# taz.de -- Merz bei Trump: Fan-Besuch in Washington
       
       > Bei seinem Besuch im Weißen Haus will Bundeskanzler Merz auf keinen Fall
       > bei Trump anecken: Er wagt nicht ein kritisches Wort zum Angriff auf
       > Iran.
       
 (IMG) Bild: „Deutschland ist großartig“, findet zumindest US-Präsident Trump. Friedrich Merz am Dienstag zu Gast im Oval Office
       
       Die Verhaltensregeln für die Presse im Oval Office sind streng. Klingelton
       aus, nicht gegen den Schreibtisch rennen, berühren verboten. Also: Immer
       schön die Balance wahren. Das galt auch für den deutschen Bundeskanzler,
       der am Dienstagvormittag mit dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump
       zusammensaß. Friedrich Merz war der erste europäische Staatsgast, den Trump
       [1][nach den Angriffen auf Iran im Oval Office empfing]. Es war auch der
       erste größere Auftritt Trumps seit Beginn des Kriegs am Samstag.
       
       Das mit der Balance klappte nicht ganz: Merz wollte auf keinen Fall
       anecken, sich aber auch nicht gänzlich vereinnahmen lassen für den Angriff
       der USA und Israels auf Iran – ein völkerrechtswidriger Krieg mit
       ungewissem Ausgang, der bereits jetzt Hunderte zivile Opfer gefordert hat.
       In seinem kurzen Eingangsstatement sagte Merz: „Wir sind uns einig, dass
       dieses schreckliche Regime in Teheran gestürzt werden muss.“ Man werde aber
       auch „über die Zeit danach sprechen. Darüber, was dann geschieht, wenn sie
       gestürzt sind.“
       
       Trump dankte es seinem Gast aus Deutschland mit lobenden Worten: Merz sei
       ein sehr erfolgreicher Mann, mache seine Arbeit sehr gut und sei sehr
       beliebt. Trump nannte ihn einen „Freund“ und überhaupt sei Deutschland
       „großartig“, lobte er die Haltung der Bundesregierung zum Krieg.
       
       Weniger gnädig urteilte Trump über die frühere Kanzlerin Angela Merkel, die
       spanische Regierung und den britischen Premierminister. Mit „Angela“ habe
       es ein paar Probleme gegeben, die Migration zum Beispiel. Der britische
       Premier sei „kein Churchill“ und die spanische Regierung möge er gar nicht.
       Schrecklich habe sich Spanien verhalten, als es den USA untersagt habe,
       seine Stützpunkte für die Angriffe gegen Iran zu nutzen, sagte Trump. Er
       wolle Geschäfte mit dem Land einstellen. Wenn er wolle, könne er jeglichen
       Handel mit Spanien abbrechen – „Kann ich ein Embargo verhängen?“, wandte er
       sich an seinen Handelsbeauftragten, der wie ein Statist in der zweiten
       Reihe stand und eilfertig versicherte, dass das natürlich möglich sei.
       
       Und Merz? Hörte mit unbewegter Miene zu, wie Trump erst über seine
       Vorgängerin, dann über einen der wichtigsten sicherheitspolitischen
       Verbündeten und eines der größten EU-Länder herzog. Auf Nachfrage
       entgegnete er lediglich, man werde Spanien an das 3,5-Prozent-Ziel der Nato
       erinnern. Ansonsten ließ er sich freudig das Knie tätscheln und machte gute
       Miene zum skurrilen Spiel.
       
       ## Eigentlich wollte er über Zölle reden
       
       Geplant war der Besuch bei Trump schon seit mehreren Wochen, eingeladen
       hatte der US-amerikanische Präsident. Ursprünglich hatte Merz mit Trump
       [2][über Zölle reden wollen] und über Russlands Krieg gegen die Ukraine.
       Doch das Großthema Iran drängte seine Anliegen an den Rand.
       
       „Wir müssen auch über die Ukraine sprechen“, kündigte er während der
       öffentlichen Trump-Show an. Die Ukraine stehe ganz oben auf seiner
       Prioritätenliste, versicherte daraufhin Trump. Aber da sei ja dieser
       entsetzliche Hass zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten
       Selenskyj.
       
       Bei seinem Resümee zeigte Merz sich zufrieden: Man sei sich einig in der
       Bewertung des Mullahregimes und dem Interesse an einem Ende des Krieges,
       trotz aller Risiken. Auch das Thema Zölle und den Krieg in der Ukraine habe
       er angesprochen. Erstere schadeten beiden Ländern, bei Letzterem habe er
       Trump gebeten, mehr Druck auf Russland auszuüben.
       
       Beim Mittagessen habe er Trump auch auf kritische Themen angesprochen,
       sagte Merz, er habe den Konflikt aber nicht auf offener Bühne austragen
       wollen.
       
       ## Ob Bitten helfen?
       
       Ob Bitten bei Trump helfen? Um ihn gewogen zu stimmen, hatte Merz diesmal
       ein Faksimile des ersten Handelsvertrags zwischen Preußen und den USA aus
       dem Jahr 1785 dabei. Mal sehen, ob er den Wink versteht.
       
       Seine Botschaft zum Irankrieg an Trump hatte der deutsche Kanzler schon bei
       seinem ersten Statement zum Irankrieg am Sonntag im Kanzleramt geprobt. Bei
       allen Zweifeln teile man viele Ziele, sagte Merz, etwa die Beendigung des
       iranischen Nuklear- und Raketenprogramms. Aber eben nicht alle.
       
       Ob der Plan aufgehen kann, durch Militärschläge von außen einen politischen
       Wandel aus dem Inneren heraus herbeizuführen, hatte Merz schon am Sonntag
       in Zweifel gezogen. Es bleibt völlig unklar, wie lange der Krieg dauern und
       wer das Land künftig regieren soll. Auch Trump konnte diese Frage nicht
       beantworten. „Die meisten Leute, die ich im Kopf hatte, sind tot.“
       
       ## Das Völkerrecht? Merz: ein Dilemma
       
       Bereits im Vorfeld machte Merz [3][die völkerrechtlich fragwürdige
       Dimension] gar nicht auf. „Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um unsere
       Partner und Verbündeten zu belehren“, hatte Merz vor der Abreise forsch
       verkündet. Es sei eben ein Dilemma – Iran stelle eine Bedrohung dar, sowohl
       für die eigenen Bürger:innen als auch für Israel und die Region. Viele
       Verhandlungsrunden und mehrere europäische Sanktionspakete hätten nichts
       bewirkt. Das kommt einer Kapitulation der europäischen Diplomatie gleich.
       
       „In der Außenpolitik geht es um Werte und Interessen und im Moment fallen
       die Werte hinten runter“, meint der Leiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in
       New York, Stefan Liebich. Er glaubt, dass sich das rächen wird. „Länder im
       Globalen Süden werden Deutschland an seine doppelten Standards in Bezug auf
       das Völkerrecht erinnern“, sagt Liebich der taz. „Wie will man denn Putin
       gegenübertreten, wenn er das Völkerrecht bricht, oder Xi Jinping, wenn er
       sich Taiwan einverleiben will?“
       
       Cathryn Clüver Ashbrook, Transatlantikexpertin bei der
       Bertelsmann-Stiftung, findet es dennoch „nicht unwichtig, dass Merz in
       Washington ist und auf der Weltbühne wahrgenommen wird, als der
       Kontaktpunkt von Trump zu Europa“. Vor dem Treffen sagte sie der taz:
       „Entscheidend ist, dass Merz sich nicht ins Bockshorn jagen lässt. Europa
       darf nicht in einer reinen Reaktionsposition verharren, sondern muss die
       eigenen Stärken betonen.“ So sieht es auch Liebich: „Trump reagiert auf
       klare Positionen und starke Typen, aber nicht auf Duckmäusertum und
       vorsichtiges Andeuten. Merz kann ja auch mal sagen, dass Ramstein kein
       US-Territorium ist.“
       
       Zudem, das zeigt der gemeinsame Auftritt mit Merz auch, gerät Trump
       innenpolitisch unter Druck. Trump musste sich im Weißen Haus Fragen nach
       seiner Strategie für die Evakuierung US-amerikanischer Staatsbürger
       gefallen lassen und zu den Gefahren, die von diesem Krieg ausgehen.
       
       „Jetzt kommen Amerikaner in Bodybags nach Hause, und Trump hat angekündigt,
       dass es nicht das letzte Mal sein wird“, sagt Clüver Ashbrook. „Das ist
       eine Ohrfeige für die MAGA-Bewegung, denn ihr Friedensfürst hatte etwas
       ganz anderes versprochen.“ Gleichzeitig sorgten steigende
       Lebenshaltungskosten und Benzinpreise für Unzufriedenheit. Sie erwartet
       große Schwierigkeiten für die amerikanische Volkswirtschaft. (mit
       Agenturen)
       
       3 Mar 2026
       
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       nicht.