# taz.de -- Merz in den USA: Grammatik der Machtlosigkeit
> Musterschüler Merz zieht bei seinem Besuch im Weißen Haus den Kopf ein.
> Zum Nicken und Lächeln allein wäre er besser zu Hause geblieben.
(IMG) Bild: Fröhliche Spielkameraden: Merz und Trump pinseln sich gegenseitig die Bäuche
Eigentlich wollte der Kanzler bei Trump für weniger Zölle und mehr
Unterstützung für die Ukraine werben – kein aussichtsreiches Unterfangen
angesichts des gerade begonnenen Irankrieges. Auf Widerspruch reagiert
Trump allergisch, Zölle und Ukraine sind ganz schwierige Themen. Beim
narzisstischen, flatterhaften, launenhaften US-Präsidenten ist sogar der
Zeitpunkt eine Machtfrage.
So hielt Trump [1][bei Merz’ dienstäglichem Besuch im Oval Office] die
übliche Suada: ein Stakkato von Selbstlob, Beschimpfungen und grotesken
Lügen, etwa dass die USA in Iran ausschließlich militärische Ziele
getroffen hätten, der Iran nur zivile Ziele. Merz saß daneben und
beteuerte, Deutschland unterstütze den Krieg der USA und Israels gegen den
Iran.
Die Deutschen werden zur Staffage in einem Drama, in dem sie keine Rolle
spielen. Erst kurz bevor die ersten Raketen in Teheran einschlugen, erfuhr
Berlin vom geplanten Irankrieg. Das spricht Bände. Die Trump-Regierung ist
der irrigen Ansicht, dass der Mächtige am stärksten alleine ist, und
verachtet Europa – in diesem Fall vielleicht zu Recht.
Die EU wäre von einem instabilen Iran und Migrationsströmen direkt
betroffen – ist aber geopolitisch in diesem Krieg nicht auf dem Platz.
Dabei würde es Hebel geben, die USA nutzen Ramstein als militärisches
Drehkreuz. Aber ein deutscher Kanzler, der wie der spanische
Ministerpräsident den USA mit dem Entzug der Nutzung von Basen für diesen
völkerrechtswidrigen Krieg droht, ist kaum vorstellbar. Stattdessen
sekundierte Musterschüler Merz Trumps Hassrede gegen Spanien brav mit dem
Hinweis, Madrid müsse seinen Wehretat erhöhen.
## Wohlgefälligkeit hält Trump für Schwäche
Merz hat [2][nach Trumps Grönland-Drohung] zwar begriffen, dass die USA
unberechenbar sind. Und dass es nichts nutzt, wie die EU im Zollstreit, den
Potentaten günstig stimmen zu wollen. Wie Putin hält Trump Wohlgefälligkeit
für Schwäche.
Aber beim Irankrieg zieht Merz den Kopf ein: keine Kritik am
völkerrechtswidrigen US-Krieg – und keine direkte Beteiligung. Dieser
mittlere Kurs kostet Glaubwürdigkeit, ohne etwas zu bringen. Der Kanzler,
der stumm nickend neben Trump sitzt, ist dafür das sprechende Bild.
Merz hat nach Trumps Drohungen gegen Grönland angekündigt, dass [3][Europa
nun die Sprache der Machtpolitik lernen muss]. Sein Trip nach Washington
dokumentiert eher eine Grammatik der Machtlosigkeit. Falls kein wundersamer
Durchbruch beim Zollstreit gelingt, muss man sagen: Es wäre besser gewesen,
der Kanzler hätte sich diese Reise gespart.
3 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Stefan Reinecke
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