# taz.de -- Arbeitsverbote für Asylbewerber: Dobrindts Politik bleibt ein Hohn für Geflüchtete
       
       > Asylbewerber sollen laut Innenminister Dobrindt früher arbeiten dürfen.
       > Das klingt gut – steht aber im Widerspruch zu seiner sonstigen Politik.
       
 (IMG) Bild: Will Asylbewerber schneller in Arbeit bringen: Bundes-innenminister Alexander Dobrindt (CSU)
       
       Kann man das wirklich glauben? Eine Bestätigung jedenfalls gibt es am
       Montag nicht für das, was Innenminister Alexander Dobrindt am Vortag gesagt
       hatte: Künftig dürfen alle Asylbewerber*innen nach drei Monaten
       arbeiten. Erleichterungen wie diese sind schon lange eine linke Forderung.
       Arbeit erlaubt es Geflüchteten, Deutsch zu lernen, sozial Anschluss zu
       finden, hier wirklich anzukommen. Genau deshalb fürchtet die Union
       traditionell, dass Arbeit Geflüchtete erst anlocke und es gleichzeitig
       schwer mache, sie wieder abzuschieben.
       
       Gut möglich also, dass der Hardliner Dobrindt in den nächsten Tagen doch
       noch mit einer Einschränkung um die Ecke kommt, die seine ursprüngliche
       Ankündigung entkernt. Er könnte etwa Dublin-Fälle ausnehmen, wie es
       ursprünglich im Koalitionsvertrag angekündigt war. Weil fast jede*r
       [1][Asylbewerber*in über ein anderes europäisches Land] nach
       Deutschland kommt, wäre dann auch praktischer jede*r von den
       Erleichterungen bei der Arbeitsaufnahme ausgenommen.
       
       Selbst wenn Dobrindt bei seinem Wort bleibt, hat er in den vergangenen
       Monaten in der Migrationspolitik zu viel zerstört. Bestes Beispiel sind die
       [2][Integrationskurse,] von denen Dobrindt kürzlich alle
       Asylbewerber*innen, Geflüchtete aus der Ukraine und EU-Ausländer
       ausschloss. Ein Hohn für Zuwanderer*innen, von denen
       Unionspolitiker*innen sonst unermüdlich fordern, sie sollten sich
       „integrieren“. Und eine riesige neue Hürde auf dem Weg zu einem Job. Wem
       ist geholfen, wenn Geflüchtete künftig schneller zwar arbeiten dürfen, aber
       im Bewerbungsgespräch keine Chance haben, weil sie kaum Deutsch sprechen?
       
       Man kann diese Frage noch viel grundsätzlicher stellen: Wem ist geholfen,
       wenn Geflüchtete früher arbeiten dürfen, aber bald fast keine Geflüchteten
       mehr da sind? Denn auf nichts anderes zielt Dobrindts Politik der
       vergangenen Monate ab. Sein Innenministerium feiert sich dafür, dass die
       Zahl neuer Asylanträge zuletzt um ein Drittel gesunken und die der
       Abschiebung gestiegen ist. [3][Es gibt kaum ein Land mehr, in das die
       Bundesregierung nicht abschiebt]. Mit den Dublin-Zentren, die der Bundestag
       demnächst beschließen soll, könnten viele Geflüchtete bald in regelrechten
       Haftzentren festgesetzt werden.
       
       All das bedeutet nicht, dass die aktuellen Erleichterungen bei der
       Arbeitsaufnahme falsch sind. Vielleicht weitet eine zukünftige
       Bundesregierung die Teilnahme an Integrationskursen wieder aus und
       erleichtert es Geflüchteten, nach Deutschland zu kommen. Bis dahin aber
       droht Dobrindts Ankündigung eine Luftnummer zu bleiben.
       
       23 Feb 2026
       
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