# taz.de -- Europa und der Iran-Krieg: Vielleicht bereit, irgendwas zu tun
       
       > Die Bundesregierung will gestrandete Urlauber aus der Region ausfliegen.
       > Über eine militärische Beteiligung Europas gibt es aber widersprüchliche
       > Angaben.
       
 (IMG) Bild: Sitzung hinter Stahltüren: Außenminister Wadephul (links) und Verteidigungsminister Pistorius am Montag auf dem Weg zum Krisenstab
       
       Mit einer vagen Erklärung über den Krieg in Iran haben Deutschland,
       Frankreich und Großbritannien Fragen über ihr militärisches Vorgehen in der
       Region ausgelöst. In einer ersten Ankündigung hieß es, die drei
       europäischen Staaten würden auch iranische Drohnen- und
       Raketenabschussvorrichtungen ins Visier nehmen, sollte dies für die
       Verteidigung von Bündnispartnern in der Region geboten sein.
       
       Der deutsche Außenminister bemühte sich am Montag um eine Relativierung.
       „Die Bundesregierung hat nicht die Absicht, sich zu beteiligen“, sagte
       Johann Wadephul mit Blick auf den Krieg. Deutsche Soldat*innen würden
       sich nur verteidigen, sollten sie selbst direkt angegriffen werden.
       
       Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte am Montag, dass ein
       Lager mit Bundeswehrsoldaten im nordirakischen Erbil am Wochenende
       angegriffen wurde. „Alle deutschen Soldaten sind wohlauf“, sagte er. Das
       deutsche Kontingent sei auch nicht das Ziel der Angriffe gewesen, hieß es.
       Das Camp in Erbil liegt Luftlinie nur etwa 150 Kilometer von der iranischen
       Grenze entfernt. Insgesamt ist die Bundeswehr im Nahen Osten mit einem
       Kontingent von mehr als 500 Einsatzkräften stationiert. Der Schwerpunkt des
       Einsatzes liegt im Nordirak, wo deutsche Truppen eine Ausbildungsmission
       für die kurdischen Peschmerga-Einheiten leiten.
       
       Einen weiteren Angriff habe es auf das multinational genutzte Camp Al-Asrak
       in Jordanien gegeben, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Dort
       unterhält die Bundeswehr einen Lufttransportstützpunkt, inklusive
       Flugzeugen für die Luftbetankung von Kampfjets. „Die Soldaten sind in
       geschützten Positionen“, hieß es.
       
       ## Krisensitzungsmarathon in Berlin
       
       Das Bundeswehr-Mandat, das ursprünglich dazu galt, im Kampf gegen den
       Islamischen Staat die Luftangriffe der USA und die kurdischen Einheiten
       logistisch zu unterstützen, [1][wurde erst Ende Januar für ein weiteres
       Jahr verlängert.] Nun wurde nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium
       die Basis in Erbill „massiv ausgedünnt“ und die Bundeswehreinheiten nach
       Jordanien verlegt.
       
       Tagsüber kam Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in einer großen
       Schalte mit dem Operativen Führungskommando und den deutschen Streitkräften
       in der Region zusammen. Außerdem trat die Bundesregierung am Wochenende
       zweimal in einem Krisenstab zusammen, am Montag gab es eine weitere Sitzung
       unter der Leitung des Auswärtigen Amts.
       
       Außenminister Wadephul lenkte am Montagmorgen im Deutschlandfunk den Blick
       Richtung Großbritannien. London würde den USA die Nutzung britischer
       Stützpunkte für die Zerstörung iranischer Raketen-Abschussrampen erlauben,
       sagte er. [2][Auf einer britischen Basis auf Zypern wurde der Beschuss mit
       einer Shahed-Drohne aus dem Iran gemeldet.] Unterdessen berichtete der
       französische Sender BFMTV am Sonntag, dass Frankreich seinen Flugzeugträger
       Charles De Gaulle ins östliche Mittelmeer verlegen würde.
       
       ## Eine Erklärung, drei Interpretationen
       
       „Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollen ein Signal aussenden,
       damit der Iran nicht weiter eskaliert“, sagte Frank Kuhn vom
       Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung der taz. Der Iran
       verfüge über Mittelstreckenraketen, die auch die Südostflanke der Nato
       erreichen könnten. Doch alle drei Staaten würden ihre gemeinsame Erklärung
       zur Ergreifung von „Defensivmaßnahmen“ in der Region unterschiedlich
       interpretieren.
       
       Spekuliert wurde auch, ob die Ankündigung der drei Staaten in Zusammenhang
       mit dem Besuch von Friedrich Merz in Washington steht, damit er am Dienstag
       dem US-Präsidenten nicht mit leeren Händen gegenüber tritt. Den Reiseplänen
       des Kanzlers zufolge, die schon vor dem Krieg im Iran feststanden, sollen
       Donald Trump und Merz am Dienstagnachmittag gemeinsam vor die Presse
       treten.
       
       Die Bundesregierung bemühte sich im Vorfeld erneut, die USA nicht zu
       kritisieren: Auch auf mehrfache Nachfrage bezeichnete Regierungssprecher
       Stefan Kornelius den Angriff Israels und der USA auf den Iran nicht als
       Völkerrechtsbruch.
       
       ## Rückholflüge auf Staatskosten
       
       Nach einem kommunikativen Hin und Her bemüht sich die Bundesregierung nun
       auch direkt um die Rückführung von Urlauber*innen aus der Region nach
       Deutschland. Wadephul kündigte in einem kurzfristig anberaumten
       Pressestatement an, die Bundesregierung werde dafür Flugzeuge chartern.
       
       Zunächst solle je eine Maschine nach Riad in Saudi-Arabien und Maskat im
       Oman fliegen, um „vulnerable Personen“ zurückzuholen, also Kinder, Kranke
       und Schwangere. Im Gegensatz zu anderen Flughäfen in der Region sind jene
       in Saudi-Arabien und Oman noch offen.
       
       Die Aktion werde nicht etwa von den Reiseveranstaltern, sondern aus
       Steuergeldern bezahlt, hieß es. Wadephul sagte, er habe bereits mit
       Lufthansa-Chef Carsten Spohr telefoniert – das Vorhaben müsse gut
       vorbereitet werden. So habe der Flughafen in Maskat wenig Kapazitäten.
       Einen Zeitpunkt für die Aktion nannte der Außenminister nicht.
       
       ## Zuvor gab es Kritik
       
       Er reagierte mit seiner Ankündigung auch auf Kritik an seinen bisherigen
       Äußerungen. Zunächst hatte er auf die seit Wochen bestehenden
       Reisewarnungen verwiesen und betont, Reisende trügen auch eine eigene
       Verantwortung für ihre Sicherheit: „Es war nicht ganz unbekannt, dass das
       gefährlich werden könnte“, hatte er zuletzt noch gesagt.
       
       Grünen-Politiker Omid Nouripour hatte dies am Sonntagabend in der ARD
       scharf kritisiert. Die Bundesregierung habe die Pflicht, deutschen
       Staatsbürgern auch in einer solchen Lage zu helfen. Wenn eine Ausreise über
       den Landweg zu Flughäfen in den Nachbarstaaten möglich sei, müsse der Staat
       diese Wege auch aktiv organisieren und unterstützen. „Das ist staatliche
       Aufgabe“, so Nouripour.
       
       Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass eine mittlere fünfstellige Zahl
       deutscher Tourist*innen in der Golfregion gestrandet ist. Einem Sprecher
       zufolge könnte es um rund 30.000 Personen gehen.
       
       2 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cem-Odos Gueler
 (DIR) Sabine am Orde
       
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