstmal abgereist. Ob und wann die Verhandlungen
weitergehen könnten, ist unklar.
Was passiert nun mit der [2][Straße von Hormus]?
Mit dem Beginn der temporären Waffenruhe sollte die De-facto-Blockade der
Straße von Hormus enden, die Iran seit Beginn des Kriegs mit den USA und
Israel aufrechterhält. Dabei entscheidet die Islamische Republik, wer sie
befahren darf: Schiffe des Iran – die unter anderem Öl aus dem unter
internationalen Sanktionen stehenden Land exportieren. Mit befreundeten
Staaten verbundene Schiffe dürfen – teils gegen eine Zahlung hoher
Geldsummen – passieren, während angeblich mit den USA oder dem globalen
Westen verbundenen Schiffen mit Beschuss gedroht wird.
Mindestens 22 Schiffe hat Iran in der Meerenge bislang beschossen, zehn
Seeleute wurden so getötet. Hunderte Schiffe sind weiter im Persischen Golf
gestrandet.
Die naturgeschaffene Meerenge liegt zwischen Iran und Oman, sie ist der
Ein- und Ausgang zum Persischen Golf und damit auch zu wichtigen
Energieexport-Häfen von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten,
Kuwait, Bahrain und Katar. Eigentlich sollte sie für die Schifffahrt frei
zugänglich sein, so will es das Seerechtsübereinkommen der Vereinten
Nationen.
Die De-facto-Blockade hat signifikante Folgen für die Weltwirtschaft und
die globalen Energiepreise. Etwa ein Viertel des globalen Öltransports
verlief vor dem Krieg durch die Straße von Hormus. Der Preis für ein Barrel
Öl der Sorte Brent verteuerte sich seit Kriegsbeginn von 65 US-Dollar auf
zeitweise über 110 und notiert nun bei etwa 95.
Außerdem hatte Iran erklärt, dort Minen verlegt zu haben. Dagegen [3][will
das US-Militär laut eigener Aussage auf X bereits vorgehen]: Zwei
US-Zerstörer hätten am Samstag die Straße von Hormus durchquert, um
sicherzugehen, dass sich keine „vorher gelegten Minen“ darin befinden.
Jetzt scheint die US-Regierung weitere Konsequenzen aus der anhaltenden
Blockade und den gescheiterten Gesprächen zu ziehen: Präsident Trump
kündigte seinerseits eine Blockade der Meerenge von Hormus durch
US-Streitkräfte an. Die Marine solle „mit sofortiger Wirkung“ alle Schiffe
blockieren, die versuchen, in die Straße von Hormus einzufahren oder sie zu
verlassen, schrieb Trump am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social. Die
Marine sei zudem angewiesen, „jedes Schiff in internationalen Gewässern zu
suchen und zu beschlagnahmen, das eine Gebühr an den Iran entrichtet hat“.
Iran selbst exportierte während seiner eigenen Blockade fröhlich weiter:
Etwa 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag – und mit doppelt so hohen Einnahmen,
berichtet der Economist.
Was würde eine US-Blockade für Iran bedeuten?
Fast alle iranischen Ölexporte werden über die Insel Kharg abgewickelt. Sie
liegt am westlichsten Ende der Straße des Arabischen Golfs, alle Exporte
aus Kharg müssen also die Straße von Hormus durchlaufen. Alternativen hat
das Land nicht. Zwar existiert die Goreh-Jask-Pipeline, die Öl zum Hafen
Jask, östlich der Straße von Hormus, bringen soll. Sie ist aber nicht in
Betrieb, einen Testdurchlauf gab es laut IEA zuletzt im Jahr 2024.
Die Islamische Republik braucht das Geld aus dem Ölexport dringend. Denn
sie ist wirtschaftlich schwer angeschlagen. Die großen Proteste im Januar,
die das Regime brutal niederknüppelte, wurden unter anderem von einer
massiven Abwertung der iranischen Währung gegenüber dem US-Dollar
ausgelöst. So war ein US-Dollar zuletzt über 1,5 Millionen iranische Rial
wert. Iran braucht also dringend US-Dollar, um seine Währung zu
stabilisieren und einen weiteren Verfall zu verhindern.
Da kamen die zuletzt höheren Einnahmen durch die Ölexporte gerade recht.
Doch nun, mit der Waffenruhe, kehren viele an ihre Arbeitsplätze zurück.
Ein iranischer Händler sagte Al Jazeera: Güter seien 20 bis 30 Prozent
teurer geworden. Hinzu kommen die Schäden an Irans Infrastruktur durch den
Krieg, betroffen sind etwa Hersteller von Stahl, aber auch die Gewinnung
von Gas, das vor allem innerhalb Irans verbraucht wird.
Sollten die USA jetzt tatsächlich die Straße von Hormus und damit iranische
Exporte blockieren, würde das die bestehende finanzielle Lage weiter
verschlechtern. Eine weitere Abwertung der Währung wäre zu erwarten,
größere Löcher in der angespannten Staatskasse ebenso.
Gibt es Alternativen zur Straße von Hormus?
Dass die Meeresenge ein Nadelöhr ist – und noch dazu direkt am Gebiet eines
mehr oder weniger feindlich gesinnten Staates vorbeiläuft – war wohl allen
arabischen Golfstaaten bewusst. Saudi-Arabien und die Vereinigten
Arabischen Emirate konnten – rein aufgrund ihrer jeweiligen Geografie –
gegensteuern: So haben beide Staaten Pipelines gebaut, die Öl an Häfen
befördern, die ohne den Weg durch die Straße von Hormus erreichbar sind.
Saudi-Arabiens Ost-West-Pipline, die zwischen den östlichen Ölfeldern und
dem Hafen Yanbu am Roten Meer verläuft, ist nun die Hauptexportroute des
Königreichs. Nach Beginn der Waffenruhe hatte Iran eine Pumpstation der
Pipeline beschossen, der Durchfluss brach kurzfristig ein. Laut
Saudi-Arabien ist sie bereits repariert. Solange es im Roten Meer keine
Disruptionen gibt – etwa seitens der von Iran unterstützten [4][Huthi-Miliz
im Jemen] – sichert das Exporte in Höhe von über 80 Prozent des
Vor-Kriegs-Niveaus.
Die Vereinigten Arabischen Emirate verbringen Öl aus den Feldern im Westen
des Landes zum Hafen von Fujairah. Dieser liegt etwa 70 Seemeilen – circa
130 Kilometer – östlich der Straße von Hormus. Iran hatte den Hafen relativ
zu Beginn des Kriegs beschossen. Laut dem Marine-Portal Lloyd’s List ist
der Hafen wieder in Betrieb, wenn auch mit Einschränkungen. Die Exporte
sind deutlich stärker eingebrochen als bei Saudi-Arabien, laut Reuters um
etwa die Hälfte.
Für [5][Bahrain, Katar und Kuwait] gibt es derzeit keine gangbaren
Alternativen zur Durchfahrt der Straße von Hormus. Längerfristig denkbar
wären Exporte durch die Emirate, Saudi-Arabien oder Oman hindurch.
Doch es geht auch ums Prinzip. Der emiratische Industrieminister und
Geschäftsführer des staatseigenen Öl- und Gaskonzerns ADNOC, Sultan
Al-Jaber, erklärte auf X: Irans Blockade sei „rechtswidrig, gefährlich und
inakzeptabel“ – und dürfte nicht zugelassen werden.
Könnte es eine Rückkehr zum Krieg geben?
Beide Staaten nutzen Berichten zufolge die Waffenruhe, um ihre jeweiligen
Verteidigungs- und Angriffskapazitäten wieder aufzubauen.
Die USA verbringen weiter militärisches Equipment in die Region: Unter
anderem soll zum Ende der Woche der Flugzeugträger USS Bush samt Zerstörern
im Nahen Osten ankommen. Insgesamt befänden sich dann drei
US-Flugzeugträger in Operationsnähe zu Iran, wobei einer von ihnen im März
für Reparaturen Griechenland anlaufen musste. Außerdem haben die USA im
Irankrieg einige Reaper-Drohnen verloren, mindestens 24 sollen es sein.
Auch diese sollen nun Berichten zufolge ersetzt werden.
Daten von Flugtracking-Webseiten zeigen außerdem die Verlegung von
US-Militärflugzeuge Richtung Nahost, dutzende Betankungsflugzeuge sind dort
auch während der Waffenruhe und der Verhandlungen verblieben. Das erinnert
an die Situation Ende Februar: Auch damals wurde – während noch
Verhandlungen liefen – mehr und mehr Militärequipment Richtung Iran
verbracht.
Auch Luftabwehrraketen – deren Vorräte vor dem Beginn der Waffenruhe
Berichten zufolge zur Neige gingen – sollen verlegt werden, zum Schutz der
Golfstaaten und Israels.
Auch Iran füllt wohl seine Bestände auf. Nach Berichten, die sich auf
Angaben des US-Nachrichtendienstes stützen, bereitet China
Waffenlieferungen an Iran vor. Die Lieferungen würden durch Drittstaaten
umgeleitet, um ihre Herkunft zu kaschieren. Die Lieferung soll mobile
Luftabwehrraketensysteme umfassen.
Die Vorbereitungen beider Seiten – und die Unvereinbarkeit der beiden
Positionen bei den diplomatischen Gesprächen – deuten auf eine Fortführung
des Krieges hin.
12 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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