# taz.de -- AfD bei Landtagswahl Rheinland-Pfalz: Rekordergebnis im Westen
> Der Rechtsruck befördert die AfD auf 20 Prozent. Sie hat sich damit
> verdoppelt. Erneut zeigt sich: Rechtsextremismus ist ein gesamtdeutsches
> Problem.
(IMG) Bild: Jan Bollinger, Spitzenkandidat der AfD
Konfettiregen, Triumphschreie und Jubeltrauben gab es bei der Wahlparty der
AfD Rheinland-Pfalz. Die AfD hat bei der Landtagswahl nach ersten
Hochrechnungen erstmals 20 Prozent in einem westdeutschen Flächenland
geholt. Die extrem rechte Partei hat sich damit im nächsten Bundesland
[1][trotz ihrer fortwährenden Radikalisierung] auf einem hohen Niveau
etabliert. Spitzenkandidat Jan Bollinger lief vor Jubelschreien rot an und
konnte sich vor Umarmungen der Parteichefs kaum retten. Die Jubelszenen bei
der AfD in Mainz zeigen einmal mehr, dass Rechtsextremismus ein
gesamtdeutsches Problem ist.
Die Partei erreicht damit ihr selbst gestecktes Ziel von 20 Prozent.
Wohlgemerkt mit einem nicht gerade charismatischen Spitzenkandidaten
Bollinger, der – mal abgesehen von den üblichen rassistischen [2][und
sonstigen AfD-Tiefschlägen] – einen eher ereignisarmen Wahlkampf geführt
hatte.
Die AfD hat sich damit mehr als verdoppelt und ist damit drittstärkste
Kraft, eine Regierungsbeteiligung mit den Rechtsextremen haben die übrigen
Parteien ausgeschlossen. Parteichef Tino Chrupalla tönte entsprechend
breitbeinig kurz nach 18 Uhr im ZDF, dass man am Kurs der
Fundamentalopposition festhalten wolle. „Der Wähler will das, was wir
gezeigt haben“, so Chrupalla, und freute sich schon mal darüber, dass man
nun auch in einem West-Landtag aus eigener Kraft Untersuchungsausschüsse
einberufen könne.
Gerade erst vor zwei Wochen hatte die extrem rechte Partei bei der
Baden-Württemberg-Wahl den bisherigen Höchstwert im Westen von 18,8 Prozent
erzielt. Die anhaltende Krise um auch in Rheinland-Pfalz grassierende
Vetternwirtschaft und Parteifilz hat bei beiden Wahlen das Ergebnis, wenn
überhaupt, nur leicht beeinträchtigt.
Bei der letzten Landtagswahl in Rheinland-Pfalz war die AfD noch auf 8,3
Prozent gekommen. Sie ist damit um fast 12 Prozentpunkte angewachsen. Bei
der Landtagswahl 2016 war sie auf 12,6 Prozent gekommen.
## Dorfkneipen als Parteistützpunkte
Der Landesverband wollte sich im Wahlkampf bürgerlich und leutselig geben.
So richtig [3][glaubwürdig scheint das nicht] angesichts von
Wahlkampfauftritten von Matthias Helferich (das selbsternannte „freundliche
Gesicht des NS“) oder [4][der rechtsextremen Liedermacherin Jule Juls]. Man
gibt sich bieder und volksnah, will auf dem Land punkten, wo
Anti-Eliten-Erzählungen auf konservative Traditionen treffen.
Tatsächlich will die AfD auf dem Land Wahlbüros etablieren, [5][die auch
als Dorfkneipen fungieren sollen]. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian
Münzenmaier, ein [6][wegen Gewalt verurteilter ehemaliger
Kaiserslautern-Hooligan], ist mittlerweile ein wichtiger Strippenzieher
innerhalb der Partei und versucht seit Längerem, leerstehende Gaststätten
als Wahlkreisbüros anzumieten. Tatsächlich gibt es bereits ein paar dieser
Stützpunkte – doch es formiert sich durchaus [7][Widerstand gegen die
zunehmende Präsenz] der extrem Rechten auf dem Land. Aber[8][ rechte
Angriffe] nehmen [9][auch hier zu].
Auf Social Media wiederum spricht die AfD eine ganz andere Sprache: So war
ein KI-generierter Werbespot von [10][rassistischen und antisemitischen
Erzählungen] gespickt. Hinter den Kulissen finden Funktionäre es dann auch
normal, [11][sich in extrem rechten Burschenschaften zu engagieren] und die
seit der NS-Zeit nicht mehr gebräuchliche erste Strophe des
Deutschlandliedes zu singen.
Der Spitzenkandidat Jan Bollinger, Typ BWLer, der Sonnenbrille auf dem
Facebook-Profilbild trägt, ist gut vernetzt mit wichtigen Strippenziehern
der Partei um Leute wie seinen Vize-Landeschef Münzenmaier, die auch
Parteichefin Alice Weidel stützen. Sie sind nicht weniger radikal als der
rechtsextreme Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, wollen aber
professioneller auftreten.
Auch in Rheinland-Pfalz unterlag nach Flügelkämpfen das Lager, das gerne
einen weniger radikalen Kurs gefahren wäre. Im Wahlkampfendspurt trat etwa
der scheidende Landtagsabgeordnete Michael Frisch (ehemals AfD) noch mal
nach: Die AfD Rheinland-Pfalz stehe für ihn für „Vetternwirtschaft,
Intriganz und leistungsloses Aufstiegsversprechen für drittklassige
Stammtischpolitiker“. Nichts würde diese schräge Bollinger-Truppe regeln,
wenn sie an die Regierung käme, ätzte er.
## Breitbeinige Kampfansagen
Auf der Wahlparty scheint der landeseigene AfD-Filz längst vergessen,
Spitzenkandidat Bollinger versucht sogar dreist, den Spieß umzudrehen, und
brüllt doch recht dreist ins deutlich übersteuerte Mikro: „Die CDU hat kein
Interesse daran den roten Filz aufzuklären, sie möchte ein Teil davon
werden“, rief er und erntete Johlen – im Raum war man offenbar sichtlich
zufrieden damit, dass der eigene Parteifilz nur wenig Folgen auf das
Wahlergebnis hatte.
Für Demokraten wiederum dürften die Folgesätze wie eine Drohung klingen:
„Wir werden in die Fläche des Landes ausschwärmen, um in jedem Kreis
präsent zu sein“, rief Bollinger. Er hoffe, dass Schwarz-Rot im Bund nach
den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt
zusammenbreche und Alice Weidel dann Bundeskanzlerin werde.
Nur will das halt niemand außer der AfD: Interessant mit Blick auf die
Brandmauer wiederum war, dass [12][laut Nachwahlbefragung von Infratest
Dimap] 71 Prozent aller Wähler*innen nicht wollten, dass die AfD an der
nächsten Landesregierung beteiligt ist. 26 Prozent sind für eine
Beteiligung der AfD. Bei den CDU-Wählern war die Ablehnung sogar noch
deutlich höher: 87 Prozent lehnten eine Zusammenarbeit mit der AfD ab.
## 39 Prozent bei Arbeitern
Auch bei der Wählerwanderung bot sich das gewohnte Bild: Am meisten
Zugewinne bekam die AfD von Nicht-Wählern, gefolgt von Wechselwählern von
CDU und auch der SPD.
Bei Daten der Nachwahlbefragung ist wiederum vor allem der Blick auf die
Altersverteilung alarmierend: Hier war die AfD laut der Forschungsgruppe
Wahlen mit 21 Prozent die stärkste Kraft bei 18- bis 24-Jährigen, knapp vor
der Linkspartei und SPD (je 19 Prozent). Die stärksten Wählergruppen der
AfD sind allerdings weiter zwischen 30 und 44 (26 Prozent) sowie 45 und 59
(24 Prozent) Jahren alt. Bei Frauen erzielte die AfD 16, bei Männern 24
Prozent.
Laut Infratest Dimap sagten 47 Prozent der AfD-Wähler sagten, dass sie CDU
wählen würden, wenn die Partei im Bund eine andere Politik machen würde. 31
Prozent der AfD-Wähler würden unter derselben Fragestellung die SPD wählen.
Abstiegsängste formulierten 79 Prozent der AfD-Wähler*innen, die ihre
wirtschaftliche Situation zu 30 Prozent am häufigsten als „schlecht“
bewerteten.
Und ein besonders für die SPD [13][schmerzhaftes Déjà-vu zu
Baden-Württemberg] gab es auch mit Blick auf Arbeiter, die auch in
Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich häufig, nämlich zu 39 Prozent AfD
wählten.
## Das bisschen Filz
Die Vetternwirtschaft war die meisten AfD-Wähler*innen eher wurscht: Nur 16
Prozent sagten, dass es sie ärgere, wenn AfD-Politiker Angehörige von
Parteifreunden in ihren Büros beschäftigen.
Personalisiert ist die Wahl der extrem Rechten wiederum kein bisschen. Denn
starke Beliebtheitswerte weist der AfD-Spitzenkandidat Bollinger nicht
gerade auf – im Gegenteil: nur 11 Prozent der Wähler*innen sind
zufrieden mit seiner Arbeit und nur 13 Prozent gaben an, die AfD wegen
ihres Kandidaten zu wählen.
63 wählten die Partei für ihr Programm und 12 Prozent wegen langfristiger
Parteibindung. Direkt nach der Protestwahl gefragt, sagten die AfD-Wähler
zu 46 Prozent, dass sie die Partei aus Überzeugung wählten – 41 Prozent aus
Enttäuschung über andere Parteien. Bei der letzten Landtagswahl 2021 war
die Tendenz noch andersherum mit 40 zu 50 Prozent.
Und noch eine Lehre des Abends: Filz kritisiert man gern bei anderen, aber
nicht sich selbst: Nur 16 Prozent sagten, dass es sie ärgere, wenn
AfD-Politiker Angehörige von Parteifreunden in ihren Büros beschäftigen.
22 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /10-Jahre-AfD/!5910563
(DIR) [2] https://www.wormser-zeitung.de/politik/politik-deutschland/afd-kandidat-bollinger-sorgt-fuer-tiefpunkt-im-wahlkampf-5512848
(DIR) [3] https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/zwischen-wahlkampf-und-einschuechterung-demokratiearbeit-in-rheinland-pfalz-160039/
(DIR) [4] /Wissenschaftler-ueber-Rechtsrock/!6146350
(DIR) [5] /Landtagswahl-in-Rheinland-Pfalz/!6160582
(DIR) [6] /Verurteilter-AfD-Abgeordneter/!5453969
(DIR) [7] /Rechtsextreme-Fassfabrik-muss-ausziehen/!6046384
(DIR) [8] https://www.tagesschau.de/inland/regional/rheinlandpfalz/swr-hasskommentare-auf-social-media-pfaelzer-kultband-anonyme-giddarischde-sperrt-accounts-100.html
(DIR) [9] https://www.saarbruecker-zeitung.de/pm/zweibruecken/angriffe-bei-weihnachtsmarkt-zweibruecken-durch-afd-anhaenger-und-vandalismus-gegen-afd-buero_aid-141091691
(DIR) [10] https://www.rhein-zeitung.de/rheinland-pfalz/markus-linden-afd-nutzt-antisemitische-bildsprache_arid-4112780.html
(DIR) [11] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/landtagswahl-rheinland-pfalz-afd-verbindungen-zu-radikalen-burschenschaften-spiegel-tv-a-07545e03-5488-4da5-8dcb-2ee7474da78a
(DIR) [12] https://www.tagesschau.de/inland/landtagswahlen/landtagswahlen-analysen-100.html
(DIR) [13] /Soziologe-ueber-AfD-Erfolg-bei-Arbeitern/!6160982
## AUTOREN
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