# taz.de -- US-Kriegsziele in Iran: One reason after another
       
       > Für den Krieg liefert die US-Regierung jeden Tag neue, widersprüchliche
       > Begründungen. Ist es der Umsturz, Gefahrenabwehr oder doch Gottes Plan?
       
 (IMG) Bild: Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern: Donald Trump spricht mit der Presse
       
       Vier Tage nach Beginn der US-amerikanischen und israelischen [1][Angriffe
       auf Iran] kündigt US-Präsident Donald Trump an, die „große Welle“ von
       Militärschlägen stünde erst noch bevor. Was aber die Gründe und die
       Zielsetzungen des Krieges angeht, kommen Weißes Haus, State Department und
       Pentagon mit ständig neuen Versionen daher.
       
       Anders als alle US-Präsidenten der letzten Jahrzehnte vor ihm hat Trump
       bislang nicht zum Mittel der offiziellen TV-Ansprache aus dem Weißen Haus
       gegriffen, um der US-amerikanischen Öffentlichkeit Gründe und Ziele des
       Militäreinsatzes zu erklären. Auch die Frage, warum der Einsatz so dringend
       gewesen sei, dass die gesetzlich vorgeschriebene Kongressentscheidung über
       Krieg und Frieden nicht möglich gewesen sei, hat Trump nicht beantwortet.
       
       Stattdessen veröffentlichte er am Samstag eine Stellungnahme und zwei kurze
       Videos auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Darin erwähnt er
       eine Vielzahl von Gründen für den Krieg, aber vor allem: Die iranischen
       Bürger*innen sollten abwarten, bis die USA fertig seien, dann könnten
       sie selbst die Geschicke des Landes in die Hand nehmen.
       
       Von dieser Zielsetzung des Regimesturzes zugunsten der demokratischen
       Opposition ist seither nicht mehr viel zu hören. Trumps Pressesprecherin
       Carolyn Lewitt sagte, es gehe darum, Irans Proxies zu schwächen und
       insbesondere den Bau von improvisierten Bomben zu verhindern, wie sie im
       Irak zahlreiche US-Soldaten verletzt oder getötet hätten.
       
       ## Trump spricht von Venezuela als Modell für Iran
       
       Am Sonntag sagte Trump im Interview mit dem Atlantic, er sei offen für
       Verhandlungen mit Irans neuer Führung nach der Tötung der Obersten Führers
       Ali Chamenei. Wichtig sei, dass Iran nicht in den Besitz von Atomwaffen
       gerate.
       
       Der New York Times erklärte Trump gar, das Vorgehen in Venezuela, wo zwar
       Diktator Nicolás Maduro von den USA entführt, das System unter Führung
       seiner [2][Stellvertreterin Delcy Rodríguez] aber intakt gelassen wurde,
       sei auch sein Modell für Iran.
       
       Am Montag verkündete Außenminister Marco Rubio, die USA hätten am Samstag
       angegriffen, weil sie gewusst hätten, das Israel bereits einen Angriff
       plane. Man habe befürchtet, sofort ins Visier iranischer Vergeltungsschläge
       zu geraten und viel höhere eigene Opferzahlen beklagen zu müssen, wenn man
       nicht selbst iranische Raketenstellungen angreife.
       
       Dass allerdings Israel einen Angriff ohne das eindeutige US-Einverständnis
       starten könnte, gilt den meisten Expert*innen als extrem
       unwahrscheinlich. Israels Premier Netanjahu erklärte, das Wichtigste sei
       die Beseitigung des derzeitigen iranischen Regimes.
       
       Einen Sturz des Regimes sehe man zwar gerne, das sei aber keines der Ziele
       der Operation, sagte hingegen Marco Rubio. „Unsere Mission und unser Fokus
       sind die Zerstörung von Raketen und der Fähigkeit, sie herzustellen, sowie
       die Seestreitkräfte“, sagte Rubio.
       
       Dieser Interpretation schloss sich nach einem geheimen Briefing der
       Abgeordneten auch Repräsentantenhaussprecher Mike Johnson an: Nur dank
       Trumps entschlossenen Handelns seien höhere US-Verluste verhindert worden.
       
       ## Kommandeure: Irankrieg sei Plan Gottes
       
       Noch eine weitere Version bekamen offenbar etliche Einheiten des
       US-Militärs zu hören: Die Military Religious Freedom Foundation, eine NGO,
       die sich für Religionsfreiheit in den Streitkräften einsetzt,
       [3][berichtet] von 100 Beschwerden von Soldat*innen aus über 40
       verschiedenen Einheiten. Kommandeure hätten dort erzählt, der Irankrieg sei
       Teil von Gottes Plan.
       
       Donald Trump sei „von Jesus Christus auserwählt worden, im Iran das
       Leuchtfeuer zu entzünden, um Armageddon – den biblischen Endkampf –
       auszulösen und Jesu Rückkehr auf die Erde zu ermöglichen“. Diese
       Vorstellung ist bei rechten US-Evangelikalen gängig und ein Grund für ihre
       bedingungslose Unterstützung Israels. Seit der Ernennung Pete Hegseths zum
       Verteidigungsminister hat die christliche Radikalisierung des US-Militärs
       ständig zugenommen.
       
       Für jene Iraner*innen, die Trump vertraut hatten, der im Januar sagte, sie
       sollten weiter demonstrieren, Hilfe sei unterwegs, wird es immer schwerer,
       zu erkennen, ob sie sich auf irgendetwas verlassen können.
       
       Trump erklärte in der Nacht von Montag auf Dienstag, die US-Munitionsdepots
       seien so prall gefüllt, dass man den Krieg quasi unbegrenzt fortführen
       könne. Am Wochenende hatte der US-Präsident noch von einer Dauer von vier
       bis fünf Wochen gesprochen, am Montag dann zunächst erklärt, man sei dem
       Zeitplan voraus, ohne zu sagen, was das denn heiße. Auch den Einsatz von
       Bodentruppen schlossen weder er noch sein Verteidigungsminister Pete
       Hegseth aus.
       
       3 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Israel-und-USA-im-Krieg-mit-Iran/!6159350
 (DIR) [2] /Wer-ist-Delcy-Rodriguez/!6142708
 (DIR) [3] https://jonathanlarsen.substack.com/p/us-troops-were-told-iran-war-is-for
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Pickert
       
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