# taz.de -- Gespräche zwischen Israel und Libanon: Historischer Smalltalk
> Die Nachbarstaaten Israel und Libanon führen erstmals seit Jahrzehnten
> direkte Gespräche. Worum geht es dabei? Und können sie mehr sein als ein
> Symbol?
(IMG) Bild: Bisschen Reden schadet nicht, und ist historisch, während draußen die Besetzung läuft
In anderen Zeiten wären direkte Gespräche zwischen dem Libanon und Israel
eine kleine Sensation, vielleicht sogar ein Hoffnungsschimmer auf
Annäherung oder gar Friedensgespräche. Nicht so vor dem Hintergrund der
eskalierenden Konflikte in Nahost. Das historische Treffen zwischen der
libanesischen Botschafterin Nada Hamadeh und ihrem israelischen Gegenüber
Yechiel Leiter am Dienstag in Washington dürfte kaum über Symbolpolitik
hinausgehen.
Die Probleme beginnen bereits damit, dass die Partei, um die es eigentlich
geht, nicht am Tisch sitzt. Die proiranische Schiitenmiliz Hisbollah, gegen
die Israel im Libanon Krieg führt, lehnt die Gespräche unter Feuer ab.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aber hat klargemacht, [1][es
gebe „keinen Waffenstillstand im Libanon“.] 80 Prozent der Israelis sind
für eine Fortsetzung des Krieges. Im Herbst stehen in Israel Wahlen an.
Laut Medienberichten soll sich Netanjahu ohnehin nur unter Druck von
US-Präsident Donald Trump überhaupt auf die Verhandlungen eingelassen
haben. Zuvor hatte Israel Stunden nach der Verkündung der Waffenruhe mit
Iran rund einhundert Angriffe binnen zehn Minuten im Libanon geflogen und
Hunderte Menschen getötet – wohl wissend, dass es die fragile Vereinbarung
mit Teheran gefährden würde. Auch die Angriffe auf Iran würden der Premier
und laut Umfragen die Mehrheit der Israelis am liebsten fortsetzen.
Die libanesische Regierung ist somit die einzige Partei, die seit Wochen
bereits Gespräche sucht. Dass man in Beirut dafür bereit ist, sich auf
offizieller Ebene mit israelischen Vertretern zu treffen – obwohl man das
Nachbarland [2][seit 1948] nicht anerkennt – zeigt: Der Widerwille in der
Regierung und großen Teilen der Bevölkerung gegen diesen Krieg ist groß.
Laut dem libanesischen Präsidialamt gehe es um eine Waffenruhe und ein
Startdatum für bilaterale Verhandlungen.
## Was kann das libanesische Militär wirklich leisten?
Doch die Regierung in Beirut hat kaum etwas anzubieten. Zwar hat sie die
Hauptstadt jüngst zu einer Zone erklärt, in der nur staatliche
Sicherheitskräfte Waffen führen dürfen, und will den Konflikt so auf den
Süden des Landes begrenzen. Ob die schlecht ausgerüstete libanesische Armee
das durchsetzen kann, ist eine andere Frage.
Die Bilanz nach dem Waffenstillstand von November 2024 ist nicht
vielversprechend: Libanesische Soldaten zerstörten laut
[3][Ministerpräsident Nawaf Salam] Tunnel und Raketenstartrampen der Miliz
im Süden. Israelische Angriffe hatten zuvor zahlreiche Anführer und
Waffenlager getroffen.
„Viele dachten vor März, die Hisbollah sei am Ende, jetzt aber sehen wir,
dass sie sich als militärische Organisation unter den Augen der Armee
wieder aufbauen konnte“, sagt Heiko Wimmen von der europäischen Denkfabrik
Crisis Group im Libanon. „Man kann sich vorstellen, wie es ausgeht, wenn
die Soldaten die Gruppe gegen ihren Willen entwaffnen oder deren
Führungskader verhaften wollen.“
Doch auch für Israel könnte der militärische Druck nach hinten losgehen.
[4][„Es gab zu Kriegsbeginn auch in der schiitischen Minderheit, der Basis
der Hisbollah, Unmut“, sagt Wimmen.] Auch Schiiten, die nichts mit der
Miliz zu tun haben, sind von israelischen Gegenangriffen und Vertreibungen
pauschal betroffen. Zudem isolieren die israelischen Angriffe sie auch
unter den 18 Religionsgemeinschaften des Libanon, weil viele fürchten, sich
mit der Aufnahme von schiitischen Flüchtlingen zum Ziel zu machen.
[5][„Wir schlagen so hart zu, bis die Bevölkerung die bewaffnete Gruppe
hinausdrängt] – dieses Vorgehen hat in der Geschichte von
Aufstandsbekämpfung fast noch nie funktioniert“, sagt Wimmen. Stattdessen
würden die Schiiten zurück in die Arme der Hisbollah getrieben.
## Im Schatten der Verhandlungen um Iran
Beide Seiten betonen zudem, die Verhandlungen in Libanon getrennt von denen
in Iran zu betrachten. Das dürfte aber schon daran scheitern, dass die
Hisbollah nach dem letzten Krieg mit Israel nur mit iranischer
Unterstützung so schnell wieder aufrüsten konnte. Das Regime in Teheran
hält wiederum in seinem Überlebenskampf an seiner wichtigsten
Stellvertretermiliz in der Region umso verbissener fest. „De facto steht
Libanon im Schatten der Verhandlungen in Pakistan; wenn es dort keine
Lösung gibt, wird es auch hier keine geben“, sagt Wimmen.
[6][Eine erste Gesprächsrunde in Pakistan verließ US-Vizepräsident J. D.
Vance am vergangenen Wochenende nach einem Tag ergebnislos.] Laut der
Nachrichtenagentur Reuters könnten die Verhandlungen mit Iran ab Ende der
Woche fortgesetzt werden. Eine offzielle Bestätigung dafür gibt es bisher
nicht.
14 Apr 2026
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(DIR) Felix Wellisch
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