# taz.de -- Gestoppte Integrationskurse: Volkshochschulen kritisieren Innenministerium
       
       > Integrationskurse zur deutschen Sprache und Kultur sollen das Ankommen in
       > Deutschland erleichtern. Das Innenministerium will sparen – und erntet
       > Kritik.
       
 (IMG) Bild: Müssen sich um ihren Kurs sorgen: Ukrainische Senioren lernen die deutsche Sprache
       
       afp/dpa/kna/taz | Die von Alexander Dobrindts Innenministerium angeordnete
       Zugangsbeschränkung zu Integrationskursen sorgt für anhaltende Kritik von
       allen Seiten. [1][Neben der Opposition] äußern sich nun auch der Deutsche
       Volkshochschul-Verband und der Paritätische Gesamtverband.
       
       Die Bundesregierung will niemanden mehr für [2][Integrationskurse]
       zulassen, der oder die zu solch einem Kurs nicht verpflichtet ist. Das
       bedeutet, dass insbesondere Asylbewerberinnen und Asylbewerber, Geduldete,
       Menschen aus der Ukraine sowie Bürgerinnen und Bürger der Europäischen
       Union [3][nicht mehr im Rahmen verfügbarer Kursplätze zur Teilnahme
       zugelassen werden].
       
       Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) warnt vor fatalen Folgen auch für
       jene, die weiterhin zur Kursteilnahme verpflichtet sind, etwa vom Jobcenter
       oder von anderen Behörden. Ohne jene, die unter die Blockade fallen,
       könnten Volkshochschulen „keine neuen Kurse einrichten, weil die seitens
       des zuständigen Bundesamts vorgegebene Mindestteilnehmerzahl nicht mehr
       erreicht werden kann“, erklärte der Verband am Mittwoch. Damit hätten auch
       die zur Teilnahme Verpflichteten und Menschen mit einem Rechtsanspruch auf
       einen Kurs keinen Platz.
       
       Außerdem werde sich die „kurzsichtige Sparaktion des Ministeriums auch
       langfristig auswirken“, warnte der Verband. Die [4][Volkshochschulen]
       könnten Lehrkräften keine Perspektive mehr bieten, hätten keine
       Planungssicherheit und würden in ihren Kapazitäten beschnitten. Nicht
       zuletzt seien die Folgen für die Betriebe fatal, „die dringend Arbeits- und
       Fachkräfte suchen“.
       
       „Menschen, die sich in die Gesellschaft integrieren und arbeiten wollen,
       wird signalisiert, dass dies unerwünscht sei“, kommentierte
       DVV-Verbandsdirektorin Julia von Westerholt. „Das widerspricht der
       bisherigen Strategie, Zugewanderte zügig in Existenz sichernde Arbeit zu
       bringen, und entbehrt angesichts des prognostizierten Mangels an über
       sieben Millionen Fachkräften bis 2035 jeder wirtschaftlichen Vernunft.“
       
       ## Kritik von Paritätischem und Kirche
       
       Der Paritätische Gesamtverband verwies darauf, dass Integrationskurse für
       die Teilnehmenden „weit mehr als Deutschunterricht“ seien. „Wer ihnen diese
       Kurse verweigert, verbaut ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben und
       drängt sie in den [5][Niedriglohnsektor], unabhängig von ihren
       mitgebrachten Qualifikationen“, kritisierte Hauptgeschäftsführer Joachim
       Rock. Das sei eine „katastrophale integrationspolitische Fehlentscheidung,
       die sofort zurückgenommen werden muss“.
       
       Auch der katholische Flüchtlingsbischof Stefan Heße kritisierte am Mittwoch
       die neu geschaffene „erhebliche Hürde zu gelingender Integration“,
       insbesondere für EU-Bürger und Geflüchtete aus der Ukraine. Diese würden
       durch die Entscheidung von Integrationskursen faktisch ausgeschlossen. „Mit
       gutem Grund haben sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag das Ziel
       gesetzt, mehr in Integration zu investieren. An diesem Anspruch sollte sich
       die Bundesregierung weiterhin messen lassen“, so Heße.
       
       Oppositionsseitig kam Kritik auch von den Grünen und der SPD. Die
       Co-Vorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, erklärte, es sei total
       absurd, dort zu sparen, wo Menschen die deutsche Sprache lernen wollten, um
       dann zu arbeiten. Sie verstehe nicht mehr, was die CDU wolle. Bereits am
       Dienstag hatte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Dirk Wiese,
       seine Irritation über das Vorhaben erklärt. Auch die
       Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), und
       SPD-Vizefraktionsvorsitzende Sonja Eichwede hatten [6][das Vorgehen des
       Innenministeriums als unverantwortlich kritisiert].
       
       12 Feb 2026
       
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