# taz.de -- SPD verliert die Landtagswahl: Der Schniedergang der SPD
       
       > Die Sozialdemokraten verlieren in Rheinland-Pfalz deutlich gegen die CDU
       > von Gordon Schnieder. Die herbe Niederlage dürfte auch im Bund
       > nachhallen.
       
 (IMG) Bild: Später Auftritt: Alexander Schweitzer stellt sich erst anderthalb Stunden nach Ergebnisverkündung den enttäuschten Genoss*innen
       
       Lange Zeit galt in Rheinland-Pfalz die Abwandlung eines Fußballzitats der
       englischen Sportlegende Gary Lineker: Zwei Kandidaten jagen über Monate
       einem Amt hinterher und am Ende gewinnt die SPD. 35 Jahre regierten die
       Sozialdemokraten so in Mainz mit beliebten Ministerpräsident*innen
       und sicher geglaubten Siegen, auch wenn es in den Umfragen mal nicht so gut
       stand. Mit der krachenden Niederlange von Sonntag stehen nun nicht nur
       rheinland-pfälzische Gewissheiten auf dem Kopf, sie ist der endgültige
       Beweis für den desolaten Zustand der Bundes-SPD.
       
       SPD-Spitzenmann Alexander Schweitzer war zwar mit dem Bonus des amtierenden
       Ministerpräsidenten in die Wahl gegangen und durfte sich die gesamte
       Kampagne hinweg über die höchsten Beliebtheitswerte freuen. [1][Mit einem
       Ergebnis von 26,5 Prozent laut erster Hochrechnung fährt er jedoch ein
       schlechteres Ergebnis ein, als es die Prognosen angedeutet hatten.] Demnach
       hätte die SPD gegenüber dem Wahlergebnis von 2021 9 Prozentpunkte
       eingebüßt.
       
       Schweitzer zog sich nach der Verkündung der Hochrechnungen in die
       Staatskanzlei zurück und trat zunächst in keiner der Spitzenrunden bei ZDF
       und ARD auf. Bei der Wahlparty der SPD in Mainz wird die bedrückende Stille
       nur vom Jubel aus den anderen Stockwerken durchbrochen, wo AfD- und
       CDU-Anhänger ihre Ergebnisse feiern.
       
       In Berlin war die Parteiführung unterdessen darauf bedacht, kein schlechtes
       Wort auf Schweitzer kommen zu lassen. „Er hat einen hervorragenden
       Wahlkampf hingelegt“, sagte SPD-Chefin Bärbel Bas. Sie bezeichnete das
       Wahlergebnis als „einschneidend“, auch die Bundespartei stehe dafür in der
       Verantwortung. Ähnlich sah es Generalsekretär Tim Klüssendorf. „Der Blick
       richtet sich zu uns nach Berlin“, sagte er. Auch Klüssendorf stellte sich
       noch mal demonstrativ vor Schweitzer, der einen „beeindruckenden“ Wahlkampf
       geleistet habe.
       
       ## Sozialminister unter Dreyer
       
       Schweitzer ist tief im Establishment der Landespolitik verankert und
       Sozialdemokrat schon seit Teenagerzeiten. Mit 16 Jahren trat der Sohn eines
       Binnenschiffers der SPD bei und durchlief den klassischen Karriereweg, der
       ihn vom stellvertretenden Vorsitzenden der Landes-Jusos und der
       Kommunalpolitik zum SPD-Generalsekretär und Sozialminister unter Malu
       Dreyer führte. [2][Nach Dreyers gesundheitsbedingtem Rücktritt 2024] trat
       er dann als ihr Nachfolger an, wobei er bei seiner Wahl im Landtag sogar
       mehr Stimmen erhielt, als die Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP
       Abgeordnete stellten.
       
       In den anderthalb Jahren, in denen er diesen Beliebtheitsvorsprung bis zur
       Wahl weiter ausbauen wollte, ließ er vor allem keine Gelegenheit aus zu
       betonen, [3][wie bodenständig er sei.] Inhaltlich setzte er im Wahlkampf
       auf Bildungsthemen, den Ausbau der Infrastruktur [4][und das Wiederbeleben
       von Dorfkneipen.] Rhetorisch spielte er immer wieder den großen
       Landesvater, der in alle Richtungen vereinen wollte. Kritik an seinem
       Hauptkonkurrenten von der CDU, Gordon Schnieder, hörte man kaum.
       
       Beim Abschluss seiner Kampagne in Landau machte Schweitzer auch keinen Hehl
       daraus, dass er in Rheinland-Pfalz mit einer Großen Koalition zwischen SPD
       und Union rechnet. Er könne nicht ausschließen, dass es mit dem Ergebnis am
       Sonntag „auf zwei Parteien“ ankäme, sagte er noch am Freitag. „Und eine
       repräsentiere ich.“ Doch es mache einen „Riesenunterschied, ob du, wenn du
       im Auto unterwegs bist, auf dem Beifahrersitz bist oder ob du das Lenkrad
       in der Hand hast“. Nun ist die Frage, ob Schweitzer überhaupt noch in dem
       Auto sitzt oder seinen Rücktritt erklärt.
       
       Fragen stellen sich jedoch neben Rheinland-Pfalz vor allem auch in der
       Bundespartei. Wegen des fehlenden Images der SPD musste sich Schweitzer
       sozusagen doppelt profilieren. Im Gegensatz zu Friedrich Merz, der im
       Schlussspurt der Union Schützenhilfe leistete, hielt sich die
       SPD-Parteichefs dem Kampagnenabschluss auch bewusst fern.
       
       Auch das schlechteste Ergebnis der SPD bei einer Landtagswahl, das die
       Partei vor zwei Wochen mit 5,5 Prozent im Nachbarland Baden-Württemberg
       einfuhr, setzt die Spitze unter immensen Handlungsdruck.
       
       Als sich Schweitzer nach anderthalb Stunden endlich zu Wort meldete, briet
       er der Parteiführung in Berlin eins über. Das Ergebnis in Rheinland-Pfalz
       sei immerhin „doppelt so stark“ wie die Beliebtheitswerte der Bundes-SPD.
       „Ohne unsere eigene Stärke hätten wir es nicht so lange spannend machen
       können.“
       
       22 Mar 2026
       
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