# taz.de -- Deutsche Reaktionen auf Iran-Krieg: Merz trotz Zweifeln loyal zu Trump
> Wenn der Bundeskanzler am Montag in die USA reist, bringt er eine
> doppelte Botschaft mit. Das Ziel der Angriffe ist richtig, die Methoden
> sind es nicht.
(IMG) Bild: Will Trump nicht „belehren“: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Wenn der Bundeskanzler am Montag nach Washington zu Donald Trump fliegt,
dann wird er ihn sicher auch fragen, wie die Zukunft des Iran aussehen
soll. Denn im Moment ist überhaupt nicht absehbar, welche Personen und
Gruppen zukünftig die Macht dort übernehmen können. „Wir wissen schließlich
nicht, ob der Plan aufgeht, durch Militärschläge von außen einen
politischen Wandel von innen heraus zu ermöglichen“, sagte Friedrich Merz
am Sonntag.
Merz sprach zudem von den Risiken für den gesamten Nahen Osten, die mit den
Angriffen der US-Amerikaner und der Israelis einhergingen. „Wir wissen
nicht, in welche Eskalation die harten iranischen Gegenschläge die Region
noch ziehen werden.“
Gleichzeitig zeigte sich Merz aber auch „erleichtert“ darüber, „dass
[1][das iranische Regime] jetzt an ein Ende kommt“. Das nahe Ende des
iranischen Regimes hatte er aber schon einmal, nämlich auf seiner
Indienreise im Januar, verkündet. „Das Mullah-Regime ist ein Terrorregime“,
wiederholte Merz nun, welches für den Tod Tausender Menschen verantwortlich
sei, Israel bedrohe und die Region mit seinem Atom- und Raketenprogramm
destabilisiere.
Merz nimmt also eine doppelte Botschaft mit nach Washington – Deutschland
stimmt mit den Zielen der USA und Israels weitgehend überein, ohne sich die
Methoden zu eigen zu machen. „Bei allen Zweifeln teilen wir viele ihrer
Ziele.“
## Allzu deutliche Kritik ist nicht drin
Zweifel sind angebracht, nicht nur, ob der Krieg zum Erfolg führt, sondern
auch, ob er völkerrechtlich gedeckt ist. Dass die massiven Angriffe im
Einklang [2][mit dem Völkerrecht] stehen, das wollte auch der Kanzler nicht
behaupten. Als sich das Sicherheitskabinett am Sonntag traf, habe man sich
länger über die völkerrechtliche Dimension der Angriffe ausgetauscht,
berichtete Merz und sprach von einem Dilemma. Die völkerrechtlichen Mittel,
nämlich Appelle und Sanktionen, hätten nicht ausgereicht, um im Iran
irgendetwas zu bewirken.
Mehr als seine Zweifel wird der Kanzler bei seinem für Dienstag geplanten
Gespräch mit Trump im Oval Office aber kaum äußern. „Das ist jetzt nicht
der Zeitpunkt, die Partner und Verbündeten zu belehren“, kündigte Merz
schon mal an. Zumal Merz Trump noch eine andere Botschaft mitbringt,
nämlich dass dieser sich ein wenig stärker für ein Ende des Krieges gegen
die Ukraine engagieren könnte. Das iranische Regime und Russland seien
gleichermaßen gefährlich, so der Kanzler in Berlin. „Wer Sicherheit und
Frieden im Nahen Osten will, muss sie auch in Europa wollen.“
Merz hatte den USA und Israel bereits am Samstag rhetorisch Rückendeckung
gegeben. Die USA hätten über Wochen eine Verhandlungslösung mit dem Iran
gesucht. In den Gesprächen unter Vermittlung des Oman habe die iranische
Seite jedoch keiner umfassenden, verlässlichen und überprüfbaren
Vereinbarung zur Beendigung des militärischen Nuklearprogramms zugestimmt,
so Merz in einer Erklärung. Weder hätte sich der Iran verpflichtet, sein
ballistisches Raketenprogramm zurückzufahren, noch seine destabilisierenden
Aktivitäten in der Region und darüber hinaus einzustellen.
Hauptschuldiger an der Eskalation ist in den Augen der Bundesregierung also
der Iran. Dessen Vergeltungsangriffe verurteilt Merz im Namen der
Bundesregierung denn auch „scharf“ und ruft den Iran auf, „sofort die
militärischen Schläge gegen Israel und unsere anderen Partner in der Region
einzustellen“.
Dennoch bemühte sich der Bundeskanzler bereits am Samstag, darauf
hinzuweisen, dass Deutschland an den Angriffen der USA und Israels nicht
beteiligt sei. Verbunden mit dem unverbindlich formulierten Appell,
Bemühungen um eine Verhandlungslösung sollten wieder aufgenommen werden, um
Risiken für die regionale Stabilität zu vermindern, schwingt da ein Hauch
von Tadel an den US-amerikanischen Luftangriffen mit.
Die Bundesregierung war kurz vor den Angriffen informiert worden. Es ist
jedoch nicht davon auszugehen, dass Trump und Netanjahu zuvor um Erlaubnis
baten, auch wenn Deutschland mit Ramstein die größte Luftwaffenbasis
außerhalb der USA beherbergt, die auch Drehkreuz für Operationen im Nahen
Osten ist. Auf Bitten der israelischen Regierung hat Berlin nun Asyl für
deren Regierungsmaschine gewährt. Diese sei am Sonntag auf dem Berliner
Flughafen BER gelandet, hieß es aus deutschen Regierungskreisen.
Deutlichere Kritik kommt von der SPD. Der Vorsitzende der SPD-Abgeordneten
im EU-Parlament, René Repasi, ruft die EU in einer Erklärung vom Sonntag
auf, „nicht tatenlos zuzusehen“, und mahnt: „Das humanitäre Völkerrecht und
die Prinzipien der regelbasierten internationalen Ordnung gelten
universell. Sie dürfen nicht relativiert werden.“ Ein Krieg berge
erhebliche Risiken, vor allem für die Zivilbevölkerung.
Krieg sei kein Ersatz für Diplomatie, bekräftigt auch der Vorsitzende der
Linkspartei, Jan van Aken. Er befürchtet, dass die US-Intervention am Ende
vor allem die iranische Bevölkerung treffen und neue Gewalt erzeugen
könnte.
1 Mar 2026
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