# taz.de -- Rechter Landwirt in Niedersachsen: Freundlich auf dem Hof, radikal im Studiokeller
       
       > Christian Beißner ist Landwirt und Influencer. Mit seinen Videos erreicht
       > er Zigtausende und bedient AfD-Propaganda. Kann man ihn da noch
       > herausholen?
       
 (IMG) Bild: Christian Beißner sitzt im Partykeller seines Familienhauses in Rinteln
       
       Eigentlich ist Christian Beißner ein sympathischer Mann. Der 44 Jahre alte
       Landwirt aus dem niedersächsischen Rinteln lädt den taz-Reporter auf seinen
       Hof ein, um „mal etwas Positives“ [1][der Landwirtschaft] zu zeigen, und um
       über seine politischen Ansichten zu sprechen. Beißner – hochgewachsen,
       schlank, Jagdjacke in Olivgrün – führt bereitwillig durch einen Großteil
       seines Agrarunternehmens. Seine Frau wirkt freundlich, sein Vater grüßt mit
       Handschlag, Mutter Beißner lädt ein zu einem Teller Chili, natürlich mit
       Carne.
       
       Aber regelmäßig steigt Christian Beißner hinab in den Partykeller seines
       Hauses und verwandelt sich dort in einen Influencer. Es ist etwas dunkel
       hier, im Regal einer Bar stehen Jägermeister-Flaschen, an der Wand hängt
       ein Blechschild mit der Aufschrift „Wer Bier trinkt, hilft der
       Landwirtschaft“. Wenn er seine Videos aufzeichnet, sitzt Beißner auf einer
       Bank neben [2][Anthony Lee, einem rechtspopulistischen Youtuber]. In ihren
       Gesprächen verbreiten sie mitunter Fehlinformationen. Sie schüren
       Ressentiments gegen Flüchtlinge, äußern Sympathie für Donald Trump und
       Viktor Orbán, streiten Umweltprobleme der Landwirtschaft ab. Beißner
       wettert dagegen, ehemalige Helfer der Bundeswehr aus Afghanistan in
       Sicherheit nach Deutschland zu bringen, Kriminalität hat für ihn meist mit
       Migranten zu tun, auch den taz-Reporter hatte er wegen dessen
       Berichterstattung als [3][„Spinner“ und „Schwachkopf“] beschimpft. Lee lädt
       die Videos mit dem Titel „Wochenrückblick“ schließlich auf seinen
       Youtube-Kanal mit mehr als 250.000 Abonnenten hoch.
       
       Wie Beißner denken viele Menschen in Deutschland. Der Landwirt aus
       Niedersachsen vertritt Ansichten, die im Milieu der AfD-Wähler verbreitet
       sind. Und die Rechtsaußen-Partei liegt [4][in aktuellen Umfragen]
       bundesweit bei rund 25 Prozent. Umso dringender ist also die Frage: Was
       treibt Christian Beißner so weit nach rechts? Was geht ihm durch den Kopf
       auf dem Weg in den Keller? Und: Besteht die Chance, dass er seine Ansichten
       ändert?
       
       Ein Teil der Antwort liegt bei Beißners Kartoffeln. In einer Halle hat er
       Knollen für die Produktion von Kartoffelchips zu einem fast 5 Meter hohen
       und 15 Meter breiten Berg aufschichten lassen. Um zu verhindern, dass die
       Kartoffeln keimen, blasen Ventilatoren ab und zu ein gasförmiges Pestizid
       durch Schlitze im Boden der Halle. Bis zum Jahr 2020 durfte Beißner dafür
       das Mittel Chlorpropham verwenden. Doch dann ist es [5][von der EU verboten
       worden]. Die einzige „vernünftig wirkende“ Alternative sei viel teurer als
       das alte Mittel, sagt Beißner. „Jetzt kostet mich dieser
       Keimhemmungsprozess das Zehnfache, wir sprechen von 25.000 Euro, nicht mehr
       2.500 Euro.“
       
       Auch das Unkrautvernichtungsmitttel Sencor, das er gern auf dem Feld
       benutzt hat, [6][ist inzwischen verboten] [7][worden]. Seit 2019 hätten
       [8][84 Pestizidwirkstoffe] ihre Zulassung in der EU verloren, im Gegenzug
       sei aber kein neuer erlaubt worden, kritisiert Beißner. „Das ist für mich
       störend und auch ertragsbegrenzend“. Denn so habe er weniger Möglichkeiten,
       die Ernte vor Schädlingen zu schützen.
       
       Außerdem ärgert Beißner sich über die Düngevorschriften, die zumindest
       Kollegen von ihm in besonders belasteten Gebieten verbieten würden,
       genügend zu düngen. „Ich fühle mich so ein bisschen überreglementiert“,
       sagt er, während er in seinem schweren Diesel-Pick-up-Truck zu einem Acker
       fährt. Er, der nach der Ausbildung zum Landwirt eine Fachschule besucht und
       einen Abschluss als Diplom-Agraringenieur gemacht hat, spritze und dünge
       nicht mehr als nötig. Für ihn stellen sich viele Regeln als Schikane der
       Behörden dar.
       
       Warum die beiden Pestizide verboten wurden, wisse er nicht, sagt Beißner.
       Doch ein Blick auf [9][die Internetseiten der EU-Kommission] zeigt: Die
       Zulassung für Chlorpropham wurde nicht verlängert wegen Risiken für
       Verbraucher sowie für Vögel, Säugetiere und Wasserorganismen durch
       Rückstände. Und Metribuzin, den Wirkstoff von Sencor, verbot die EU, weil
       er durch seine hormonelle Wirkung der Gesundheit schadet und zum Beispiel
       Bienen gefährdet.
       
       Sogar Zahlen des bauernfreundlichen Bundesagrarministeriums zeigen, dass
       die deutsche Landwirtschaft im langjährigen Mittel insgesamt immer noch
       rund [10][70 Kilogramm Stickstoffdünger pro Hektar und Jahr] mehr
       ausbringt, als sie durch pflanzliche oder tierische Produkte bindet. Dieser
       Überschuss landet zum Beispiel im Grundwasser, was ein Gesundheitsproblem
       ist, weil daraus oft Trinkwasser gewonnen wird. Der Stickstoff fließt aber
       auch über Flüsse ins Meer, wo er Algen stärker wachsen lässt, die beim
       Absterben dem Wasser Sauerstoff entziehen und so immer wieder massenhafte
       [11][Fischsterben verursachen]. Doch Christian Beißner sagt: „Ich kann mir
       nicht vorstellen, dass das so hohe Überschüsse gewesen sind.“
       
       Immer wieder suggeriert der Landwirt auch, Deutschlands
       Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln sei gefährdet, weil die EU
       Handelsverträge etwa mit vier Staaten der südamerikanischen Mercosur-Gruppe
       abschließt. In Wirklichkeit erleichtert das Abkommen zum Beispiel nur den
       Import einer sehr [12][geringen Menge Rindfleischs]. Deutschland hingegen
       produziert sogar mehr davon, als es [13][selbst verbraucht].
       
       Zwar schließen hierzulande immer mehr landwirtschaftliche Betriebe, doch
       das bedeutet nicht, dass Deutschland weniger Lebensmittel produziert. Der
       [14][Wert der erzeugten Nahrungsmittel] ist sogar gestiegen, die
       landwirtschaftlich genutzte Fläche bei ungefähr [15][17 Millionen Hektar]
       in etwa stabil geblieben.
       
       Christian Beißner scheint vor allem jene Fakten wahrzunehmen, die seinem
       persönlichen Interesse nützen. Womöglich ist das sein Umgang damit, dass in
       den vergangenen Jahrzehnten die negativen Folgen der konventionellen
       Landwirtschaft immer besser wissenschaftlich nachgewiesen wurden – und so
       der Druck etwa aus Umweltorganisationen gestiegen ist.
       
       ## Großes Vermögen, große Zukunftsangst
       
       Seine Haltung wäre allerdings leichter nachvollziehbar, wenn die Regeln für
       Gesundheit und Umwelt seine Existenz tatsächlich bedrohen würden. Aber
       seiner Familie geht es nicht schlecht: Die Beißners wohnen in einem großen
       Haus mit Blick auf die Schaumburg. Zwei Pferde stehen vor einem
       Fachwerkhaus daneben, in der Garage wartet ein schicker Mercedes. Allein
       die vier Traktoren, die beim Besuch der taz auf seinem Betriebsgelände zu
       sehen sind, haben insgesamt rund eine Million Euro gekostet, dann kommt all
       das Land dazu.
       
       „Das ist ein großes Vermögen, das ich habe“, sagt Beißner selbst. Bloß
       könne er dieses Kapital ja nicht ausgeben. Jedoch bekommt er allein an
       EU-Agrarsubventionen laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
       mindestens rund 50.000 Euro pro Jahr. Wie viel Umsatz er macht, will
       Beißner nicht verraten. In einem anderen Zusammenhang sagt er allerdings,
       er gelte manchen vielleicht als reich. Schon „ab 85.000 Euro Einkommen oder
       so“ würden das einige Leute ja so sehen. Doch für das eingesetzte Kapital
       sei die Rendite zu niedrig. Mit Blick auf sein Einkommen räumt er ein: „Ich
       kann da so von leben.“
       
       Dennoch scheint Christian Beißner Angst um die Zukunft zu haben. Seinem
       Sohn habe er gesagt: „Überleg dir, ob du es machen willst: Ich kann das
       hier keinem empfehlen, weil das einfach schwierig ist, Landwirtschaft in
       diesem Land zu betreiben.“ Diese Sorge ist in der Branche weit verbreitet.
       Die Zahl der Höfe sinkt seit den 1950er Jahren. Von 2020 bis 2023 ging sie
       um [16][rund 3 Prozent] auf 255.000 Betriebe zurück, wie das Statistische
       Bundesamt berichtet hat. Grund ist vor allem der technische Fortschritt;
       Maschinen machten viele Arbeitskräfte und damit Bauern überflüssig.
       Besonders die kleinen Höfe schließen, denn größere Betriebe können die
       gleiche Menge Ware oft zu niedrigeren Kosten produzieren.
       
       Das Handy von Christian Beißner klingelt. Aufgebracht erzählt ihm ein
       anderer Landwirt, dass er gerade neuen Kunstdünger bestellen wollte. Wegen
       der Öl- und Gaspreissteigerungen infolge des Irankriegs sei der Preis
       innerhalb von zwei Tagen um 35 Prozent gestiegen. „Das gibt uns vermutlich
       am Ende keiner wieder, weil die Getreidepreise nicht mitsteigen“, sagt
       Beißner. Diese und andere Unsicherheiten wie die erratische Politik von
       US-Präsident Donald Trump trüben den Ausblick für Landwirte. Gleichzeitig
       verlangen Teile der Gesellschaft, dass die Landwirtschaft tier- und
       umweltfreundlicher wird. Aber solche Reformen erhöhen meist die Kosten für
       die Bauern.
       
       Beißners Betrieb gehört zu den Unternehmen, die in diesem Konkurrenzkampf
       andere „besiegt“ und damit selbst überlebt haben. Aber auch er weiß: Sein
       Unternehmen muss sich verändern, um weiter zu bestehen. Leicht ist das
       nicht, gerade für einen durch und durch Konservativen, der fast sein ganzes
       Leben auf demselben Hof zugebracht hat, so wie es seine Familie schon seit
       dreizehn Generationen tut.
       
       Beißner reagiert auf den Transformationsdruck durchaus auch konstruktiv. Er
       hat zum Beispiel mit zwei Kollegen eine mittelgroße Photovoltaikanlage
       gebaut. „Wir haben geguckt, was kann man auf der Fläche generieren“,
       erzählt er. Ergebnis: Strom wirft mehr ab als Kartoffeln.
       
       Mehr Geld lässt sich oft auch mit Biolandwirtschaft verdienen – die
       Verkaufspreise sind höher, die Bauern müssen keine chemisch-synthetischen,
       umweltschädlichen Pestizide oder Mineraldünger bezahlen, sie bekommen
       höhere Subventionen. Warum stellt er also nicht um? „Ja, das ist auch eine
       Überzeugungssache eher“, antwortet Beißner. „Ich will halt schon das
       produzieren, was möglich ist.“ Und Biobauern würden eben weniger aus den
       Böden herausholen. Das passe laut Beißner nicht damit zusammen, dass global
       rund [17][700 Millionen Menschen hungern].
       
       Allerdings werden der UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung
       zufolge global schon jetzt weit mehr Kalorien erzeugt, als für die
       Weltbevölkerung nötig wären. Und ein großer Teil etwa des Getreides wird
       verfüttert statt gegessen. Dadurch gehen Kalorien für die menschliche
       Ernährung verloren, weil die Tiere für ihren Eigenbedarf Energie benötigen.
       Aber Bio würde Beißner ideologische Flexibilität abverlangen. Die scheint
       ihm jedoch zu fehlen, denn er begründet seine Ablehnung auch so: „Ich habe
       konventionell gelernt, ich bin mit nichts anderem groß geworden.“
       
       Angst hat Beißner offenbar nicht nur um das Schicksal seines Hofs.
       Vergangenes Jahr sei er nachts auf der Straße in Hannover von einer Gruppe
       arabisch sprechender Menschen „bedrängt und beleidigt“ worden, sagt der
       Landwirt. „Da habe ich tatsächlich so ein bisschen Angst gekriegt“. Er als
       recht großer Mann sei nicht geschubst worden, aber „meine Tochter
       beispielsweise würde ich jetzt nicht mehr nach Hannover lassen, wenn die 18
       Jahre alt ist.“ Und behauptet dann: „Man sieht es ja auch jeden Tag:
       Vergewaltigungen. Und das sind ja denn auch tatsächlich überwiegend
       Zugereiste.“
       
       Beißners Behauptung ist falsch. 2024 waren laut Bundeskriminalamt rund 60
       Prozent der Tatverdächtigen bei Vergewaltigungen Deutsche. Es ist in der
       Bundesrepublik auch nicht so unsicher, wie Beißner suggeriert: Deutschland
       gehörte 2023 laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und
       Verbrechensbekämpfung zu den Staaten mit den wenigsten vorsätzlichen
       Tötungsdelikten je Einwohner: 0,9 Opfer pro 100.000 Personen. In den USA
       sind es mehr als 6 mal so viele. Die letzten Zahlen für Russland von 2021
       sind sogar noch schlechter.
       
       ## Zu Statistiken hat er seine eigene Meinung
       
       Konfrontiert mit Statistiken zu der geringen Tatbeteiligung von Ausländern
       sagt Beißner, im Rahmen seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Schöffe bei
       Gericht sei er regelmäßig in einer Justizvollzugsanstalt. „Da sitzen 85
       Prozent Leute mit Migrationshintergrund.“ Ob es sich dabei um deutsche
       Staatsbürger handelt oder nicht, scheint für Beißner nicht entscheidend zu
       sein.
       
       Selbst wenn Ausländer in Deutschland überproportional häufig Gewalttaten
       begehen, bedeutet das nicht, dass alle oder auch nur die Mehrheit
       Verbrecher sind. Fakt ist: Mehr als 90 Prozent der hier lebenden Ausländer
       tauchen nicht in der Kriminalstatistik als Verdächtige auf.
       
       Beißner stellt viele Migranten auch als faul dar und macht sie zum
       Sündenbock für Defizite der Sozialkassen. Die Deutschrussen, die früher
       gekommen sind, lobt er, die jetzigen Zuwanderer verurteilt er. „Die
       arbeiten auf jeden Fall nicht und fragen nicht nach Arbeit.“ Zahlen der
       Bundesagentur für Arbeit zeigen aber: Schon vor vier Jahren waren [18][64
       Prozent der 2015 zugezogenen Flüchtlinge erwerbstätig]. Mittlerweile
       dürften es noch mehr sein.
       
       Beißner interessieren diese Zahlen scheinbar nicht. Dafür schürt er
       Vorbehalte gegenüber Muslimen. In einem Video kritisierte er, dass die
       Bundesregierung [19][im Februar bei Facebook] „allen Musliminnen und
       Muslimen einen gesegneten Fastenmonat: Ramadan Mubarak!“ wünschte, aber, so
       Beißner „den Christen keine fröhliche Fastenzeit“. Anthony Lee sagte dazu,
       die Regierung vergesse „ihr eigenes Volk“ – Beißner stimmte ihm zu.
       
       Muslime scheinen für Beißner und Lee also keine echten Deutschen zu sein.
       Zu dieser Intoleranz passt Beißners Aussage: „Wir verlieren ja irgendwie in
       Deutschland unsere ganze Identität, und da sind wir wieder bei dem Thema,
       dass 2050, in 25 Jahren, so die Prognosen stimmen, irgendwie [20][50
       Prozent Leute des islamischen Glaubens] hier in Europa leben.“ Auch diese
       angeblichen Prognosen sind hanebüchen. Die umfassendste Vorhersage [21][vom
       Pew Research Center] geht – je nach Grad der Migration – von insgesamt nur
       7 bis maximal 14 Prozent Muslime in der EU, Norwegen und der Schweiz im
       Jahr 2050 aus. Derzeit sind es in Deutschland laut Bundesinnenministerium
       lediglich [22][knapp 7 Prozent].
       
       So geht das stundenlang in Beißners Partykeller. Er stellt negative
       Behauptungen über die Lage Deutschlands auf, Fakten beeindrucken ihn nicht,
       Einwände wischt er vom Tisch, teils einfach mit dem trotzigen Satz „Ich
       glaube das nicht“. Unternehmer zum Beispiel hätten ihm von anderen
       Erfahrungen berichtet. Nie lässt Beißner sich überzeugen.
       
       Früher habe er ja mal CDU gewählt. Dann kam das Jahr 2015, die
       Flüchtlingskrise. „Da habe ich dann aufgehört, an diese Partei zu glauben.“
       Beißner will nicht bestätigen, dass er nun die AfD wähle, plädiert aber für
       eine Koalition der Partei mit der CDU. „Man findet wirklich gar nichts, wo
       man jetzt sagen könnte, ja, das ist tatsächlich ein Grund, warum die jetzt
       gesichert rechtsextrem ist“, hat er in einem Video behauptet. Aber haben
       nicht AfD-Politiker mehrfach Andersdenkende gewaltsam angegriffen? „Ja
       klar, aber das ist auf allen Seiten ein Problem“, sagt Beißner und hält den
       Ausdruck eines taz-Artikels zur Verurteilung der „Antifaschist*in“ Maja T.
       wegen eines schweren Angriffs auf mutmaßliche Rechtsextremisten in Budapest
       hoch. Nun ist von Maja T. aber keine Mitgliedschaft bei beispielsweise den
       Grünen oder der SPD bekannt. Die taz fand so viele Fälle von gewalttätigen
       AfD-Politikern, dass sie [23][zwei Zeitungsseiten] füllten.
       
       Und dass AfD-Abgeordnete reihenweise Verwandte auf Staatskosten
       beschäftigen, eine Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt [24][gleich 16
       Mitarbeiter] hatte, dass Alice Weidel im Bundestag die diskriminierende
       Äußerung über „Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige
       Taugenichtse“ [25][von sich gab], dass die bayerische AfD eine offenkundig
       rechtsstaatswidrige [26][Abschiebebehörde wie ICE] in den USA für
       Deutschland fordert, dass [27][Björn Höcke SA-Parolen kundtut] – ist das
       alles normal? „Das ist so ein bisschen Propaganda für die Partei. Das kann
       ich jetzt so nicht unterstützen. Aber wenn man sich das Wahlprogramm
       durchliest, dann bin ich bei vielen Sachen dabei“, entgegnet Beißner.
       
       Was den Verwandtenfilz angeht: Schaut man sich CDU, SPD, FDP und die Grünen
       an, „dann werden wir genau das gleiche finden“. Als Beleg nennt er aber nur
       [28][die Graichen-Affäre], in der der damalige grüne Staatssekretär im
       Bundeswirtschaftsministerium Patrick Graichen seinen Trauzeugen Michael
       Schäfer zum Chefposten eines bundeseigenen Unternehmens verhelfen wollte.
       Als das bekannt wurde, verlor Graichen seinen Job, Schäfer seinen Vertrag.
       Bei der AfD ist der Filz jedoch sehr viel weiter verbreitet – und die
       Konsequenzen aus dem Skandal sind minimal. Jeder Landtagsabgeordnete der
       Partei in Sachsen-Anhalt beschäftigte Ende Februar im Schnitt 7
       Mitarbeiter, die CDU-Parlamentarier zum Beispiel [29][nur jeweils 3].
       
       Wahrscheinlich würde Christian Beißner erst wieder CDU wählen, wenn diese
       dafür sorgt, dass die Dinge im Land so liefen, wie er sich das vorstellt.
       Aber könnte eine Bundesregierung ihm überhaupt genug entgegenkommen?
       
       Sie müsste zum Beispiel dafür sorgen, dass Beißner wieder mit Pestiziden
       arbeiten darf, die die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden. Sie müsste
       mehr Dünger zulassen, obwohl das die Versorgung mit gesundem Trinkwasser
       erschweren würde. Sie müsste ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr aus
       Afghanistan oder ihre Angehörigen im Stich lassen, vielleicht sogar de
       facto ihre Ermordung durch die Taliban in Kauf nehmen. Sie müsste Muslime
       praktisch als Bürger zweiter Klasse behandeln. Sie müsste [30][Erdgas aus
       Russland kaufen] und so Putins Krieg gegen die Ukraine mitfinanzieren.
       
       Manche dieser Zugeständnisse würden Menschenrechten widersprechen. Und es
       ist wahrscheinlich, dass Beißner selbst dann nicht zufrieden wäre. Denn das
       weltweite Sterben landwirtschaftlicher Höfe wird keine Regierung auf dem
       Globus nachhaltig umkehren können. Dafür sind die grundsätzlichen
       Wettbewerbsvorteile größerer Betriebe einfach zu stark.
       
       Nach vier Stunden Gespräch mit Christian Beißner steht fest: Es ist
       unmöglich, ihn aus seinem Partykeller herauszuholen – zumindest derzeit. Zu
       verschlossen wirkt der Landwirt-Influencer gegenüber Argumenten und Fakten,
       die ihn von seiner vorgefassten Meinung abbringen könnten.
       
       Das alles wäre halb so schlimm, wenn nicht Hunderttausende Menschen jede
       Woche Beißners Videos ansehen würden. Diese Macht haben er und auch andere
       rechte Influencer nur dank Plattformen wie Youtube, Tiktok und Co.
       Deutschland und die EU könnten die Betreiber dazu zwingen, konsequenter
       zumindest die Videos zu löschen, in denen eindeutig falsche Informationen
       verbreitet werden.
       
       Ein weiterer Ansatz wäre, sich mit den Menschen zu beschäftigen, die
       Christian Beißners Einstellungen nicht wegen einer gefestigten intoleranten
       Ideologie teilen, sondern weil sie etwa um ihren Arbeitsplatz oder ihre
       Rente fürchten. Diese Menschen erwarten eine funktionierende Strategie für
       eine stabile Wirtschaft, für sichere Arbeitsplätze und eine zukunftsfeste
       Sozialversicherung. Doch die Koalition aus Union und SPD gibt einen großen
       Teil des schuldenfinanzierten Sondervermögens für Infrastruktur und Rüstung
       nicht nachhaltig aus. Stattdessen diskutiert sie über
       Sozialleistungskürzungen, die keine Arbeitsplätze schaffen.
       
       Wenn das so weiter geht, könnte bald noch sehr viel mehr los sein in
       Christian Beißners Partykeller.
       
       6 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Landwirtschaft/!t5007831
 (DIR) [2] /Rechte-Agrarorganisationen/!6014361
 (DIR) [3] /Youtuber-Anthony-Lee/!6110829
 (DIR) [4] https://www.wahlrecht.de/umfragen/
 (DIR) [5] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/04_pflanzenschutzmittel/2019/2019_06_21_Fa_Nichtgenehmigung_Chlorporpham.html
 (DIR) [6] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/04_pflanzenschutzmittel/2025/2025_05_26_Fa_Widerruf_Metribuzin.html
 (DIR) [7] https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Fachmeldungen/04_pflanzenschutzmittel/2025/2025_05_26_Fa_Widerruf_Metribuzin.html
 (DIR) [8] https://www.iva.de/news-presse/aktuelles-und-pressemitteilungen/iva-bei-fakten-besser-genauer-hinschauen
 (DIR) [9] https://ec.europa.eu/food/plant/pesticides/eu-pesticides-database/backend/api/active_substance/download/77
 (DIR) [10] https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/384/bilder/dateien/DE_Indikator_AGRI-01_Stickstoffueberschuss-Landwirt_2026-03-05_0.pdf
 (DIR) [11] /Dein-Billigbroetchen-killt-Fische-in-der-Ostsee/!6129746
 (DIR) [12] /Handelsabkommen-mit-Suedamerika-Staaten/!6143715
 (DIR) [13] https://www.bmel-statistik.de/ernaehrung/versorgungsbilanzen/fleisch
 (DIR) [14] https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/landwirtschaftliche-gesamtrechnung/wertschoepfung
 (DIR) [15] https://www-genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/41271/table/41271-0001
 (DIR) [16] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/01/PD24_021_41.html
 (DIR) [17] /Welthungerindex/!6115123
 (DIR) [18] https://doku.iab.de/kurzber/2024/kb2024-10.pdf
 (DIR) [19] https://www.facebook.com/Bundesregierung/posts/pfbid034i1eCkp6W2sFsuGuY9KzrWMdHm9vjLnNirjH59t7BmcCaffjVtJGiXySY2foTMQRl
 (DIR) [20] https://www.youtube.com/watch?v=D-nQeSh2w7M
 (DIR) [21] https://www.pewresearch.org/religion/2017/11/29/europas-wachsende-muslimische-bevolkerung/?utm_source=chatgpt.com
 (DIR) [22] https://www.bmi.bund.de/DE/themen/demokratie-gesellschaft/gesellschaftlicher-zusammenhalt/staat-und-religion/islam-in-deutschland/islam-in-deutschland-node.html
 (DIR) [23] /Gewaltbereite-AfD-Politiker/!6089077
 (DIR) [24] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156430
 (DIR) [25] https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2018/kw20-de-einspruch-ordnungsruf-555494
 (DIR) [26] /Trumps-USA-als-Vorbild/!6148778
 (DIR) [27] /Urteil-gegen-AfD-Politiker/!6009855
 (DIR) [28] /Graichen-entlassen-nach-Trauzeugen-Affaere/!5935334
 (DIR) [29] /Vetternwirtschaft-in-der-AfD/!6156430
 (DIR) [30] https://www.youtube.com/watch?v=nr4XDNoIZOE
       
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