# taz.de -- Off-Space Ausstellung in Kreuzberg: Der Abschlussball als Vexierbild
       
       > Auf dem Dachboden eines Kreuzberger Hinterhauses stellt die Malerin
       > Julija Zaharijević aus. Sie wirft in einen eigenen historischen Moment
       > hinein.
       
 (IMG) Bild: Zwischen Dachbalken: Julija Zaharijevic;, „Study for Sex“, 2026 bei Medium P
       
       Ein bisschen Mühe muss man sich schon machen, möchte man Julija
       Zaharijevićs Ausstellung „Admission“ im Kreuzberger Projektraum Medium P
       besuchen. Nur kurze Öffnungszeiten erlauben den Besuch, außer dem
       Klingelschild weist nichts am [1][Haus in der Oranienstraße] auf die
       Existenz des Off-Spaces hin, der sich, tausend Hinterhausstufen später, auf
       einem Berliner Dachboden ausbreitet.
       
       Nur zwei Arbeiten der 1991 in Belgrad geborenen Malerin hat die Kuratorin
       und Galeristin der Wiener „City Galerie“ Antonia Lia Orsi hier zwischen die
       Balken gehängt. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die – lässt man sich
       darauf ein – eine selten gewordene Übung im Sehen ermöglicht.
       
       „Symmetry“ heißt das raumeinnehmende Hauptwerk. So groß, dass man
       automatisch darüber nachdenkt, wie das Gemälde es wohl hier hoch geschafft
       hat (gerollt und dort aufgespannt ist natürlich die Antwort). In der
       Anmutung klassischer Historienmalerei – ein stets den Männern vorbehaltenes
       Genre – interpretiert Zaharijević ein Foto ihres Schulabschlussballs.
       
       ## Bedinungsloses Einlassen
       
       Als öffne sich hier, in dieser Kreuzberger Nische, eine Tür durch Zeit und
       Raum, steht man dort den fast lebensgroßen, geisterhaften Abbildern einer
       stummen Gruppe Kindfrauen in der Lobby eines Belgrader Hotels gegenüber. In
       ihrer Mitte ein fremdartiger Schweizergardist in traditioneller,
       gestreifter Uniform.
       
       Durch die Schräge des Dachbodens gibt es kein Zurücktreten, kein Entkommen.
       Man steht direkt im Bild. Inmitten dieser matschigen Farben, als sei dieses
       junge Rosa schon welk, in dem sich Y2K-Kleider und fahles Fleisch
       gleichermaßen über die Leinwand erstrecken.
       
       Der Blick sucht die Malerin in der Gruppe, er stolpert dabei über
       Absurditäten, über das Interieur der Umgebung, über ungelenke Körperposen,
       [2][wie sie von Hochglanzmagazinen dieser Zeit in den Zehnerjahren] aus
       Amerika bis nach Serbien schwappten. Über schmantiges Make-up und grünliche
       Zombie-Haut. Je länger man hinsieht, desto mehr fragmentiert sich das Bild.
       
       Was zuerst als Gruppe wahrgenommen wurde vereinzelt sich in absurde
       Individuuen, Untote und Abziehbilder. Kein Stil lässt sich festhalten,
       keine Wahrheit ergründen, der Strich ist diffus. Die Ganzheit der Jugend
       löst sich auf, vereinzelt sich in einzelne erwachsene Leben. Je länger man
       schaut, desto mehr kann man entdecken und desto mehr kann man denken. Der
       Titel verkehrt sich ins Gegenteil. „Symmetry“ ist auch eine Studie der
       Ungleichheiten, der Zeit, der Geduld und der Früchte, die sie tragen kann.
       
       20 Feb 2026
       
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