# taz.de -- Wahlsieger in Rheinland-Pfalz: CDU nach 35 Jahren zurück an der Macht
> Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der SPD gewinnen die Christdemokraten
> die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz mit deutlichem Vorsprung.
(IMG) Bild: Jubel über den CDU-Wahlsieg: Gordon Schnieder und seine Homies
Als der Wahlsieger gegen halb sieben den Raum betritt, ist die Begeisterung
groß. „Gordon, Gordon“, rufen begeisterte CDU-Anhänger:innen. Es dauert,
bis Gordon Schnieder es durch die vielen Menschen hindurch nach vorne an
die Mikrofone schafft. „Vielen Dank für diesen unglaublichen Empfang, die
CDU in Rheinland-Pfalz ist wieder da. Es wird ohne uns in diesem Land nicht
mehr regiert“, sagt er – und die Christdemokrat:innen im Raum jubeln.
Zum Sieger erklärt er selbst sich aber noch nicht. Man werde die nächsten
Hochrechnungen abwarten.
Dabei ist schon in diesem Moment klar: Beim achten Anlauf hat es geklappt.
Die CDU wird mit etwa 30 Prozent stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz – und
kann damit nach 35 Jahren Opposition der SPD den Posten des
Ministerpräsidenten abnehmen. Spitzenkandidat Schnieder schafft also das,
woran die heutige Bundestagspräsidentin [1][Julia Klöckner zwei Mal
gescheitert] ist: Mit ihm wird die CDU wieder in die Mainzer Staatskanzlei
einziehen. „Wir haben Geschichte geschrieben, Leute“, sagt einer von der
Jungen Union und stößt mit einem anderen mit Weinglas und Bier an.
Die Christdemokraten haben leicht dazu gewonnen, allerdings hatten sie bei
der letzten Landtagswahl auch sehr schlecht abgeschnitten. Dabei ist
Rheinland-Pfalz strukturell – wenige Großstädte, viel Landwirtschaft – eher
ein CDU-Land, seit Jahrzehnten gewinnt diese hier auch meist die Kommunal-
und Bundestagswahlen. Nur die Landtagswahlen gingen seit 1991 anders aus.
Dieses Mal aber liegen die Christdemokraten deutlich vor der SPD.
In den Umfragen lag die CDU lange vorn, im vergangenen Jahr noch mit einem
Vorsprung von sieben Prozentpunkten, dieser war zuletzt immer weiter
abgeschmolzen. In der CDU fürchtete man bereits, es könnte ihnen in
Rheinland-Pfalz ergehen [2][wie vor zwei Wochen in Baden-Württemberg.]
Dort war die CDU nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Grünen zuletzt doch
nur auf Platz zwei gelandet. In beiden Bundesländern waren die
CDU-Spitzenkandidaten deutlich weniger bekannt als ihre aussichtsreichsten
Gegenkandidaten, auch in den Beliebtheitswerten lag Schnieder im Vergleich
zu SPD-Amtsinhaber Alexander Schweitzer deutlich zurück.
„Ein starkes Ergebnis mit einem starken Kandidaten“ sei das, lobte
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann in Berlin das Wahlergebnis. „Gordon
Schnieder als Spitzenkandidaten hat es geschafft, sich auf die wichtigen
Themen zu fokussieren, unter anderem das Thema Bildung und Wirtschaft.“ Das
Ergebnis, so Linnemann weiter, sei ein starkes Zeichen für die Parteien der
Mitte.
Rheinland-Pfalz vertraut einem Finanzwirt aus der Eifel
Schnieder, 50 Jahre, ist ein Diplom-Finanzwirt aus der Eifel, [3][sein
Bruder Patrick ist für die CDU Bundesverkehrsminister in Berlin]. Aus der
Opposition und ohne Regierungserfahrung war klar: Im Wahlkampf musste er
bekannter werden. In der CDU baute man auf Schnieders Image als
bodenständigen ehemaligen Ortsbürgermeister, der die Sorgen der Kommunen
kenne. Über Schnieders Vorgängerin Klöckner hieß es mal, sie sei „zu viel
Paris, zu wenig Pirmasens“. Diese Gefahr bestand bei Schnieder nicht. Im
Gegenteil: Er blieb im Wahlkampf eher blass.
Auch der Wahlkampf war nicht gerade von hitzigen Debatten geprägt:
Bisweilen wirkte es fast so, als arbeiteten beide Parteien schon an einer
schwarz-roten oder rot-schwarzen Koalition – auf die es nun unter Führung
der CDU wohl auch hinauslaufen wird. Insbesondere während des TV-Duells im
SWR entstand der Eindruck eines „Nichtangriffspaktes“.
Inhaltliche Differenzen zwischen Schweitzer und Schnieder gab es kaum. Der
CDU-Mann hatte sich, obwohl Herausforderer, mit Angriffen weitgehend
zurückgehalten. Vielleicht dachte man mit Blick auf den Vorsprung in den
Umfragen, man könne den Wahlsieg in aller Vorsicht nach Hause schaukeln. Am
Ende scheint dieser Plan sogar aufgegangen zu sein.
Nur zum Schluss des Wahlkampfes hatte es Schnieder mit einem Angriff
versucht. Er warf der SPD vor, sie bediene sich am Steuergeld. Eine Beamtin
hatte Sonderurlaub bekommen, um als Kampagnenleiterin den SPD-Wahlkampf zu
organisieren. Sie erhielt kein Gehalt, sammelte aber weiter
Pensionsansprüche. Schweitzer verteidigte die Praxis, die in Deutschland
üblich sei – auch bei Unions-Politiker:innen.
In der Bundes-CDU dürfte man aufatmen – einerseits. Denn nach der
vergeigten Wahl in Baden-Württemberg, wo die Partei fest mit einem Sieg
gerechnet hatte, wäre eine zweite Niederlage ein echter Dämpfer gewesen.
Schließlich hatte Friedrich Merz, Kanzler und CDU-Chef, noch im Februar
immer wieder verkündet, nach den beiden Landtagswahlen werde man zwei neue
CDU-Ministerpräsidenten haben. Von diesen erhoffte man sich, mit neuem
Schwung in dieses schwierige Jahr zu gehen – mit den herausfordernden
Landtagswahlen im Herbst und den großen Reformvorhaben auf Bundesebene.
Immerhin einer wird es nun werden.
Andererseits aber fürchtet man in der CDU jetzt, dass der Verlust des
Ministerpräsidentenamts die SPD zutiefst verunsichert. Zumal die
Sozialdemokraten bereits in Baden-Württemberg mit 5,5 Prozent ein
vernichtendes Ergebnis eingefahren hatten. Mit einem schlingernden
Koalitionspartner, dessen Spitzenpersonal angeschlagen ist, dürfte die
Arbeit in Berlin noch komplizierter werden.
22 Mar 2026
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