# taz.de -- Iran und der Krieg: Bricht die Wirtschaft dem Regime das Genick?
> Die marode Wirtschaft ist die Achillesverse der Islamischen Republik, die
> Inflation im Land steigt. Könnte die US-Seeblockade ihr den Gnadenstoß
> versetzen?
(IMG) Bild: Ein Batzen Scheine für eine Handvoll Dollar wäre die beste Zusammenfassung der wirtschaftlichen Situation Irans
Wer in Iran zurzeit versucht, 50 Euro zu tauschen, bekommt dafür einen
handbreiten Stapel iranischer Scheine. Die Zentralbank in Teheran kommt der
Entwertung der iranischen Währung mit dem Drucken neuer Banknoten gar nicht
hinterher. Erst im März kam die bisher höchste Banknote in Umlauf, ihr Wert
entspricht 10 Millionen Rial. Umgerechnet sind das wenig mehr als sechs
Dollar.
Solche Maßnahmen werden den Kollaps der iranischen Wirtschaft kaum
aufhalten. Laut Medienberichten wandte sich Abdolnaser Hemmati,
Vorstehender der iranischen Zentralbank, deshalb vor kurzem an den
Präsidenten Massud Peseschkian: Die wichtigsten Maßnahmen, um die
Wirtschaft wieder zu stabilisieren, seien ein Ende der staatlichen
Internetsperre und ein Friedensabkommen mit den USA.
Doch während die Verwalter des Landes warnen und auf Kompromisse drängen,
sind die ideologisch getriebenen Revolutionsgarden – der größte Machtfaktor
in Iran – bereit für die nächste Eskalation. [1][Trumps Seeblockade, die
seit Montag in Kraft ist,] nannte Iran „Piraterie“. Als Reaktion darauf
drohte Iran die Häfen der Golfstaaten anzugreifen.
Die empfindliche Reaktion aus Teheran auf Trumps Seeblockade, die seit
Montag in Kraft ist, hat gute Gründe. Denn die Blockade zielt direkt auf
die ohnehin schon angeschlagene iranische Wirtschaft.
## Wer hält länger durch: Iran oder die Weltwirtschaft?
Bisher hatte Iran die Seestraße nur für Schiffe der USA und seiner
Verbündeten blockiert. Andere Schiffe, etwa solche unter chinesischer
Flagge, [2][durften im Gegenzug mit einer illegitimen Mautzahlung die
Straße passieren]. Nun sollten „entweder niemand oder alle“ die Seestraße
passieren können, so begründete Trump die Blockade.
Die USA haben erkannt, dass Iran, noch mehr als der Rest der Welt, auf
offene Handelsrouten durch die Straße von Hormus angewiesen ist. Mehr als
90 Prozent des jährlichen iranischen Handelsvolumens werden auf dem Seeweg
abgewickelt, darunter auch Importwaren, wie Elektronik, Lebensmittel und
Arzneiwaren.
Nun kommt es also darauf an, wer eine vollkommene Blockade länger
durchhält: die iranische oder [3][die Weltwirtschaft]? Für Iran stehen die
Zeichen schlecht. Bereits vor dem Krieg befand sich die Währung im freien
Fall. Die schlechte Wirtschaftslage war der Auslöser für den
Massenaufstand, [4][bei dem Millionen Iraner im Dezember und Januar ein
Ende der Islamischen Republik forderten.]
## Es droht eine Inflation bis 180 Prozent
Ehsan Amini, 25 Jahre alt, hat damals selbst an Protesten teilgenommen. Nun
berichtet er der taz, dass sich die Lage seit Beginn des Krieges dramatisch
verschlechtert habe. Amini heißt eigentlich anders, auch die südiranische
Kleinstadt, in der er lebt, soll hier aus Sicherheitsgründen nicht genannt
werden. Obwohl Amini in einer der besten Universitäten des Landes Chemie
studiert hat – eigentlich ein gefragtes Fach auf dem Arbeitsmarkt – ist er
seit seinem Studienabschluss vor einem Jahr arbeitslos. Seitdem hilft er
manchmal im Elektroladen seines Vaters aus. „Seit Beginn des Krieges muss
ich ständig neue Preisschilder an die Ware hängen. So schnell steigen die
Preise“, sagt Amini.
Die Warnungen, die die iranische Zentralbank nun fast täglich verfasst,
gehen in eine ähnliche Richtung. [5][Es drohten eine Inflation bis 180
Prozent] und zwei Millionen zusätzliche Arbeitslose in den kommenden
Monaten. Laut der größten Wirtschaftszeitung des Landes Donya-e Eghtesad
werden Jahre vergehen, um allein die Infrastrukturschäden zu beheben.
Sollte es Trump gelingen, die Seeblockade aufrechtzuerhalten, wäre dies
wohl der Gnadenstoß für die iranische Wirtschaft.
Auch wenn belastbare Zahlen fehlen, berichtet allein unter den Kontakten
der taz schon jetzt eine große Zahl an Menschen, nur noch von den eigenen
Ersparnissen zu leben. Seit Beginn des Krieges wurden unzählige Angestellte
freigestellt, Löhne werden nicht mehr ausbezahlt.
## Die Achillesverse des Regimes
So zynisch die US-amerikanische Strategie auch ist: sie könnte aufgehen.
Denn für ein Regime, das in der eigenen Bevölkerung seinen gefährlichsten
Feind sieht, ist die Wirtschaft die große Achillesverse.
Dabei ist es so: Jedes Mal wenn Bomben auf Iran fielen, stärkte dies
zumindest kurzfristig und in Teilen der Bevölkerung einen nationalistischen
Zusammenhalt. Dank des Krieges konnten sich die Revolutionsgarden als
standhafte Verteidiger der Nation inszenieren – und sich damit als die
wahren Machthaber im Land legitimieren. Davon profitierte das Regime
kurzzeitig.
[6][Doch die materielle Not wiegt schwerer.] Bemerkbar wird dies etwa in
der iranischen Justiz. Auch manche Richter und Angestellte bekamen
wochenlang schon keine Löhne mehr ausbezahlt. „Die Richter werden dadurch
bestechlich“, sagt ein iranischer Aktivist gegenüber der taz. Er und andere
Aktivisten sammelten nun Geld, um damit Richter zu schmieren und die
Haftstrafen für verurteilte Demonstranten zu reduzieren.
Noch ist unklar, wie lange die USA die Blockade aufrechterhalten werden.
[7][Insbesondere aus China] wird wohl der Druck steigen, die Straße von
Hormus wieder zu öffnen. Experten wie Dan Alamariuo von der Research-Firma
Alpine Macro, gehen davon aus, dass militärische Konfrontationen die
Überlebenszeit des Regimes eher verlängern. Während ein Wirtschaftskollaps
den Sturz des Regimes eher beschleunigt – auch wenn bis dahin noch ein bis
drei Jahre vergehen können.
15 Apr 2026
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