# taz.de -- Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Tachchen, Schweitzer, SPD!
> Alexander Schweitzer nennt die Wahl in Rheinland-Pfalz den Kampf seines
> Lebens. Für die SPD geht es dabei um viel mehr als um ein Bundesland.
(IMG) Bild: Alexander Schweitzer hat in Rheinland-Pfalz viele Hände geschüttelt
Nach mehreren Wochen Wahlkampf wirkt Alexander Schweitzer müde. [1][Das
TV-Duell am Dienstag] lief eher zugunsten seines Gegners Gordon Schnieder
von der CDU, Schweitzer schien dabei verunsicherter als sonst. Das mag auch
an den Wahlen in Baden-Württemberg liegen, bei denen die SPD nur 5,5
Prozent erzielte. Am kommenden Sonntag geht es für den SPD-Politiker um
alles. Nach 35 Jahren an der Regierung droht der SPD in Rheinland-Pfalz der
Verlust der Staatskanzlei. Ganz schön viel Druck. Es ist, wie der 2,06
Meter Mann Schweitzer sagt, der Kampf seines Lebens.
In der Bundes-SPD ist die Nervosität deshalb groß. Nach ihrem [2][Absturz
in Baden-Württemberg] herrschte in der Partei zunächst Schweigen. Am Montag
nach der Wahl fahndete das ZDF nach einem SPD-Spitzenpolitiker für ein
Interview – vergeblich. Eigentlich gibt es nach solchen Niederlagen immer
ein paar Verwegene, die Konsequenzen fordern.
Doch diesmal scheint die Partei kollektiv benommen zu sein. Der SPD-Linke
Ralf Stegner sagte der taz lediglich, Baden-Württemberg sei „ein
Warnschuss, der nicht ignoriert werden kann“. Das wichtigste Ziel sei nun,
die Wahl in Mainz zu gewinnen. Also bloß kein Streit, der Alexander
Schweitzer schaden könnte.
Schweitzer beerbte im Juli 2024 die SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Dreyer, die aus gesundheitlichen Gründen aufhörte, hatte das Land mehr als
zehn Jahre regiert, war weit über die Parteigrenzen hinaus beliebt und im
Land fest verankert.
Schweitzer ist nun zwar der Neue, aber alles andere als ein Anfänger. Der
52-Jährige ist seit Jahrzehnten in der Landespolitik unterwegs, war
Fraktionschef, Generalsekretär der Landes-SPD und zuletzt Sozialminister in
Rheinland-Pfalz. In Umfragen lag die CDU trotzdem lange teils deutlich vor
der SPD.
## „Aus Liebe zum Land“
Die vergangenen Monate nutzte Schweitzer, um bekannter zu werden und eigene
Akzente zu setzen. Dafür saß er in Talkshows von Markus Lanz bis Caren
Miosga. Inzwischen wird er bei Wahlkampfauftritten an vielen Orten erkannt
und begrüßt.
Rheinland-Pfalz ist ein politisches Paradox. Sozialdemokratisch regiert,
aber kein SPD-Stammland. Es ist ländlich und kleinstädtisch, mit wenig
Großstädten und Industriezentren. Bei Kommunal-, Bundestags- und
Europawahlen gewinnt fast immer die CDU – oft mit 10 oder 15 Prozentpunkten
Vorsprung. Nur bei den Landtagswahlen ist alles anders. Seit 1991 regiert
hier die SPD.
Selbst wenn die Bundes-SPD mal wieder depressiv im Umfragetief steckt,
entscheiden sich zwischen Kaiserslautern und Mainz viele Wählerinnen und
Wähler für die Sozialdemokraten – häufig erst kurz vor der Wahl. Das liegt
auch daran, dass Landtagswahlen immer stärker Bürgermeisterwahlen ähneln.
Programme und Parteien zählen weniger als Personen. Wer bekannt ist und
vertrauenswürdig wirkt, gewinnt. Und das ist eben der SPD-Amtsinhaber.
Der Wahlkampfmanager Frank Stauss hat seit 2006 alle SPD-Kampagnen in
Rheinland-Pfalz organisiert, auch diesmal unterstützt seine Agentur
Schweitzer. Die SPD, sagt Stauss der taz, habe die Wechsel an der Spitze in
Mainz „immer gut hinbekommen“. Malu Dreyer übernahm einst von Kurt Beck und
gewann 2016 mit Amtsbonus die Wahl. Nun soll Schweitzer dieses Muster
wiederholen. Tatsächlich schmolz der Vorsprung der CDU in Umfragen zuletzt
bis auf 1 Prozentpunkt. 38 Prozent hätten zehn Tage vor der Wahl laut
infratest Umfrage lieber Schweitzer als Ministerpräsidenten, nur 21 Prozent
hingegen Schnieder.
Schweitzer selbst setzt im Wahlkampf auf Nähe. Unter dem Motto „Aus Liebe
zum Land“ reist er durch die Gegend: Kneipenbesuche, Weinproben,
Marktplätze, Reden vor kleinen Gruppen von 20 bis 50 Menschen. „Am Ende
zählt immer die Nähe zu den Menschen“, sagt er. Der Landauer spricht häufig
von „seiner“ Heimat und von „seinem“ Rheinland-Pfalz. Er gibt sich
zugänglich, ruhig, inzwischen auch selbstbewusster. Schweitzer ist Fan des
1. FC Kaiserslautern, trägt ein „Swiftie“-Friendship-Armband, ernährt sich
vegan und lebt mit seiner Frau Barbara, drei Kindern und Hund Mimi in der
Südpfalz.
## Wahlkampf auf Steuerzahlerkosten?
Inhaltlich fokussiert er sich auf zwei Themen: Bildung und wirtschaftliche
Sicherheit. Schweitzer wirbt für beitragsfreie Kitas, kostenlose
Schulbücher und Lernmittel sowie mehr Sprachförderung und moderne Schulen.
Zugleich will er Industriearbeitsplätze sichern und den Mittelstand durch
die wirtschaftliche Transformation führen. Auch beim Thema Migration sucht
er einen härteren Kurs als seine Vorgängerin. Rückführungen sollen stärker
zentralisiert werden, Abschiebungen „human und konsequent“ erfolgen.
Die CDU macht es Schweitzer schwer. Sie greift ihn wegen einer Beamtin aus
dem SPD-geführten Innenministerium an, die beurlaubt wurde, um den
SPD-Wahlkampf zu organisieren. Die Opposition spricht forsch von „Wahlkampf
auf Steuerzahlerkosten“. Schweitzer verweist auf die Rechtslage und darauf,
dass es bei der CDU vergleichbare Fälle gibt. Doch Gegenkandidat Schnieder
versuchte beim TV-Duell mit dem Vorwurf zu punkten: Nach 35 Jahren
Regierung, so Schnieders Botschaft, bediene sich die SPD beim Staat.
Ohnehin wirkte der hüftsteife, auch in Rheinland-Pfalz wenig bekannte
CDU-Mann Gordon Schnieder [3][beim TV-Duell überraschend locker],
Schweitzer hingegen nervös. Wahlkampfprofi Stauss hält die Wirkung solcher
Fernsehdebatten allerdings für überschätzt. Er erinnert an den
SPD-Kandidaten Michael Naumann, der 2001 im Hamburger TV-Duell mit Ole von
Beust von der CDU einen kompletten Blackout hatte – und dennoch bei der
Wahl exakt sein Umfrageergebnis einfuhr.
Entscheidend könnten am Ende die Wählerinnen und Wähler von FDP und Grünen
werden. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte die FDP jüngst für politisch
erledigt – ein unverblümter Aufruf an Liberale, ihr Kreuz bei der CDU zu
machen. Dass ein Kanzler derart offen in eine Landtagswahl eingreift,
findet Stauss „ungewöhnlich“. Die SPD hofft auf einen taktischen Effekt
zugunsten Schweitzers: In Baden-Württemberg hatten viele SPD-Anhänger den
Grünen Cem Özdemir gewählt, um die CDU zu verhindern. In Rheinland-Pfalz,
könnte es umgekehrt laufen – gerade weil die CDU gegen das
Klimaschutzgesetz in Rheinland-Pfalz Sturm läuft.
## Geräuschlosigkeit reicht wohl nicht
Schweitzer plant den Wahlkampfabschluss in seiner Heimat Landau, mit Malu
Dreyer. Vieles spricht dafür, dass Rheinland-Pfalz nach der Wahl von einer
neuen Koalition regiert wird. Die FDP schwächelt, Schweitzers bevorzugte
Option – die Fortsetzung der Ampel – dürfte keine Mehrheiten mehr haben.
Für die Bundes-SPD geht es um weit mehr. Gewinnt Schweitzer und führt dann
vermutlich eine rot-schwarze Koalition an, dürfte das Debakel in
Baden-Württemberg im Berliner Willy-Brandt-Haus schnell vergessen sein.
Aber was, wenn nicht?
In der SPD-Spitze kursieren wüste Vermutungen. Sollte Schweitzer verlieren,
würde kein Stein nach dem 22. März auf dem anderen bleiben, wird dort
geraunt. Die Parteiführung von Lars Klingbeil und Bärbel Bas würde wackeln.
Tatsächlich ist das eher unwahrscheinlich, denn es fehlt die personelle
Alternative. Und es gibt auch keine einflussreichen Verschwörer, die sich
für den Tag X vorbereiten. An Klingbeil führt in der SPD kein Weg vorbei.
Sicher ist: Das Regieren in Berlin wird schwergängiger. So oder so. Die CDU
hatte den Sieg in Stuttgart fest eingepreist. Wenn sich jetzt auch der
Umfrage-Vorsprung in Mainz in Luft auflöst, werden viele auf mehr „CDU pur“
drängen. Das Gleiche gilt für die SPD. Verliert sie nach 35 Jahren
Rheinland-Pfalz, muss sie in Berlin etwas tun. „Wir machen in der
schwarz-roten Regierung geräuschlos Politik. Das ist vielleicht nicht
ausreichend“, sagt Ralf Stegner. Ein vorsichtiger Wink, dass die Partei
sich auf sich selbst besinnen muss. Aber wenn sowohl SPD als auch CDU mehr
sie selbst sein wollen, werden Kompromisse in Berlin schwieriger.
13 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Landtagswahl-in-Rheinland-Pfalz/!6161323
(DIR) [2] /Ratlose-SPD-nach-Baden-Wuerttemberg/!6160994
(DIR) [3] /Landtagswahl-in-Rheinland-Pfalz/!6161323
## AUTOREN
(DIR) Yağmur Ekim Çay
(DIR) Stefan Reinecke
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
(DIR) Alexander Schweitzer
(DIR) SPD
(DIR) Gordon Schnieder
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Alexander Schweitzer
(DIR) Alexander Schweitzer
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
(DIR) Gordon Schnieder
(DIR) Podcast „Mauerecho“
(DIR) SPD
(DIR) Kommunalwahl
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: AfD mehr als verdoppelt
Laut Hochrechnungen führt Gordon Schnieder (CDU). Linke, FDP und Freie
Wähler unter fünf Prozent. Große Koalition wahrscheinlich. AfD bei den
Unter-45-Jährigen stärkste Kraft.
(DIR) Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Blau auf'm Dorf
Die AfD hat eine neue Strategie: leerstehende Gaststätten auf dem Dorf
anmieten. Im rheinland-pfälzischen Gonzerath hat man sich daran schon
gewöhnt.
(DIR) Grünen-Wahlkampf in Rheinland-Pfalz: Das Gegenteil von Cem Özdemir
In Rheinland-Pfalz gehören die Grünen zu den Kleinen. Sie konzentrieren
sich auf ihre Kernthemen – und müssen sich im Finale gegen die SPD
behaupten.
(DIR) Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Mann ohne Popcorn
Eigentlich ist die Ausgangslage für die CDU in Rheinland-Pfalz so gut wie
seit Jahren nicht. Wenn nur der Spitzenkandidat Gordon Schnieder etwas
bekannter wäre.
(DIR) Baden-Württemberg hat gewählt: Was heißt das für Rheinland-Pfalz, Frau Khan?
Was folgt aus dem grünen Sieg in Baden-Württemberg? Misbah Khan,
stellvertretende Fraktionsvorsitzenden der Grünen, sieht starke Signale für
Rheinland-Pfalz.
(DIR) Ratlose SPD nach Baden-Württemberg: Stoch hat keine Tipps für die SPD in Rheinland-Pfalz
Für die SPD ist bei den Wahlen in Baden-Württemberg fast alles
schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Nun ruhen alle Hoffnungen auf
einem Mann.
(DIR) Kommunalwahl in Bayern: Klatsche für Münchner SPD-Oberbürgermeister Reiter
Bei der bayerischen Kommunalwahl bekommt Münchens OB Dieter Reiter
ordentlich eine mitgegeben. In zwei Wochen muss er in die Stichwahl.