# taz.de -- Kämpfe im Libanon: Symbolisch für beide Seiten – und schwer umkämpft
       
       > Israels Militär nimmt derzeit die Stadt Bint Dschbeil im Süden Libanons
       > ein. Krankenhäuser haben aufgehört zu arbeiten, viele Menschen sind
       > geflohen.
       
 (IMG) Bild: Nach einem Angriff in Bint Dschbeil, am 8. April 2026
       
       „Willkommen in Bint Dschbeil, Hauptstadt des Widerstands und der Befreiung“
       steht auf einem Schild an der Einfahrt in die südlibanesische Stadt,
       weniger als vier Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt. Sowohl für
       Israels Armee als auch die Hisbollah ist es eine symbolreiche Stadt. Die
       israelische Armee hatte es weder im Krieg 2006 noch bei der Bodeninvasion
       im Jahr 2024 geschafft, Bint Dschbeil militärisch einzunehmen. Es ist die
       zweitgrößte Stadt im Gouvernement Nabatije im südlichen Libanon.
       
       Nun hat die israelische Armee nach eigenen Angaben die Stadt vollständig
       eingekesselt, sie vom Boden wie aus der Luft angegriffen. Am vergangenen
       Donnerstag „tourte“ der Stabschef der israelischen Streitkräfte,
       Generalleutnant Eyal Zamir, die Außenbezirke von Bint Dschbeil. Die
       Hisbollah-Miliz erklärt wiederum, sie habe israelische Soldaten in und um
       Bint Dschbeil mit Raketen, Artilleriefeuer und Drohnen angegriffen.
       
       Fotos zeigen das zerstörte Fußballstadion der Stadt. Der Rasen ist
       verbrannt, Tribünen zerstört, überall liegen Trümmer. Im Jahr 2000 hatte
       [1][der damalige Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah] in diesem Stadion eine
       Siegesrede nach dem Abzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon und dem
       Ende der dortigen Besatzungszone gehalten. In der Rede verglich er die
       Stärke Israels mit der eines „Spinnennetzes“ – eine Metapher, die berühmt
       wurde. Das Stadion wurde regelmäßig für Sportveranstaltungen und Sportfeste
       genutzt, zuletzt im September 2025.
       
       Normalerweise leben 30.000 Menschen in der Stadt. Wie viele von ihnen noch
       dort ausharren, ist unklar. Viele sind aber wohl geflohen. [2][Die
       israelische Armee hat eine sogenannte Massen-Evakuierungsaufforderung für
       den ganzen Südlibanon herausgegeben.] Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt,
       dass sich im ganzen Südlibanon noch rund 150.000 Menschen aufhalten. Sie
       können durch humanitäre Hilfe derzeit wohl nicht erreicht werden: Israels
       Militär hatte in diesem Krieg alle Brücken über dem Fluss Litani
       bombardiert und so humanitäre Hilfe erheblich erschwert.
       
       ## Keine Krankenhäuser mehr in Betrieb
       
       Die israelische Armee hatte am Sonntag gemeldet, das öffentliche
       Krankenhaus in Bint Dschbeil gestürmt zu haben. Angeblich seien dort
       Hisbollah-Kämpfer und Schusswaffen gewesen. [3][Das erinnert an den
       Gazastreifen.]
       
       „Im Krankenhaus gab es keine Waffen“, erklärt ein in der Buchhaltung des
       Krankenhauses angestellter Mann gegenüber der taz. Der Druck auf das
       Krankenhaus sei bereits zu Beginn des Krieges gestiegen, vor vier Tagen sei
       es vom israelischen Militär eingenommen worden, erzählt er. Der Angestellte
       selbst ist vor den Kämpfen in das christliche Nachbardorf Rmeich geflohen.
       Die Situation dort sei noch gut, sagt er. Rund 6.500 Menschen befinden sich
       laut Stadtverwaltung in dem Ort. „Es gibt keinerlei Präsenz der
       israelischen Armee in Rmeich“, sagt er.
       
       Fünf Krankenhäuser [4][sind im Libanon bereits nicht mehr funktionsfähig],
       mehrere Kliniken waren zur Evakuierung gezwungen. Etwa in Bint Dschbeil:
       Sowohl das öffentliche Spital als auch das private
       Salah-Ghandour-Krankenhaus seien vor etwa einer Woche evakuiert worden,
       bestätigt eine ehemalige Mitarbeiterin der taz.
       
       Am Sonntag hatte außerdem das israelische Militär ein Rettungsteam des
       libanesischen Roten Kreuz direkt angegriffen. Nach einem Luftangriff in der
       Stadt Beit Yahoun im Bezirk Bint Dschbeil halfen sie gerade den Opfern.
       [5][Der Rettungssanitäter Hassan Badawi] wurde bei dem Einsatz verletzt und
       erlag später seinen Verletzungen. Seine Familie musste ihn am Montag in
       einem provisorischen Grab in Choueifat, südlich der Haupstadt Beirut,
       begraben. Sein Heimatdorf Sultanija im Bezirk Bint Dschbeil ist aufgrund
       der dortigen heftigen Kämpfe nicht erreichbar.
       
       Badawi ist einer von 89 Mitarbeitern des Gesundheitssektors, die durch
       israelische Angriffe im Libanon seit dem 2. März 2026 getötet wurden. Das
       libanesische Gesundheitsministerium verurteilte erneut die israelischen
       Angriffe auf das libanesische Gesundheitssystem. Das Ministerium wolle
       Klage vor internationalen Gerichten einreichen, sagte eine Sprecherin.
       
       ## Gespräche in den USA angesetzt
       
       Auch am Dienstag hielten die Angriffe an. Dabei sollen sich am
       Dienstagabend die libanesischen und israelischen Botschafter in den USA
       [6][zu den ersten direkten Verhandlungen] seit 40 Jahren treffen. Der
       libanesische Außenminister, Youssef Raggi, erklärte: Der Libanon werde auf
       einen Waffenstillstand im Krieg drängen.
       
       Die Erfolgsaussichten sind gering. Israel hatte erklärt, es werde nicht
       über einen Waffenstillstand verhandeln, während die Hisbollah Verhandlungen
       mit Israel ablehnt.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [4] /Aerzte-ohne-Grenzen-im-Libanon/!6169569
 (DIR) [5] https://www.ifrc.org/article/ifrc-strongly-condemns-killing-lebanese-red-cross-paramedic-hasan-badawi-while-ambulance
 (DIR) [6] /Spannungen-in-Libanon/!6169954
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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       medizinische Koordinatorin für Ärzte ohne Grenzen, über die Notlage der
       Krankenhäuser.