# taz.de -- Stimmen aus Iran: Sie wartet auf den Prinzen
       
       > Die Angriffe der USA und Israels auf Iran halten an. Wie es Menschen in
       > Teheran geht, was sie sich wünschen und was sie für die Zukunft fürchten.
       
 (IMG) Bild: Reza Pahlavi, der Schah-Sohn, ist die Hoffnung einiger Iraner:innen, aber nicht aller
       
       Es ist der dritte Tag der Luftangriffe auf Iran. Aus Teheran und vielen
       anderen iranischen Städten werden sie als massiv beschrieben. In ganz
       Teheran seien massive Explosionen zu hören, erzählen Betroffene.
       
       Doch noch immer haben die Menschen in Iran wohl weit weniger Angst als noch
       während der Tage der Proteste und der ihnen folgenden Massaker im Januar.
       Dieses Bild ergibt sich aus Nachrichten an die taz aus Iran. Viele
       Iranerinnen und Iraner sagen: Sie hätten mehr Vertrauen in die
       Zielgenauigkeit der USA, als in die Verbrechen der Islamischen Republik.
       
       Sie beschreiben, wie sich die Menschen, als sie [1][vom Tod Ajatollah
       Chameneis erfuhren], gegenseitig gratuliert haben. Selbst jetzt – obwohl
       das Internet abgeschaltet ist – koordinieren sie Treffen. Immer dann, wenn
       es jemandem zufällig gelingt, sich mit Telegram oder WhatsApp zu verbinden.
       
       Ramin ist Ende Vierzig und lebt in Teheran. Er sagt der taz über einen
       Messengerdienst: „Wenn man auf die Straße geht, sieht man die Zufriedenheit
       in den Augen der Menschen; alle sind glücklich. Seit der Bestätigung von
       Chameneis Tod gehe ich durch die Straßen und lächle ohne Grund. Die
       Menschen schauen sich an und lächeln und nicken. Wir alle verstehen, was
       wir meinen.“
       
       Er erzählt weiter: „Es ist nicht so, dass Teheran ständig unter Bomben und
       Raketen steht. In diesen drei Tagen haben wir gelernt, dass jede
       Angriffswelle etwa eine halbe Stunde dauert. Während des Angriffs bewegen
       wir uns nicht, wir bleiben in unseren Häusern oder in dem Gebäude, in dem
       wir uns gerade befinden. Wir haben außerdem alle gelernt, dass es um
       Mitternacht wohl immer einen Angriff gibt. Wir gehen früh schlafen, damit
       wir, wenn wir vom Lärm der Bomben aufwachen, schnell auf das Dach gehen und
       die Angriffe aus der Ferne beobachten können“.
       
       ## Warten auf den richtigen Moment
       
       Mina, die als Ärztin fast täglich aus dem Umland in die Hauptstadt hinein
       pendelt, berichtet der taz Ähnliches: „Es ist keine Übertreibung, wenn ich
       sage, dass alle Menschen in meinem Leben – Verwandte, bei der Arbeit, sogar
       die ich nur auf der Straße sehe – glücklich und hoffnungsvoll sind“. Auch
       sie tauscht sich mit vielen Vertrauten aus, und harrt der Dinge, die da
       kommen.
       
       Sie sagt: „Manchmal werden Szenarien entworfen, dass die Islamische
       Republik versuchen könnte, durch einen internen Putsch und eine
       Machtumwandlung eine Einigung mit den Vereinigten Staaten zu erzielen. Aber
       wir warten.“
       
       Mina wartet auf den Prinzen, also [2][den Sohn des gestürzten Schahs Reza
       Pahlavi]. Wenn er dazu aufrufe, sagt sie, würden sie und viele andere auf
       die Straßen gehen – „um uns gegen die Islamische Republik zu stellen.“
       Royalisten wie sie machen allerdings nur einen Teil der Opposition aus,
       [3][während andere sich für die Zukunft ihres Landes demokratischere
       Strukturen wünschen.]
       
       ## Sie wissen, dass der Krieg dauern könnte
       
       Dass der Krieg andauern könnte, ist Mina bewusst: „Ehrlich gesagt scheint
       es, dass wir noch eine neue Welle von Angriffen brauchen, damit die
       Islamische Republik vollständig zusammenbricht. Es wird noch ein wenig
       dauern, bis die Menschen wieder auf die Straße gehen können, ohne erneut
       von der IRGC und den Streitkräften der Islamischen Republik massakriert zu
       werden. Aber ich habe keinen Zweifel daran, dass die Islamische Republik am
       Ende ist“.
       
       Dabei sei der Tod von Chamenei wie ein Turbozünder gewesen: „Fast alle in
       Iran sind sich sicher, dass dieses Regime sehr auf der Person Chameneis
       basierte. Und jetzt, da diese enorme Lücke im Machtmechanismus der
       Islamischen Republik entstanden ist, ist ihr Zusammenbruch sehr nahe.“
       
       Und dann gibt es da noch so eine Theorie: Es gebe ein „verdächtiges Foto“,
       wie sie es nennt, des „provisorischen Führungsrats“. Drei Personen sind
       darauf zu sehen: Masoud Pezeshkian, Regierungschef; Mohseni-Ejei, Chef der
       Justiz, und Alireza Arafi, ein geistliches Mitglied des Wächterrats.
       
       Er gilt als aussichtsreicher Anwärter auf den Posten als nächsten obersten
       Führer der Islamischen Republik. „Viele in Iran analysieren dieses Foto.
       Und vermuten, dass es sie im Keller eines Krankenhauses im Norden Teherans
       zeigt“. Mina kritisiert: „Sie nutzen den Keller des Krankenhauses als
       Unterschlupf und gefährden das Leben anderer Menschen, um sich selbst in
       Sicherheit zu bringen.“ Natürlich, gibt sie zu, dass es auch Stimmen gibt,
       die dem widersprechen, also die sich sicher sind, dass die drei nicht
       dauerhaft dort sitzen – falls das Foto tatsächlich aus dem Spital stammt.
       
       Viele in Teheran und in ganz Iran [4][warten mit Vorfreude auf einen
       Zusammenbruch]. Und sorgen sich vor dem, was kommen könnte, wenn das Regime
       doch bestehen bleibt.
       
       Aus dem Englischen Lisa Schneider
       
       3 Mar 2026
       
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