# taz.de -- Die Kunst der Woche: Mit dokumentarischer Präzision
> Die Fotos von Joel Sternfeld zeigen die Melancholie der US-amerikanischen
> Landschaft. Eine ähnliche Qualität haben Klaus Walters
> DDR-Stadtrandszenen.
(IMG) Bild: Joel Sternfeld, Wyoming, 1994
Das Foto ist berühmt. Wahrscheinlich hat es jeder irgendwann einmal
gesehen. Dabei wirkt es auf den ersten Blick nicht ikonisch. Zu sehen ist
eine mit Kürbissen übersäte Wiese mit einem Kürbisverkaufstand von
MacLean’s Farm Market, an dem ein Feuerwehrmann einkauft. Und da fällt
plötzlich im Hintergrund auch das Haus auf dem Hügel auf, das in hellen
Flammen steht. Die formale Korrespondenz zwischen dem Orangerot des Feuers
und dem der Kürbisse macht die Aufnahme wohl so einprägsam. Es scheint, als
stünden auch die Kürbisse und ihre ländliche Welt in Flammen.
Tatsächlich handelt es sich um eine Feuerwehrübung, wie aus Joel Sternfelds
kurzem beigegebenen Text hervorgeht. Es dauerte lange, bis das Haus richtig
brannte. Der Fotograf war schon kurz davor, aufzugeben, als das Bild dann
doch die Qualität zeigte, die er suchte, als er zwischen 1978 und 1986
immer wieder von New York aus zu Reisen durch die Vereinigten Staaten
aufbrach. Sie resultierten in der ikonischen Werkgruppe „American
Prospects“, einer ganz wichtigen Wegmarke der New Color Photography. Für
die Aufnahmen hatte Sternfeld eine Plattform für das Stativ seiner
8x10-Zoll-Großkamera auf das Dach seines VW-Campers gebaut.
Es war das Gefühl, dass in Amerika etwas nicht stimmte, dass etwas
schieflief, das Joel Sternfeld zu seinen Fahrten drängte. Und weil gerade
jetzt [1][wieder so viel schiefläuft in den USA], scheint die Zeit für Joel
Sternfelds „American Prospects“ erneut gekommen zu sein – so die Idee bei
der [2][Buchmann Galerie] (Joel Sternfeld – American Prospects, bis 21.
März, Charlottenstr. 13, Di-Sa 11-18 Uhr).
Unter den 21 Fotografien finden sich neben den ikonischen Bildern auch eine
Reihe bislang unveröffentlichter Arbeiten aus der Werkreihe. Allen ist die
dokumentarische Präzision der eingefangenen Szenen gemeinsam, denen
gleichzeitig immer ein Moment des Surrealen eigen ist. Daraus resultiert
eine Melancholie, in der die US-amerikanische Landschaft tatsächlich, wie
der Galerietext sagt, „als Resonanzraum gesellschaftlicher, ökologischer
und sozialer Spannungen“ erfahrbar wird.
Diesen politischen Resonanzraum findet der Künstler Klaus Walter in seiner
Ausstellung im [3][Studio im Hochhaus] in Hohenschönhausen (Klaus Walter, –
Moment, bis 19. April, Zingster Str. 25, Mo-Fr 10-18 Uhr, So 14-16 Uhr) in
der [4][Architektur der Moderne, besonders der Ostberlins]. Und so begegnet
man in einem mit feinen Pinseln gemalten Fassadendetail dem
Botschaftsgebäude der Tschechischen Republik, das sofort an den golden
verspiegelten Fenstern erkennbar ist.
Einen für die DDR-Moderne sehr typischen, ungeheuer dekorativen
Betongusszaun, Motiv des Gemäldes „Paradigma“, fand der bei Arno Rink in
Leipzig ausgebildete Künstler an der Stasizentrale in Lichtenberg. Walters
Stadtrandszenen, Bilder von der Familienfreizeit in freudlosen
Randbezirken, in denen die urbane Brache noch die Naturlandschaft
beherrscht, haben dann die Qualität von „American Prospects“.
24 Feb 2026
## LINKS
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(DIR) [2] http://buchmanngalerie.com/de/exhibitions/berlin/joel-sternfeld/american-prospects/2026
(DIR) [3] http://studio-im-hochhaus.de/de/strartseite/
(DIR) [4] /Wiederaufbau-in-Ost-und-West/!6122964
## AUTOREN
(DIR) Brigitte Werneburg
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