# taz.de -- Bericht des Wehrbeauftragten: Endlich dienen mit Dutt!
       
       > Der Wehrbeauftragte Henning Otte sieht in seinem Bericht eine mögliche
       > Überplanung der Bundeswehr – und kündigt einen neuen „Bart- und
       > Haar-Erlass“ an.
       
 (IMG) Bild: Berlin, 25. November 2025: Rekrutinnen dürfen schon länger Dutt!
       
       Einsätze im Irak und in Jordanien, ein Mandat vor der Küste Libanons,
       Erkundungsfahrten in die Arktis: [1][Der Wehrbeauftragte des Bundestags]
       sieht eine mögliche Überplanung der deutschen Streitkräfte. „Ich appelliere
       dafür, dass der Kernauftrag in den Fokus genommen wird“, sagte der
       CDU-Politiker Henning Otte am Dienstag bei der Vorstellung seines ersten
       Jahresberichts in Berlin. Die [2][Bundeswehr] müsse sich im Kern stärker
       auf die Bündnis- und Landesverteidigung konzentrieren, forderte er.
       
       Angesichts des [3][Kriegs in Iran] und des Beschusses von Camps mit
       Bundeswehrangehörigen dachte Otte auch laut über einen Truppenabzug aus der
       Region nach. Es gelte abzuwägen, ob der ursprüngliche Auftrag in der Region
       noch erfüllt werde. Das Bundeswehrmandat in Irak war erst Ende Januar noch
       mal um ein Jahr verlängert worden und umfasst eine Ausbildungsmission für
       kurdische Peschmerga-Kämpfer*innen im Kampf gegen den „Islamischen Staat“.
       Nach Angaben des Wehrbeauftragten waren zuletzt 315 Soldat*innen an
       mehreren Standorten im Nahen Osten stationiert.
       
       Der Bericht des Wehrbeauftragten umfasst die ganze Bandbreite der
       Bundeswehraktivitäten und erscheint einmal im Jahr. Otte war im vergangenen
       Mai der SPD-Politikerin Eva Högl auf dem Posten gefolgt, die in ihrem
       letzten Bericht deutlich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass die Mittel
       aus dem Sondervermögen zu langsam bei der Truppe ankommen. Klassischerweise
       listet der Wehrbeauftragte auch Fälle von rechtsextremen Bestrebungen und
       frauenverachtenden Vorkommnissen in der Bundeswehr auf – im aktuellen
       Report gibt es wieder zahlreiche Fälle.
       
       „Für Extremismus und Sexismus ist in der Truppe kein Platz“, sagte Otte.
       Dabei sind im vergangenen Jahr die vom Verteidigungsministerium an den
       Wehrbeauftragten gemeldeten Fälle wegen „extremistischer Verhaltensweisen“
       gestiegen. Der Bericht nennt 275 Fälle, im vergangenen Jahr waren es 250.
       „Ganz überwiegend“ handele es sich bei den Meldungen um rechtsextreme
       Sachverhalte.
       
       ## „Frohe Ostern, alles Gute zum Geburtstag, Heil Hitler“
       
       Der Bericht nennt Beispiele: „Frohe Ostern, alles Gute zum Geburtstag, Heil
       Hitler und Sieg Heil“, soll ein Stabsunteroffizier am 20. April zu
       Soldat*innen gesagt haben. Das Personalmanagement der Bundeswehr sah dem
       Bericht zufolge von einer Entlassung des Unteroffiziers ab, „da der Soldat
       nicht in schwerwiegender Weise Bestrebungen verfolgt habe, die gegen die
       freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet“ seien. Ein gerichtliches
       Disziplinarverfahren laufe noch gegen den Mann.
       
       In einem anderen Fall soll ein Oberstabsgefreiter auf einem Fest außerhalb
       der Dienstzeit einen Menschen aus rassistischen Gründen körperlich
       angegriffen haben und den Hitlergruß gezeigt haben. Im Bericht heißt es,
       dass er „im Internet Fotos von sich veröffentlichte, auf denen auf seinem
       Rücken, Schulter und Oberarm tätowierte SS-Runen zu sehen waren“. Warum
       dies nur durch Fotos im Internet herauskam und ob der Soldat in seiner
       Kaserne gedeckt wurde, beschreibt der Bericht nicht.
       
       Der Bericht des Wehrbeauftragten nennt zudem 430 Fälle von Verstößen gegen
       die sexuelle Selbstbestimmung. Auch hier ist die Zahl im Vergleich zum
       Vorjahr gestiegen, als 395 Vorkommnisse gemeldet wurden. Die Dunkelziffer
       dürfte ohnehin deutlich größer sein. So ist die Rede von einem
       Unteroffizier, dem eine medizinische Fachangestellte vorwarf, sie
       unerwünscht berührt zu haben.
       
       Die Vorgesetzten stellten „eine allgemeine Tendenz des Soldaten zu verbaler
       und körperlicher Distanzlosigkeit vor allem gegenüber neu hinzuversetzten
       Soldatinnen“ fest, heißt es in dem Bericht. Dennoch ist der Unteroffizier
       wohl weiterhin im Dienst. Er habe eine „moderate Disziplinarbuße“ kassiert,
       die als Warnung gelten solle.
       
       ## Sexualisierte Gewalt unter Fallschirmjägern
       
       Anfang des Jahres hatten Fälle von sexualisierter Gewalt aus einem
       Fallschirmjäger-Regiment im pfälzischen Zweibrücken Schlagzeilen gemacht.
       Die Vorwürfe kursierten schon länger und wurden wohl zunächst anonym bei
       Ottes Vorgängerin Högl eingereicht. Sie gab in der Folge eine
       „Dunkelfeldstudie“ über sexualisiertes Fehlverhalten in der Bundeswehr in
       Auftrag, die nun seit zwei Wochen läuft. Ergebnisse werden hier für Ende
       des Jahres erwartet.
       
       Der Frauenanteil in der Bundeswehr liegt derzeit bei 13,7 Prozent. „Das ist
       nach wie vor viel zu wenig“, sagte Otte. Insgesamt verfüge die Bundeswehr
       über mehr als 18.400 Soldat*innen. Die Abbrecherquote für alle, die einen
       Dienst beginnen, bezifferte der Wehrbeauftragte auf knapp 20 Prozent. Als
       Hauptgründe nannte er falsche Vorstellungen bei den jungen Menschen oder
       einen Einsatz fern vom eigenen Wohnort.
       
       Um die Bundeswehr vor allem bei jungen Männern attraktiver zu machen,
       kündigte Otte einen neuen „Bart- und Haar-Erlass“ an, der so schnell wie
       möglich kommen solle. „Der Erlass hätte längst da sein müssen“, sagte er.
       Die Maßgabe solle dann „Funktionalität und individuelle Bedürfnisse“
       gleichermaßen berücksichtigen. Ob das eine offizielle Öffnung der
       Bundeswehr für den Herrendutt bedeutet, ist noch unklar.
       
       3 Mar 2026
       
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