# taz.de -- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Blau auf'm Dorf
       
       > Die AfD hat eine neue Strategie: leerstehende Gaststätten auf dem Dorf
       > anmieten. Im rheinland-pfälzischen Gonzerath hat man sich daran schon
       > gewöhnt.
       
 (IMG) Bild: Früher war alles besser: Der ehemalige Gasthof Zur Linde ist heute ein AfD-Nest
       
       Also für eine Bratwurst, da sei er auch mal über die Straße rüber zur AfD
       gelaufen, sagt der Mann im Strickpullover. Er spaziert an einem Sonntag im
       März mit seiner Frau durch Gonzerath im Hunsrück. Die AfD hat in dem Ort
       seit über einem Jahr eine Gaststätte angemietet. Beide finden das zwar
       nicht schön, aber wirklich Probleme mache die AfD im Ort auch nicht. Was
       das Paar da sagt, klingt lapidar. Ein Schulterzucken, das nicht zuletzt
       zeigt: Die Strategie der AfD ist hier aufgegangen.
       
       Dort, vor dem Gasthof zur Linde, wo ab und an der Bratwurststand parkt,
       stehen an diesem Sonntag Männer in blauen Anzügen. Sie schütteln Hände, man
       kennt sich, lacht und klopft sich auf die Schultern. Einige haben eine
       Deutschlandflagge angesteckt.
       
       Das Gasthaus Zur Linde hat ein Bitburger-Logo über der Tür, ein Sky-Schild
       an der Hauswand, darunter ein Zigarettenautomat. Bundesliga-Spiele kann man
       hier schon lange nicht mehr schauen und drinnen steht kein Wirt. Es ist
       eine Geschichte, die viele leerstehende Gaststätten in Rheinland-Pfalz so
       oder so ähnlich erzählen: Es war mal ein Ort, da traf man sich. Es gab
       gutbürgerliche Küche, am Wochenende waren die Tische voll. Nach 135 Jahren
       Familienbetrieb ist in der Linde Schluss, die nächste Generation will den
       elterlichen Betrieb nicht weiterführen. 2014 schließt das Lokal. 2017
       übernimmt ein neuer Besitzer, eröffnet eine Pizzeria – die Umsätze stimmen
       nicht, auch er muss schließen.
       
       Da hatte die AfD eine Idee, die funktioniert so: Sie sucht gezielt nach
       diesen Gaststätten mit der Partei wohlgesinnten Besitzern, und mietet diese
       dauerhaft. In die Fenster hängt die AfD dann überlebensgroße Wahlplakate
       mit Porträts von Parteichefin Alice Weidel oder Jan Bollinger, dem
       aktuellen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten in Rheinland-Pfalz. Die
       Partei will die Räume als Büro verwenden und gleichzeitig für
       Bürgerdialoge, Seniorentreffs und Weihnachtsmärkte. Es gibt Bier, mal eine
       Bratwurst. So ist es in Gonzerath passiert. Und so plant sie es bis 2029
       laut eigenen Angaben in jedem Wahlkreis des Bundeslands.
       
       Ein Besuch zeigt, wo diese Strategie verfängt und wo sie an Grenzen stößt.
       Es ist eine Geschichte von eingeworfenen Fenstern und einem Dorf, das sich
       mal gewehrt hat.
       
       ## Politischer Frühschoppen in der Provinz
       
       Gonzerath hat 1.300 Einwohner*innen. Es ist umgeben von Wald, in der Nähe
       fließt die Mosel, eine beliebte Wandergegend. Einige nennen es Hinterland,
       andere Provinz. Es gibt eine Bäckerei, einen geschlossenen Supermarkt, eine
       aktive Volleyball-Mannschaft, einen Sportplatz und eine Freiwillige
       Feuerwehr. Von den drei Gaststätten hat eine im letzten Jahr geschlossen,
       eine andere hat nur noch ein paar Tage die Woche geöffnet. Die dritte ist
       das neue Quartier der AfD.
       
       An einem Sonntag Anfang März hat sie zum „Politischen Frühschoppen des
       Kreisverbandes Bernkastel-Wittlich“ eingeladen. Im Quartier zur Linde, wie
       die Gaststätte heute heißt, wolle man über die Schwerpunkte für die
       anstehende Wahl sprechen. Welche das sein sollen, hat die AfD nicht in die
       Einladung geschrieben. Mit dabei sein sollen: Jan Bollinger und der
       Direktkandidat und Kreisvorsitzende der AfD Bernkastel-Wittlich, Arnold
       Fiz.
       
       Bei der Landtagswahl [1][will die AfD 20 Prozent erreichen], damit würde
       sie ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln. In aktuellen Umfragen liegt sie bei
       19 Prozent, an dritter Stelle hinter CDU und SPD.
       
       Spitzenkandidat Bollinger steht vor dem ehemaligen Gasthof und blinzelt in
       die Sonne. Das Programm, das man den Leuten hier biete, komme gut an, sagt
       er. Drinnen spreche man nicht immer über Politik, biete auch einfach mal
       nur gemeinsames Beisammensein an, sagt Bollinger.
       
       Falls doch jemand über Politik reden wolle, sei man da und ansprechbar.
       Ungefähr so beschreibt es die AfD auch in einem der taz vorliegenden
       Strategiepapier mit dem Titel: „Verankerung in der Fläche – Die AfD erobert
       die Dörfer“, über das zuerst das Portal Table Media berichtete. Der
       Zeitpunkt des Bekanntwerdens ein paar Tage vor der Landtagwahl ist sicher
       kein Zufall. Darin heißt es, mediale Berichterstattung sei erwünscht,
       schließlich bemüht sich die AfD um den Eindruck, dass sie die einzige
       Partei in der Fläche ist, die sich kümmert. Weder das noch dass Presse
       tatsächlich erwünscht ist, wird sich später jedoch bestätigen.
       
       In Gonzerath finden die Treffen bisher noch unregelmäßig statt, ein bis
       zweimal im Monat, sagt Wahlkreis-Kandidat Fiz. Zu Besuch war bereits
       Catalina Monzon, Landtagskandidatin für die AfD und Vorsitzende des
       Kreisverbandes Kusel. Auf Facebook postete sie ein Foto, Arm in Arm mit dem
       Rechtsextremisten Martin Sellner, der für seine Remigrations-Agenda bekannt
       ist.
       
       Das Quartier zur Linde finanziere die AfD mit Spenden und Unterstützung von
       Abgeordneten, sagt Fiz. Beim Landesparteitag im November kündigte Bollinger
       an, 600.000 Euro in den Wahlkampf zu stecken. Wie hoch die Miete ist, will
       Fiz nicht verraten. Nur so viel: Er vermutet, weil es die AfD ist, habe der
       Besitzer etwas draufgeschlagen.
       
       Die AfD zahle für das zweistöckige Haus warm 2.000 Euro im Monat, sagt
       Janni Gashi der taz am Telefon. Er ist der Besitzer des Gasthofes und im
       Dorf bekannt. Lange Zeit besaß er ein Bordell etwas außerhalb von
       Gonzerath, eine weitere leerstehende Gaststätte wolle er jetzt kaufen.
       Gashi ist vor 40 Jahren aus Albanien nach Deutschland gekommen und
       mittlerweile AfD-Mitglied. Für ihn ist das „eine Partei wie jede andere“.
       
       ## Presse? Nein danke
       
       Gasthöfe langfristig anzumieten, löst für die AfD auch ein anderes Problem:
       Räumlichkeiten für einzelne Veranstaltungen zu finden, war in der
       Vergangenheit schwierig. Oft gab es Boykottaufrufe und Proteste aus der
       Zivilgesellschaft. Im Dezember auch in Gonzerath. Die hätten aber „keinen
       langen Atem“ gehabt, sagt Bollinger. Im Frühjahr 2025 habe mal jemand die
       Fensterscheibe eingeworfen. Eine Anekdote, die auch Anwohner*innen im
       Ort erzählen.
       
       Die taz wollte herausfinden, wie die Menschen in Gonzerath zu der
       angemieteten Gaststätte stehen. Aber schon bei der Anmeldung per E-Mail
       teilt Fiz mit: „Aufgrund der vollständig ausgeschöpften Kapazitäten können
       leider keine weiteren Anmeldungen mehr berücksichtigt werden“. An diesem
       Sonntag stehen dann etwa 15 Leute vor dem Eingang der ehemaligen
       Gaststätte. Nach vollständig ausgeschöpften Kapazitäten sieht das nicht
       aus. Vielleicht sind drinnen aber auch schon Menschenmengen, die eine
       Reporterin von außen nicht erahnen kann.
       
       Nachgefragt bei Fiz, ob es nicht doch eine Möglichkeit gebe, dabei zu sein?
       Nein. Die Menschen aus dem Dorf würden sich dann nicht wohl fühlen, nicht
       offen sprechen. Wie viele sich denn angemeldet hätten? „Vier“, sagt Fiz.
       
       Aber vielleicht ist es möglich, in die Gaststätte zu schauen, bevor es
       losgeht? Das müsse er abklären, sagt er, und verschwindet im Haus. Kurz
       darauf kommt der Wahlkreiskandidat wieder nach draußen und verkündet die
       wenig überraschende Botschaft: „Heute leider nicht.“ Auf Instagram posten
       gelegentlich AfD-Politiker*innen Fotos aus der Gaststätte: Die zeigen
       gelbe-orange Wände, Holzvertäfelungen, Parkettboden in Holzoptik – und
       große AfD-Banner.
       
       ## „Ich will die hier nicht haben“
       
       Als Journalistin darf man zwar nicht rein, aber kann durchs Dorf spazieren.
       Ein paar Häuser von der Gaststätte entfernt klingelt die Tür der Bäckerei
       Schmitt immer, wenn Kundschaft kommt. Hinter der Theke steht eine junge
       Frau und stapelt Schwarzwälderkirschtorten, Käsesahnetorten und
       Nusssahnetorten auf eine Pappe und wickelt sie in rosa Papier. Im
       Hinterzimmer sitzt der Bäcker und schaut Youtube-Videos.
       
       Was die Verkäuferin zur Gaststätte der AfD sagt? „Also, ich will die hier
       nicht haben.“ Und das sähen die Leute im Dorf nicht anders. Viele hier
       seien gegen die AfD, das betont sie mehrmals.
       
       Wie zum Beweis legt sie ihr Handy auf die Theke und öffnet einen
       Whatsapp-Kanal, 139 Mitglieder, Titel: „Gonzerath AfD Nein Danke“. Sie sei
       bei den Demonstrationen dabei gewesen, ihren Namen will sie aber nicht
       nennen. Der örtliche Jugendverein habe die Demo organisiert, ihr Vater habe
       als Ordner fungiert. Die Zeitung Der Trierische Volksfreund berichtete: Vor
       Weihnachten 2024 hätten etwa 250 Menschen wegen eines Infoabends mit dem
       EU-Abgeordneten Alexander Jungbluth vor der Gaststätte demonstriert.
       
       Auch der Ortsvorsteher Christoph Steinmetz von der CDU sagt, er unterstütze
       den Protest. Am Telefon schildert er der taz, anfangs habe er sich
       „tierisch“ über die AfD aufgeregt. Und wie bei der Demo im Dezember die
       Lage eskaliert sei. Einige von der AfD seien aus dem Gasthaus gekommen,
       hätten sich „blöd hingestellt“, irgendwann angefangen zu filmen. Am Ende
       habe die Polizei dazwischengehen müssen. „Die sind nicht so brav, wie die
       glauben machen“, sagt Steinmetz.
       
       Die letzte Nachricht im Whatsapp-Kanal „Gonzerath AfD Nein Danke“ ist von
       September 2025. Auf Facebook postete die gleichnamige Gruppe im Frühjahr
       2025 regelmäßig Bilder von Protestaktionen: Banner am Ortseingang
       „Gonzerath Bunt & Weltoffen“; Bilder von Wahlplakaten, über die jemand
       Regenbogenflaggen geklebt hatte; bunte Straßenkreide auf dem Bürgersteig:
       „Wer sie wählt, weiß genau was er tut – wer schweigt auch“. Im Mai dann ein
       letztes Foto: Am Ortseingang hatte jemand die Banner rausgerissen.
       
       „Der Protest ist ein bisschen eingeschlafen“, sagt die Verkäuferin in der
       Bäckerei. Warum, wisse sie nicht. Der CDU-Mann Steinmetz erzählt von der
       vielen Arbeit, der zeitraubenden Absprache mit den Behörden und der
       Polizei. Die Demo im Dezember blieb die erste und einzige.
       
       ## Taskforce Südwest
       
       Aus AfD-Kreisen heißt es, man wolle sich in Rheinland-Pfalz bürgerlich
       geben. Zuvor hatte die Partei eine [2][„Taskforce Südwest“] ausgerufen.
       Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg gelten als erfolgreiches Beispiel für
       die anderen westlichen Landesverbände. In Baden-Württemberg holte die
       Partei bei der Landtagswahl Anfang März [3][18,8 Prozent – ein
       Rekordergebnis] für den Südwesten.
       
       Nun kommt auch Bäcker Armin Schmitt aus dem Hinterzimmer an die Theke. Er
       kennt die Zeiten, als die Linde noch eine Kneipe war: „Da war die Hölle
       los.“ Und: „Schade drum“, findet Schmitt. Die taz, sagt er, sei im Übrigen
       schon einmal in der Bäckerei zu Besuch gewesen. Schmitt zitiert frei aus
       dem damals entstandenen Artikel: Das Café der Bäckerei „erinnert an den
       [4][morbiden Charme der 50er-Jahre].“ Das sei gewesen, bevor er renoviert
       habe, betont er und lacht.
       
       Die taz kam damals, um über ein Ereignis zu berichten, das Gonzerath bis
       heute prägt. Die NPD wollte 2007 in der ehemaligen Schule ein Zentrum
       einrichten. Dagegen gingen rund 2.000 Bürger*innen auf die Straße. Bis
       heute erzählen viele hier von diesem Erfolg. Nach den Protesten ging das
       Gebäude zurück an die Gemeinde Morbach, zu der Gonzerath gehört. Heute
       steht die Schule leer.
       
       „Wir ziehen die Rechten an“, sagt Bäcker Schmitt. Schulterzucken. Der
       Unterschied zu damals: Als die NPD in die Bäckerei kam, seien die Leute
       aufgestanden und gegangen, erzählt Schmitt. Wenn heute die AfD reinkomme,
       könne man nichts sagen. „Die sind ja nett.“ Die Menschen, die die taz an
       diesem Sonntag in Gonzerath trifft, äußern sich alle ähnlich: Es sei nicht
       schön, dass die AfD den Ort als Aushängeschild nutzt, im Umkreis sei man
       schon das „Nazi-Dorf“. Aber wenigstens mache die Partei, anders als die
       NPD, keinen Krawall.
       
       ## Rettet die Kneipe
       
       Wo Kneipen schließen, da kann die Zustimmung für rechtsextreme Parteien
       steigen. Das zeigt eine [5][Studie] in Frankreich: Dort, wo die
       französische Kneipe, genannt „Bar-Tabac“, schließt, wächst die Zustimmung
       für das rechtsextreme Rassemblement National (RN). Im Deutschlandfunk nennt
       der Studienleiter der Technischen Hochschule ETH Zürich das Verschwinden
       der Bar-Tabac einen „Mechanismus zur Stärkung des RN“. Gleichzeitig stellte
       er fest: Dort, wo sie wieder öffnen, sinkt die Zustimmung für die Partei
       wieder. Gleichzeitig zeigen in [6][Deutschland Studien], dass die AfD nicht
       allein wegen der fehlenden Kneipen wächst: Vielmehr sind es die
       migrationsfeindlichen Inhalte, die überzeugen.
       
       Auf Kneipen setzt auch die SPD, die das Bundesland seit 1991 durchgängig
       regiert. Im Wahlprogramm verspricht sie, die Dorfkneipe zu retten. Das
       erzählt [7][Ministerpräsident Alexander Schweitzer] der taz. Es sei seine
       Idee gewesen. Die Partei verspricht, künftig Vereine, Genossenschaften und
       Gemeinden zu unterstützen, die eine Dorfkneipe wiederbeleben wollen. Dafür
       soll es eine einmalige Förderung und ein Beratungsangebot geben.
       
       Laut Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verschwanden 22 Prozent der
       Gastronomiebetriebe zwischen 2019 und 2021 – besonders Dorfkneipen. Kommt
       das Programm also nicht etwas zu spät? Es sei nie zu spät, das Richtige zu
       tun, sagt Schweitzer, der sein Amt als Ministerpräsident verteidigen will.
       
       „Die wenigen angemieteten Kneipen der AfD sind nicht repräsentativ für
       Rheinland-Pfalz“, betont Schweitzer. Deren Quartiere ersetzten keinen
       Dorfkern oder das Café, in dem man sonntags essen gehe. Bei der
       Landespolitik sieht er keine Schuld am Kneipensterben oder der im
       ländlichen Raum erstarkten AfD. Im Vergleich gebe es viel mehr
       Anlaufstellen von demokratischen Parteien. Schweitzer verweist außerdem auf
       das regionale „Zukunftsprogramm“ von fast 200 Millionen Euro, das er auf
       den Weg gebracht habe. Es soll unter anderem Kommunen unterstützen, die vor
       besonderen strukturellen Herausforderungen stehen.
       
       Nachgefragt bei Christoph Steinmetz, ob er von diesen Millionen schon mal
       gehört habe: Nein, davon habe er noch nichts mitbekommen, sagt der
       Ortsvorsteher. Sein Büro in Gonzerath könne er nicht mehr regelmäßig öffnen
       – zu viel Arbeit. Die Anwohner*innen könnten aber eine Sprechstunde
       vereinbaren, zum Beispiel, wenn zu viel Dreck auf der Straße liege.
       
       ## Das Kneipen-Netzwerk
       
       Die AfD-Kneipen sind ein Projekt von Damian Lohr und Sebastian Münzenmaier.
       Zwei Politiker, deren Namen auch vor dem Quartier zur Linde fallen.
       Letzterer gilt als Strippenzieher in der Partei – häufig ist vom
       „Münzenmaier-Netzwerk“ die Rede. Zudem ist er stellvertretender
       Parteivorsitzender in Rheinland-Pfalz sowie stellvertretender
       Fraktionsvorstand der AfD im Bundestag. [8][Zudem ist er Mitglied der
       Burschenschaft Germania Halle zu Mainz], die der Verfassungsschutz
       beobachtet, weil sie diesem zufolge einen „völkischen Nationalismus“
       vertrete.
       
       Münzenmaier ist verurteilt wegen Beihilfe zur gefährlichen
       Körperverletzung. 2017 lauerte er gemeinsam mit anderen vermummten
       Hooligans aus Kaiserslautern Fans von Mainz 05 auf. Es gab Knochenbrüche
       und Platzwunden. Heute versucht er mit anderen aufstrebenden Radikalen, die
       Professionalisierung der Partei voranzutreiben. Rechtsextreme
       Grenzüberschreitungen und völkisches Gedankengut sind dabei kein Problem,
       auch enge Vertraute des Thüringer Fraktionschefs und Rechtsextremisten
       Björn Höcke sind dabei.
       
       Damian Lohr ist Abgeordneter im Landtag Rheinland-Pfalz und war
       Vorsitzender der mittlerweile aufgelösten, rechtsextremen Jungen
       Alternative. Lohr ist dabei vor allem in Gauersheim, einem Ort in der Nähe
       von Worms, aufgefallen. Im Sommer hat die AfD dort den Treffpunkt
       „Nordpfalz“ in einem alten Weingut eröffnet.
       
       Im Oktober 2025 eskalierte in Gauersheim ein Bürgerdialog zwischen der AfD,
       dem dortigen Bürgermeister Reiner Schlesser und einigen Anwohner*innen. Die
       Polizei schritt ein. Aktuell sei es ruhig in Gauersheim, sagt Schlesser der
       taz am Telefon. Die AfD verhalte sich unauffällig, vielleicht auch, um vor
       den Wahlen keine Stimmen zu verlieren.
       
       Damian Lohr erklärte im SWR, dass seine Partei in Gauersheim noch deutlich
       aktiver werden wolle. Geplant sei unter anderem immer montags eine
       Bürger-Sprechstunde mit Lohr oder Münzenmaier. Mit Gulasch und Aperol wolle
       man außerdem Jugendliche ansprechen und eine niedrigschwellige Anlaufstelle
       sein.
       
       Damit will man also, wie im Kneipen-Strategiepapier, den Eindruck
       vermitteln: „Leben im Dorf zurück!“. Das scheint in Gonzerath nie weg
       gewesen zu sein. Ortsvorsteher Steinmetz erzählt von einer lebendigen
       Vereinskultur, Halloween-Partys, Karnevalsumzügen, Konzerten, Chorabenden
       und gemeinsamen Frühstück in der Turnhalle. Als im Dezember Menschen gegen
       die AfD im Quartier zur Linde protestierten, seien das vor allem die
       Jugendlichen gewesen.
       
       Einige Wochen nach dem Besuch in Gonzerath erzählt der Besitzer der
       Gaststätte Zur Linde, Janni Gashi, der selbst AfD-Mitglied ist: Seitdem er
       an die Partei vermiete, seien seine Umsätze eingebrochen. Im Dorf rede kaum
       einer mehr mit ihm. „Ich hab Stress“. Außerdem sei die Miete zu niedrig.
       „Das rechnet sich nicht“, meint Gashi. Zu Dezember habe er der AfD
       gekündigt.
       
       19 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Soziologe-ueber-AfD-Erfolg-bei-Arbeitern/!6160982
 (DIR) [2] https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-kommunalwahl-2026-in-frankfurt-die-sicherheit-im-bahnhofsviertel-bleibt-umstritten-100.html
 (DIR) [3] /AfD-bei-Landtagswahl-Baden-Wuerttemberg/!6160418
 (DIR) [4] /Hunde-und-Nazis-muessen-draussen-bleiben/!308947&s=Gonzerath/
 (DIR) [5] https://www.cepremap.fr/2026/01/quand-les-bars-tabacs-ferment-lerosion-du-lien-social-local-et-la-progression-du-vote-dextreme-droite-en-france/
 (DIR) [6] https://www.wsi.de/de/faust-detail.htm?produkt=HBS-008748
 (DIR) [7] /Landtagswahl-in-Rheinland-Pfalz/!6156953
 (DIR) [8] /Verurteilter-AfD-Abgeordneter/!5453969
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jana Laborenz
       
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