# taz.de -- Rechter Landwirt in Niedersachsen: Freundlich auf dem Hof, radikal im Studiokeller
> Christian Beißner ist Landwirt und Influencer. Mit seinen Videos erreicht
> er Zigtausende und bedient AfD-Propaganda. Kann man ihn da noch
> herausholen?
(IMG) Bild: Christian Beißner sitzt im Partykeller seines Familienhauses in Rinteln
Eigentlich ist Christian Beißner ein sympathischer Mann. Der 44 Jahre alte
Landwirt aus dem niedersächsischen Rinteln lädt den taz-Reporter auf seinen
Hof ein, um „mal etwas Positives“ [1][der Landwirtschaft] zu zeigen, und um
über seine politischen Ansichten zu sprechen. Beißner – hochgewachsen,
schlank, Jagdjacke in Olivgrün – führt bereitwillig durch einen Großteil
seines Agrarunternehmens. Seine Frau wirkt freundlich, sein Vater grüßt mit
Handschlag, Mutter Beißner lädt ein zu einem Teller Chili, natürlich mit
Carne.
Aber regelmäßig steigt Christian Beißner hinab in den Partykeller seines
Hauses und verwandelt sich dort in einen Influencer. Es ist etwas dunkel
hier, im Regal einer Bar stehen Jägermeister-Flaschen, an der Wand hängt
ein Blechschild mit der Aufschrift „Wer Bier trinkt, hilft der
Landwirtschaft“. Wenn er seine Videos aufzeichnet, sitzt Beißner auf einer
Bank neben [2][Anthony Lee, einem rechtspopulistischen Youtuber]. In ihren
Gesprächen verbreiten sie mitunter Fehlinformationen. Sie schüren
Ressentiments gegen Flüchtlinge, äußern Sympathie für Donald Trump und
Viktor Orbán, streiten Umweltprobleme der Landwirtschaft ab. Beißner
wettert dagegen, ehemalige Helfer der Bundeswehr aus Afghanistan in
Sicherheit nach Deutschland zu bringen, Kriminalität hat für ihn meist mit
Migranten zu tun, auch den taz-Reporter hatte er wegen dessen
Berichterstattung als [3][„Spinner“ und „Schwachkopf“] beschimpft. Lee lädt
die Videos mit dem Titel „Wochenrückblick“ schließlich auf seinen
Youtube-Kanal mit mehr als 250.000 Abonnenten hoch.
Wie Beißner denken viele Menschen in Deutschland. Der Landwirt aus
Niedersachsen vertritt Ansichten, die im Milieu der AfD-Wähler verbreitet
sind. Und die Rechtsaußen-Partei liegt [4][in aktuellen Umfragen]
bundesweit bei rund 25 Prozent. Umso dringender ist also die Frage: Was
treibt Christian Beißner so weit nach rechts? Was geht ihm durch den Kopf
auf dem Weg in den Keller? Und: Besteht die Chance, dass er seine Ansichten
ändert?
Ein Teil der Antwort liegt bei Beißners Kartoffeln. In einer Halle hat er
Knollen für die Produktion von Kartoffelchips zu einem fast 5 Meter hohen
und 15 Meter breiten Berg aufschichten lassen. Um zu verhindern, dass die
Kartoffeln keimen, blasen Ventilatoren ab und zu ein gasförmiges Pestizid
durch Schlitze im Boden der Halle. Bis zum Jahr 2020 durfte Beißner dafür
das Mittel Chlorpropham verwenden. Doch dann ist es [5][von der EU verboten
worden]. Die einzige „vernünftig wirkende“ Alternative sei viel teurer als
das alte Mittel, sagt Beißner. „Jetzt kostet mich dieser
Keimhemmungsprozess das Zehnfache, wir sprechen von 25.000 Euro, nicht mehr
2.500 Euro.“
Auch das Unkrautvernichtungsmitttel Sencor, das er gern auf dem Feld
benutzt hat, [6][ist inzwischen verboten] [7][worden]. Seit 2019 hätten
[8][84 Pestizidwirkstoffe] ihre Zulassung in der EU verloren, im Gegenzug
sei aber kein neuer erlaubt worden, kritisiert Beißner. „Das ist für mich
störend und auch ertragsbegrenzend“. Denn so habe er weniger Möglichkeiten,
die Ernte vor Schädlingen zu schützen.
Außerdem ärgert Beißner sich über die Düngevorschriften, die zumindest
Kollegen von ihm in besonders belasteten Gebieten verbieten würden,
genügend zu düngen. „Ich fühle mich so ein bisschen überreglementiert“,
sagt er, während er in seinem schweren Diesel-Pick-up-Truck zu einem Acker
fährt. Er, der nach der Ausbildung zum Landwirt eine Fachschule besucht und
einen Abschluss als Diplom-Agraringenieur gemacht hat, spritze und dünge
nicht mehr als nötig. Für ihn stellen sich viele Regeln als Schikane der
Behörden dar.
Warum die beiden Pestizide verboten wurden, wisse er nicht, sagt Beißner.
Doch ein Blick auf [9][die Internetseiten der EU-Kommission] zeigt: Die
Zulassung für Chlorpropham wurde nicht verlängert wegen Risiken für
Verbraucher sowie für Vögel, Säugetiere und Wasserorganismen durch
Rückstände. Und Metribuzin, den Wirkstoff von Sencor, verbot die EU, weil
er durch seine hormonelle Wirkung der Gesundheit schadet und zum Beispiel
Bienen gefährdet.
Sogar Zahlen des bauernfreundlichen Bundesagrarministeriums zeigen, dass
die deutsche Landwirtschaft im langjährigen Mittel insgesamt immer noch
rund [10][70 Kilogramm Stickstoffdünger pro Hektar und Jahr] mehr
ausbringt, als sie durch pflanzliche oder tierische Produkte bindet. Dieser
Überschuss landet zum Beispiel im Grundwasser, was ein Gesundheitsproblem
ist, weil daraus oft Trinkwasser gewonnen wird. Der Stickstoff fließt aber
auch über Flüsse ins Meer, wo er Algen stärker wachsen lässt, die beim
Absterben dem Wasser Sauerstoff entziehen und so immer wieder massenhafte
[11][Fischsterben verursachen]. Doch Christian Beißner sagt: „Ich kann mir
nicht vorstellen, dass das so hohe Überschüsse gewesen sind.“
Immer wieder suggeriert der Landwirt auch, Deutschlands
Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln sei gefährdet, weil die EU
Handelsverträge etwa mit vier Staaten der südamerikanischen Mercosur-Gruppe
abschließt. In Wirklichkeit erleichtert das Abkommen zum Beispiel nur den
Import einer sehr [12][geringen Menge Rindfleischs]. Deutschland hingegen
produziert sogar mehr davon, als es [13][selbst verbraucht].
Zwar schließen hierzulande immer mehr landwirtschaftliche Betriebe, doch
das bedeutet nicht, dass Deutschland weniger Lebensmittel produziert. Der
[14][Wert der erzeugten Nahrungsmittel] ist sogar gestiegen, die
landwirtschaftlich genutzte Fläche bei ungefähr [15][17 Millionen Hektar]
in etwa stabil geblieben.
Christian Beißner scheint vor allem jene Fakten wahrzunehmen, die seinem
persönlichen Interesse nützen. Womöglich ist das sein Umgang damit, dass in
den vergangenen Jahrzehnten die negativen Folgen der konventionellen
Landwirtschaft immer besser wissenschaftlich nachgewiesen wurden – und so
der Druck etwa aus Umweltorganisationen gestiegen ist.
## Großes Vermögen, große Zukunftsangst
Seine Haltung wäre allerdings leichter nachvollziehbar, wenn die Regeln für
Gesundheit und Umwelt seine Existenz tatsächlich bedrohen würden. Aber
seiner Familie geht es nicht schlecht: Die Beißners wohnen in einem großen
Haus mit Blick auf die Schaumburg. Zwei Pferde stehen vor einem
Fachwerkhaus daneben, in der Garage wartet ein schicker Mercedes. Allein
die vier Traktoren, die beim Besuch der taz auf seinem Betriebsgelände zu
sehen sind, haben insgesamt rund eine Million Euro gekostet, dann kommt all
das Land dazu.
„Das ist ein großes Vermögen, das ich habe“, sagt Beißner selbst. Bloß
könne er dieses Kapital ja nicht ausgeben. Jedoch bekommt er allein an
EU-Agrarsubventionen laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
mindestens rund 50.000 Euro pro Jahr. Wie viel Umsatz er macht, will
Beißner nicht verraten. In einem anderen Zusammenhang sagt er allerdings,
er gelte manchen vielleicht als reich. Schon „ab 85.000 Euro Einkommen oder
so“ würden das einige Leute ja so sehen. Doch für das eingesetzte Kapital
sei die Rendite zu niedrig. Mit Blick auf sein Einkommen räumt er ein: „Ich
kann da so von leben.“
Dennoch scheint Christian Beißner Angst um die Zukunft zu haben. Seinem
Sohn habe er gesagt: „Überleg dir, ob du es machen willst: Ich kann das
hier keinem empfehlen, weil das einfach schwierig ist, Landwirtschaft in
diesem Land zu betreiben.“ Diese Sorge ist in der Branche weit verbreitet.
Die Zahl der Höfe sinkt seit den 1950er Jahren. Von 2020 bis 2023 ging sie
um [16][rund 3 Prozent] auf 255.000 Betriebe zurück, wie das Statistische
Bundesamt berichtet hat. Grund ist vor allem der technische Fortschritt;
Maschinen machten viele Arbeitskräfte und damit Bauern überflüssig.
Besonders die kleinen Höfe schließen, denn größere Betriebe können die
gleiche Menge Ware oft zu niedrigeren Kosten produzieren.
Das Handy von Christian Beißner klingelt. Aufgebracht erzählt ihm ein
anderer Landwirt, dass er gerade neuen Kunstdünger bestellen wollte. Wegen
der Öl- und Gaspreissteigerungen infolge des Irankriegs sei der Preis
innerhalb von zwei Tagen um 35 Prozent gestiegen. „Das gibt uns vermutlich
am Ende keiner wieder, weil die Getreidepreise nicht mitsteigen“, sagt
Beißner. Diese und andere Unsicherheiten wie die erratische Politik von
US-Präsident Donald Trump trüben den Ausblick für Landwirte. Gleichzeitig
verlangen Teile der Gesellschaft, dass die Landwirtschaft tier- und
umweltfreundlicher wird. Aber solche Reformen erhöhen meist die Kosten für
die Bauern.
Beißners Betrieb gehört zu den Unternehmen, die in diesem Konkurrenzkampf
andere „besiegt“ und damit selbst überlebt haben. Aber auch er weiß: Sein
Unternehmen muss sich verändern, um weiter zu bestehen. Leicht ist das
nicht, gerade für einen durch und durch Konservativen, der fast sein ganzes
Leben auf demselben Hof zugebracht hat, so wie es seine Familie schon seit
dreizehn Generationen tut.
Beißner reagiert auf den Transformationsdruck durchaus auch konstruktiv. Er
hat zum Beispiel mit zwei Kollegen eine mittelgroße Photovoltaikanlage
gebaut. „Wir haben geguckt, was kann man auf der Fläche generieren“,
erzählt er. Ergebnis: Strom wirft mehr ab als Kartoffeln.
Mehr Geld lässt sich oft auch mit Biolandwirtschaft verdienen – die
Verkaufspreise sind höher, die Bauern müssen keine chemisch-synthetischen,
umweltschädlichen Pestizide oder Mineraldünger bezahlen, sie bekommen
höhere Subventionen. Warum stellt er also nicht um? „Ja, das ist auch eine
Überzeugungssache eher“, antwortet Beißner. „Ich will halt schon das
produzieren, was möglich ist.“ Und Biobauern würden eben weniger aus den
Böden herausholen. Das passe laut Beißner nicht damit zusammen, dass global
rund [17][700 Millionen Menschen hungern].
Allerdings werden der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung
zufolge global schon jetzt weit mehr Kalorien erzeugt, als für die
Weltbevölkerung nötig wären. Und ein großer Teil etwa des Getreides wird
verfüttert statt gegessen. Dadurch gehen Kalorien für die menschliche
Ernährung verloren, weil die Tiere für ihren Eigenbedarf Energie benötigen.
Aber Bio würde Beißner ideologische Flexibilität abverlangen. Die scheint
ihm jedoch zu fehlen, denn er begründet seine Ablehnung auch so: „Ich habe
konventionell gelernt, ich bin mit nichts anderem groß geworden.“
Angst hat Beißner offenbar nicht nur um das Schicksal seines Hofs.
Vergangenes Jahr sei er nachts auf der Straße in Hannover von einer Gruppe
arabisch sprechender Menschen „bedrängt und beleidigt“ worden, sagt der
Landwirt. „Da habe ich tatsächlich so ein bisschen Angst gekriegt“. Er als
recht großer Mann sei nicht geschubst worden, aber „meine Tochter
beispielsweise würde ich jetzt nicht mehr nach Hannover lassen, wenn die 18
Jahre alt ist.“ Und behauptet dann: „Man sieht es ja auch jeden Tag:
Vergewaltigungen. Und das sind ja denn auch tatsächlich überwiegend
Zugereiste.“
Beißners Behauptung ist falsch. 2024 waren laut Bundeskriminalamt rund 60
Prozent der Tatverdächtigen bei Vergewaltigungen Deutsche. Es ist in der
Bundesrepublik auch nicht so unsicher, wie Beißner suggeriert: Deutschland
gehörte 2023 laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und
Verbrechensbekämpfung zu den Staaten mit den wenigsten vorsätzlichen
Tötungsdelikten je Einwohner: 0,9 Opfer pro 100.000 Personen. In den USA
sind es mehr als 6 mal so viele. Die letzten Zahlen für Russland von 2021
sind sogar noch schlechter.
## Zu Statistiken hat er seine eigene Meinung
Konfrontiert mit Statistiken zu der geringen Tatbeteiligung von Ausländern
sagt Beißner, im Rahmen seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Schöffe bei
Gericht sei er regelmäßig in einer Justizvollzugsanstalt. „Da sitzen 85
Prozent Leute mit Migrationshintergrund.“ Ob es sich dabei um deutsche
Staatsbürger handelt oder nicht, scheint für Beißner nicht entscheidend zu
sein.
Selbst wenn Ausländer in Deutschland überproportional häufig Gewalttaten
begehen, bedeutet das nicht, dass alle oder auch nur die Mehrheit
Verbrecher sind. Fakt ist: Mehr als 90 Prozent der hier lebenden Ausländer
tauchen nicht in der Kriminalstatistik als Verdächtige auf.
Beißner stellt viele Migranten auch als faul dar und macht sie zum
Sündenbock für Defizite der Sozialkassen. Die Deutschrussen, die früher
gekommen sind, lobt er, die jetzigen Zuwanderer verurteilt er. „Die
arbeiten auf jeden Fall nicht und fragen nicht nach Arbeit.“ Zahlen der
Bundesagentur für Arbeit zeigen aber: Schon vor vier Jahren waren [18][64
Prozent der 2015 zugezogenen Flüchtlinge erwerbstätig]. Mittlerweile
dürften es noch mehr sein.
Beißner interessieren diese Zahlen scheinbar nicht. Dafür schürt er
Vorbehalte gegenüber Muslimen. In einem Video kritisierte er, dass die
Bundesregierung [19][im Februar bei Facebook] „allen Musliminnen und
Muslimen einen gesegneten Fastenmonat: Ramadan Mubarak!“ wünschte, aber, so
Beißner „den Christen keine fröhliche Fastenzeit“. Anthony Lee sagte dazu,
die Regierung vergesse „ihr eigenes Volk“ – Beißner stimmte ihm zu.
Muslime scheinen für Beißner und Lee also keine echten Deutschen zu sein.
Zu dieser Intoleranz passt Beißners Aussage: „Wir verlieren ja irgendwie in
Deutschland unsere ganze Identität, und da sind wir wieder bei dem Thema,
dass 2050, in 25 Jahren, so die Prognosen stimmen, irgendwie [20][50
Prozent Leute des islamischen Glaubens] hier in Europa leben.“ Auch diese
angeblichen Prognosen sind hanebüchen. Die umfassendste Vorhersage [21][vom
Pew Research Center] geht – je nach Grad der Migration – von insgesamt nur
7 bis maximal 14 Prozent Muslime in der EU, Norwegen und der Schweiz im
Jahr 2050 aus. Derzeit sind es in Deutschland laut Bundesinnenministerium
lediglich [22][knapp 7 Prozent].
So geht das stundenlang in Beißners Partykeller. Er stellt negative
Behauptungen über die Lage Deutschlands auf, Fakten beeindrucken ihn nicht,
Einwände wischt er vom Tisch, teils einfach mit dem trotzigen Satz „Ich
glaube das nicht“. Unternehmer zum Beispiel hätten ihm von anderen
Erfahrungen berichtet. Nie lässt Beißner sich überzeugen.
Früher habe er ja mal CDU gewählt. Dann kam das Jahr 2015, die
Flüchtlingskrise. „Da habe ich dann aufgehört, an diese Partei zu glauben.“
Beißner will nicht bestätigen, dass er nun die AfD wähle, plädiert aber für
eine Koalition der Partei mit der CDU. „Man findet wirklich gar nichts, wo
man jetzt sagen könnte, ja, das ist tatsächlich ein Grund, warum die jetzt
gesichert rechtsextrem ist“, hat er in einem Video behauptet. Aber haben
nicht AfD-Politiker mehrfach Andersdenkende gewaltsam angegriffen? „Ja
klar, aber das ist auf allen Seiten ein Problem“, sagt Beißner und hält den
Ausdruck eines taz-Artikels zur Verurteilung der „Antifaschist*in“ Maja T.
wegen eines schweren Angriffs auf mutmaßliche Rechtsextremisten in Budapest
hoch. Nun ist von Maja T. aber keine Mitgliedschaft bei beispielsweise den
Grünen oder der SPD bekannt. Die taz fand so viele Fälle von gewalttätigen
AfD-Politikern, dass sie [23][zwei Zeitungsseiten] füllten.
Und dass AfD-Abgeordnete reihenweise Verwandte auf Staatskosten
beschäftigen, eine Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt [24][gleich 16
Mitarbeiter] hatte, dass Alice Weidel im Bundestag die diskriminierende
Äußerung über „Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige
Taugenichtse“ [25][von sich gab], dass die bayerische AfD eine offenkundig
rechtsstaatswidrige [26][Abschiebebehörde wie ICE] in den USA für
Deutschland fordert, dass [27][Björn Höcke SA-Parolen kundtut] – ist das
alles normal? „Das ist so ein bisschen Propaganda für die Partei. Das kann
ich jetzt so nicht unterstützen. Aber wenn man sich das Wahlprogramm
durchliest, dann bin ich bei vielen Sachen dabei“, entgegnet Beißner.
Was den Verwandtenfilz angeht: Schaut man sich CDU, SPD, FDP und die Grünen
an, „dann werden wir genau das gleiche finden“. Als Beleg nennt er aber nur
[28][die Graichen-Affäre], in der der damalige grüne Staatssekretär im
Bundeswirtschaftsministerium Patrick Graichen seinen Trauzeugen Michael
Schäfer zum Chefposten eines bundeseigenen Unternehmens verhelfen wollte.
Als das bekannt wurde, verlor Graichen seinen Job, Schäfer seinen Vertrag.
Bei der AfD ist der Filz jedoch sehr viel weiter verbreitet – und die
Konsequenzen aus dem Skandal sind minimal. Jeder Landtagsabgeordnete der
Partei in Sachsen-Anhalt beschäftigte Ende Februar im Schnitt 7
Mitarbeiter, die CDU-Parlamentarier zum Beispiel [29][nur jeweils 3].
Wahrscheinlich würde Christian Beißner erst wieder CDU wählen, wenn diese
dafür sorgt, dass die Dinge im Land so liefen, wie er sich das vorstellt.
Aber könnte eine Bundesregierung ihm überhaupt genug entgegenkommen?
Sie müsste zum Beispiel dafür sorgen, dass Beißner wieder mit Pestiziden
arbeiten darf, die die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden. Sie müsste
mehr Dünger zulassen, obwohl das die Versorgung mit gesundem Trinkwasser
erschweren würde. Sie müsste ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr aus
Afghanistan oder ihre Angehörigen im Stich lassen, vielleicht sogar de
facto ihre Ermordung durch die Taliban in Kauf nehmen. Sie müsste Muslime
praktisch als Bürger zweiter Klasse behandeln. Sie müsste [30][Erdgas aus
Russland kaufen] und so Putins Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren.
Manche dieser Zugeständnisse würden Menschenrechten widersprechen. Und es
ist wahrscheinlich, dass Beißner selbst dann nicht zufrieden wäre. Denn das
weltweite Sterben landwirtschaftlicher Höfe wird keine Regierung auf dem
Globus nachhaltig umkehren können. Dafür sind die grundsätzlichen
Wettbewerbsvorteile größerer Betriebe einfach zu stark.
Nach vier Stunden Gespräch mit Christian Beißner steht fest: Es ist
unmöglich, ihn aus seinem Partykeller herauszuholen – zumindest derzeit. Zu
verschlossen wirkt der Landwirt-Influencer gegenüber Argumenten und Fakten,
die ihn von seiner vorgefassten Meinung abbringen könnten.
Das alles wäre halb so schlimm, wenn nicht Hunderttausende Menschen jede
Woche Beißners Videos ansehen würden. Diese Macht haben er und auch andere
rechte Influencer nur dank Plattformen wie Youtube, Tiktok und Co.
Deutschland und die EU könnten die Betreiber dazu zwingen, konsequenter
zumindest die Videos zu löschen, in denen eindeutig falsche Informationen
verbreitet werden.
Ein weiterer Ansatz wäre, sich mit den Menschen zu beschäftigen, die
Christian Beißners Einstellungen nicht wegen einer gefestigten intoleranten
Ideologie teilen, sondern weil sie etwa um ihren Arbeitsplatz oder ihre
Rente fürchten. Diese Menschen erwarten eine funktionierende Strategie für
eine stabile Wirtschaft, für sichere Arbeitsplätze und eine zukunftsfeste
Sozialversicherung. Doch die Koalition aus Union und SPD gibt einen großen
Teil des schuldenfinanzierten Sondervermögens für Infrastruktur und Rüstung
nicht nachhaltig aus. Stattdessen diskutiert sie über
Sozialleistungskürzungen, die keine Arbeitsplätze schaffen.
Wenn das so weiter geht, könnte bald noch sehr viel mehr los sein in
Christian Beißners Partykeller.
6 Apr 2026
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(DIR) [6] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/04_pflanzenschutzmittel/2025/2025_05_26_Fa_Widerruf_Metribuzin.html
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