# taz.de -- Streichung von Integrationskursen: Gegen die Gastarbeiterlogik
> Ein Bündnis will „Deutschkurse sichern, nicht streichen“ und demonstriert
> in Berlin. Betroffen sind nicht nur Migranten, sondern auch Dozierende.
(IMG) Bild: Demonstration gegen die Streichung von Integrationskursen vor dem Bundestag
„Ein integrationspolitischer Irrsinn!“ sei die Streichung von
Integrationskursen. Das ist auf einer Demo am Samstag vor dem
Bundesinnenministerium immer wieder zu hören. Gerufen hatte ein Bündnis aus
Lehrkräften, Eingewanderten, Wohlfahrtsverbänden und Trägern von
Integrationskursen. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) müsse die
zuletzt verkündete [1][Streichung der Finanzierung von freiwilligen
Integrationskursen] zurücknehmen, so die Forderung.
Das Bündnis geht von 130.000 Betroffenen bundesweit aus, denen künftig
keine Integration mehr in die Sprache, Kultur und deutsche Gesellschaft
vermittelt werden könnte. Betroffen sind allerdings auch die Lehrenden
selbst. Michalina Baier ist studierte Germanistin und kam 2013 aus Polen
nach Deutschland. Seitdem bringe sie hier Eingewanderten Deutsch bei. „Ich
bestreite meinen Lebensunterhalt damit und jetzt wird mir meine Arbeit
weggenommen“, beklagt sie. Sie liebe ihren Job und würde ihn gern bis zur
Rente weiterführen.
Das Bundesinnenministerium begründet die Streichung der freiwilligen
Integrationskurse mit sinkenden Migrationszahlen und Kosteneinsparungen.
Nur noch Menschen, die vom Jobcenter oder der Ausländerbehörde dazu
verpflichtet werden, sollen noch an kostenlosen Kursen teilnehmen dürfen.
80 bis 90 Prozent der Teilnehmenden seien aber Freiwillige, betont
Michalina Baier.
Der Sprecher der SPD für Antidiskriminierung und Integration im
Abgeordnetenhaus, Orkan Özdemir, befürchtet einen Rückfall in die alte
Gastarbeiterlogik und ein „Fluten des Niedriglohnsektors“ durch mangelnde
Sprachförderung von eingewanderten hochqualifizierten Fachkräften.
„Teilhabe ist ein Menschenrecht“, ergänzte Dieter Hartmann von der Berliner
VHS-Dozierendenvertretung. Das dürfe nicht vom Geldbeutel der Betroffenen
abhängig sein.
## Es ist die Ideologie, nicht das Geld
Ohnehin sei das Geld für die Integrationskurse schon bereitgestellt
gewesen. Daher gebe es für den nun verkündeten Zusagestopp keinen Grund, so
Lisa Paus von den Grünen und Vorsitzende des Haushaltsausschusses im
Bundestag. „Das Geld ist da.“ Die laut Veranstaltenden etwa 650
Demonstrierenden vermuten hingegen politische Gründe hinter Dobrindts
Beschluss und attestieren der Bundesregierung eine allgemein
migrationsfeindliche Politik.
Dies sieht auch die Psychologin Camila Travaglia so. Die Argentinierin
wohnt seit vier Jahren in Berlin. Sie sei sehr glücklich darüber, vor
Kurzem einen Integrationskurs abgeschlossen zu haben. Sie erzählte: „Meiner
Meinung nach baut der Integrationskurs viele Barrieren ab. Er gibt uns die
Chance, sprachlich und persönlich zu wachsen, so können wir positiv unser
Leben in der deutschen Gesellschaft gestalten und aktiv teilhaben.“
15 Mar 2026
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(DIR) Leonard Kirschhöfer
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